laut.de-Kritik

Zwischen Curse, Azad, Kool Savas und Kontra K.

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"Molokopf" beginnt mit Pathos beladen, denn die Last auf Credibils Schultern wiegt schwer. Kool Savas, Azad und Moses Pelham sind nur die prominentesten Namen, die sich auf den jungen Mann aus Frankfurt einigen können. Doch anders als auf seinem "Deutschen Demotape" kann Credibil diesmal nicht auf Altbewährtes in Form von Classic-Instrumentals zurückgreifen, sondern muss seinem Anspruch, Themensongs fernab von nichtssagenden Tracks zu schreiben, komplett alleine gerecht werden.

Was ihn ausmacht, hat Musikvideoproduzent und bekennender Fan Mikis Fontagnier bereits schön zusammengefasst: "Eine Mischung aus den großen Worten von Curse, Kool Savas' Flow und Azads Attitüde gepaart mit dem erfinderischen Wortumgang der Straßenrapper von heute." Von mir gibts noch Kontra Ks unbändigen Willen obendrauf. "Will lieber rausgehen und Welten bewegen/ anstatt endlos zu reden über Geld und Verträge/ Es wurd' so viel geredet, so wenig gesagt".

Umso besser, dass Credibil auf "Molokopf", dem Quasiprolog zum angekündigten Album, einen alternativen Weg einschlägt, der seinem vielsprechenden Newcomerstatus tatsächlich gerecht wird. Hochexplosiv sind die Themen, die seinem Molokopf entspringen, zwar nicht gänzlich – brisant dafür allemal. "Der Jiggo" führt besonders eine Frankfurter Tradition konsequent fort - Aufrichtigkeit. Die logische Folge: ein humorbefreites, ungeschminktes und freimütiges Ausrufezeichen, das zuweilen unter seiner Verkrampftheit leidet.

Seine besten Momente hat "Molokopf", wenn sich Credibil von altbackenen Strukturen, sei es durch Beatumschwünge ("Spotleid") oder fragmentierte Lines ("Molokopf"), löst und sich somit von der eigenen Verkopftheit befreit. In seiner "Swimming Pools (Drank)"-Anlehnung "Halb Voll Halb Leer" grast er sein zwiespältiges Verhältnis zum Alkohol ab und zieht dabei befreit von Phrasen die Brücke zu Opti- bzw. Pessimismus. Noch besser wird "Der Jiggo" nur, wenn er mit seinen Jungs Belabil und Frustra Kritik an gesellschaftlichen Mustern übt – "schlechte Gene, gute Herzen" lautet das Stichwort.

Zwar orientieren sich die Produktion, deren Bärenanteil aus The Cratez' Händen stammen, durch ihre wuchtigen Bässe und 808-Anleihen auffallend an zeitgenössischem Schaffen, meistern aber gerade noch den Spagat zu einer Eigenständigkeit, die zwar nicht immer voll aufgeht ("Molokopf"), auf der bevorstehenden Platte aber dennoch ein entscheidender Faktor werden könnte.

"Und ich lasse mich nicht bremsen von irgendeiner Zukunftsangst / Ich komm von unten, zerbreche nicht am Druck". Schenkt man den Worten Credibils Glauben, könnten Savas, Pelham und Azad mit ihren Zukunftsprognosen tatsächlich nicht ganz falsch liegen. Die wahre Reifeprüfung steht Credibil Ende des Jahres erst noch bevor.

Trackliste

  1. 1. Doppelpunktklammerzu
  2. 2. Halb Voll Halb Leer
  3. 3. Molokopf
  4. 4. Der Jiggo
  5. 5. Ruf Nach Den Gangstern (Feat. Said)
  6. 6. Meine Jungs Sind Kind (Feat. Belabil & Frustra)
  7. 7. Spotleid
  8. 8. Schlaflos

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4 Kommentare mit 2 Antworten

  • Vor 7 Jahren

    8 Tracks? Ist das ne EP?

    Finde den jungen im höchsten Maße uninteressant und langweilig. Egal ob im Interview oder bei den Hörproben.

  • Vor 7 Jahren

    Was der lautuser sagt. Eigentlich sympathischer Kerl, aber todlangweilig. Weiß auch nicht, warum der so einen Hype hatte bzw. hat, meiner Meinung nach liefert der nichts Neues und geht auf jeden Featuretrack gnadenlos unter. Ich gönne ihm den Erfolg aber nachvollziehen kann ich das überhaupt nicht.

  • Vor 7 Jahren

    Ihr zwei Pimmelberger fotzt bitte schnell ma ab. Dicke EP! Vor allem "schlaflos" zerseeeekt!

  • Vor 7 Jahren

    Also unabhängig davon, daß Musik Geschmackssache ist, kann man doch nicht ernsthaft behaupten, daß der Junge Credibil nicht fresh, innovativ und einzigartig ist! Und er steigert sich von Release zu Release, gerade der aktuelle Feuer und Funke Song Emotion pur!
    Manchmal frage ich mich, was für ignorante Menschen Musik konsumieren oder besser, warum so ignorante MensChen überhaupt Musik hören...
    Wie oben geschrieben, man muss es nicht mögen, Stimme, Flow und Beatgeschmäcker sind im Zweifel sehr verschieden, aber man kann ihm doch objektiv betrachtet keine überdurchschnittlichen Skills absprechen...