laut.de-Kritik

Eine Rückbesinnung vom Doom Metal zum Folk.

Review von

Nach ihrem Doom Metal-Album "Hiss Spun" zieht es Chelsea Wolfe nun zurück zu ihren Folk-Wurzeln. "Birth Of Violence" wirkt wie ein Blick in das Auge des Sturms. Während außen die Electronik- und Gitarrenwände brummen, ist es hier trügerisch ruhig und pur.

Bereits 2015 kaufte sie sich ein Haus in ihrer Heimat in der Nähe der Redwood-Wälder Nordkaliforniens. Ausgebrannt von den Tourneen und dem Musikbusiness zog sie sich im letzten Jahr dorthin zurück. Inspiriert von der Einsamkeit und der sie umgebenden Natur fand sie zur Ruhe und zum Skelett ihrer Musik. Im Mittelpunkt stehen akustische Gitarren, dunkle Pianoparts und Bass. Zeitweise stoßen in den Arrangements Streicher oder vage Erinnerungen an "Abyss" und den Vorgänger hinzu.

Dabei sind sich das opulente "Hiss Spun" und das karge "Birth Of Violence" ähnlicher, als es im ersten Moment den Anschein hat. Sie stellen die unterschiedlichen Enden einer aus der Dunkelheit entspringenden Poesie dar, sind im Songwriting jedoch eins. Quasi "Born In The USA" und "Nebraska".

"Deranged For Rock & Roll" ("Drink my dreams and sell my soul") sticht dabei deutlich aus dem restlichen Konzept des Longplayers heraus. Von elektrischem Chaos und einem metallenem Schlagzeug begleitet klingt ausgerechnet dieser Song am zugänglichsten seit langem.

Kein anderes Stück auf "Birth Of Violence" verfügt hingegen über eine vergleichbare Dramaturgie wie das von der Route 66 inspirierte "The Mother Road". Ein Blick in die endlose Natur, der von Beginn an unterschwellig grummelt. Während Wolfe "I do not have a child / But I'm old enough to know some pain / And I'm hell-bent on loving you / Women know what it is to endure" singt, versuchen Streicher, den Track zu erhaschen. Schließlich gipfelt das Stück zu Percussions, Violinen und einer zerrenden Gitarre in einem sich wie ein Mantra wiederholendem "Bloom and eclipse them, wake up and transform". Ein Track, der an Anna Ternheims "All The Way To Rio" erinnert.

"When you come dead last / In battles long past / Intended to rip my heart out / Oracle of your secrets", eröffnet sie "American Darkness". Die zurückgenommene Instrumentierung aus Besenschlagzeug, Strumming und reserviertem Keyboard führt zu einem ätherisch gleitendem Sound.

Für das einfach sehr schöne "Highway" blickt sie zurück und voraus auf den Tourstress, zu dem einsamen Leben nach der Bühne, wenn die Nacht auf dem Weg von einer austauschbaren Location zur nächsten am Fenster vorbei rauscht. "Another city, another day / Left all of me on the stage / Hear that train / Hear that lonely highway." Zu dem spartanischen Arrangement zeigt Wolfe eine andere Facette, setzt ihre Stimme für das Album ungewohnt hoch an. "The Storm" liefert für Freunde der Nachvertonung einen neuen Diamanten fürs persönliche Geräuschearchiv: Eine Minute Regengetröpfel zuzüglich Donner.

Die beklemmende Atmosphäre stellt den rote Faden dar, den Chelsea Wolfes sechs bisherigen Alben verbindet und den sie geschickt in Folk, Post-Punk, Noise Rock oder Doom Metal einfädelt. Mit ihm könnte sie wahrscheinlich auch mit momentan eher abwegigen Genres wie Hip Hop oder Pop anbändeln und es wäre immer noch brillant. Das meditative "Birth Of Violence" bietet da keine Ausnahme.

Trackliste

  1. 1. The Mother Road
  2. 2. American Darkness
  3. 3. Birth Of Violence
  4. 4. Deranged For Rock & Roll
  5. 5. Be All Things
  6. 6. Erde
  7. 7. When Anger Turns To Honey
  8. 8. Dirt Universe
  9. 9. Little Grave
  10. 10. Preface To A Dream Play
  11. 11. Highway
  12. 12. The Storm

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