laut.de-Kritik

Mit wohligen Klängen gegen die Erwartungshaltung.

Review von

"I miss the way you stared at me", nölt Alec Ounsworth uns in "Maniac" entgegen. Dass er bzw. seine Stimme es wert ist, angestarrt zu werden, merken Clap Your Hands Say Yeah spätestens bei der Veröffentlichung ihres gleichnamigen Debüts, das 2005 für großes Aufsehen in der Indie-Gemeinde sorgt. Nicht nur sein Organ fasziniert: auch das verschrobene Songwriting, diese Unperfektion und die DIY-Haltung der Band lassen Horden von Indies strahlen.

Zwei Alben und vier Jahre Auszeit später nun also Ounsworths vermeintlicher Aufschrei. An seiner Stimme hat sich nichts geändert – nur das Songwriting und die Produktion von "Hysterical", die stimmen nicht mehr ganz so hysterisch-euphorisch wie das Debüt.

Spannend startet die Platte der New Yorker Band. Der Einstiegstrack "Same Mistake" genau wie "Hysterical" wecken alte CYHSY-Erinnerungen und machen Lust auf mehr. Abwechslung folgt mit "Misspent Youth", einem ruhigeren, melancholischen Track. Null schnulzig dank dezenter Hintergrundmusik, die nur von der trauernden Stimme Ounsworth ablenken würde. "Maniac" eröffnet mit seinem Dancepop-Sound erneut die Tanzfläche, Bläsereinsätze sorgen für den Gute-Laune-Rundum-Schlag.

Ein verschrobenes Gitarrensolo ("Into Your Alien Arms") später klingt die Hysterie und Euphorie des Anfangs dann schnell ab. "Siesta (For Snake)" beispielsweise erinnert fast ein wenig an Schlagerparade und schnulzt leider zu sehr. "Idiot" dudelt ohne herausstechende Vorkommnisse vor sich hin. Immer wieder starten die Vollblutmusiker den Versuch, das gewohnte Ungewohnte zu finden, scheitern aber eben mit Songs wie "Idiot". Der Track plätschert unspektakulär vor sich hin – ob das Wort Lückenfüller hier wohl angebracht wäre?

Auch "Adam's Plane", der Abschlusssong, bietet leider kein knallendes Finale. Zum Ende hin entsteht ein gewisses, krachiges Durcheinander von Klavier, Gesang und Schlagzeug, das sich dann aber nach mehr als sieben Minuten Länge doch in die Harmonie auflöst. Da springt man lieber noch einmal zurück zu "Yesterday, Never" mit seinen Synthie-Sounds und den wunderbar chaotischen Stellen.

Ob es ungewöhnlich ist, sich in leicht Zugängliches reinhören zu müssen? Seine Ohren auf Verschrobenes vorbereitet zu haben und dann von teils zu wohligen Klängen umgarnt zu werden? Für Clap Your Hands Say Yeah-Alben schon. Noch immer bewegen sich CYHSY fern vom Mainstream, sind aber eben doch nicht mehr so DIY und perfekt unperfekt wie zu Gründungszeiten.

Es gibt ein paar Durststrecken, Langatmigkeiten und unzulängliche Tracks. Alec Ounsworth und sein nasaler Schräggesang kommen unglücklicherweise nicht mehr so intensiv daher wie das Debüt. Hysterischer Aufschrei: "Neue, alte Indie-Vertretung"? Leider nein. Aber hysterischer Aufschrei: "Die CYHSY-Zeiten sind vorbei"? Keine Angst, Alec: Nein, nein!

Trackliste

  1. 1. Same Mistake
  2. 2. Hysterical
  3. 3. Misspent Youth
  4. 4. Maniac
  5. 5. Into Your Alien Arms
  6. 6. In A Motel
  7. 7. Yesterday, Never
  8. 8. Idiot
  9. 9. Siesta (For Snake)
  10. 10. Ketamine And Ecstasy
  11. 11. The Witness' Dull Surprise
  12. 12. Adam's Plane

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