laut.de-Kritik

Die Achtziger-Ikone auf neuen Wegen.

Review von

"Hello Happiness" möchte Chaka Khans zwölftes Studioalbum sein - geht mit sieben Stücken und rund 27 Minuten Spielzeit eher als EP durch. Nun bedeutet Masse nicht automatisch Klasse, da Fans seit "Funk This"(2007) aber auf eine neue Langspielplatte warten, wäre mehr wünschenswert gewesen.

Dennoch liefert die 80s-Ikone musikalisch ab: Das Album klingt nicht altbacken, sondern zollt Khans fast fünf Dekaden andauernden Karriere Respekt. Auf der Disco-Nummer "Like A Lady" holt die Mezzosopranistin alles aus ihrer Stimme heraus. Auf "Like Sugar" flirtet sie zu kubanischen Timbales und einer melodischen Bassline mit dem Funk und beendet die Platte mit "Ladylike" per Meeresrauschen und eingängigem Riff.

Obwohl "Don't Cha Know" ein elektronisches Instrumental in den Mittelpunkt stellt, bleibt kein Zweifel daran, dass die Diva natürlich der Star ist. Ein Text mit gerade mal 45 Worten reicht aus, um ihre außergewöhnliche Stimme und Ausstrahlung zu betonen: "Don't ya know about me? / I got my own thing".

Gemeinsam mit Songwriterin Sarah Ruba sorgt das ehemalige Major-Lazer-Mitglied Switch dafür, dass Chaka Khan die zwölfjährige Studiopause nicht anzuhören ist. Trotzdem ließ sich die Sängerin nicht einfach eine fremdproduzierte Vision aufdrücken, sondern schrieb - anders als bei den Vorgängern - an allen sieben Stücken mit. Umso authentischer klingen die gefühlsbetonten Texte.

"Music makes me sing / Goodbye sadness / Hello happiness", heißt es beispielsweise auf dem Titeltrack. 2016 zog die zehnfache Grammy-Gewinnerin die Notbremse, sagte Konzerte ab und begann eine Drogentherapie. Heute geht es ihr besser, "Hello Happiness" liefert hörbar den Beweis.

Khan und ihr Team wärmen keine alten Kamellen auf, sondern gehen mit bewährtem Schuhwerk neue Wege. "Hello Happiness" ist eine ernstgemeinte Liebeserklärung an Musik und hat allein dadurch unbedingte Daseinsberechtigung. Leider fühlt sich das Album nur wie ein Zwischenschritt zur nächsten Großtat an. Immerhin zeigt diese Veröffentlichung, dass da noch was kommen könnte.

Trackliste

  1. 1. Hello Happiness
  2. 2. Like A Lady
  3. 3. Don't Cha Know
  4. 4. Too Hot
  5. 5. Like Sugar
  6. 6. Isn't That Enough
  7. 7. Ladylike

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4 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 7 Monaten

    Like A Lady, Ladylike... okay, sie covert also die großen Hits der Girlband Monrose. Mutig von ihr.

  • Vor 7 Monaten

    Ich finde das Album grossartig. STellenweise erinnert mich das an PRINCE aus der ARt official Age und HITN RUN PHASE . Auf jeden Fall ein knackiges, funkiges Soulalbum das sich hören lasssen kann.
    Ich gebe 4 von 5 . Ein Punktabzug weil das Album mit 28min einfach zu kurz ist.

  • Vor 6 Monaten

    Ein Album, dass im positiven Sinne wie eine LP aus den 70ern, nur 2019 produziert klingt, muss man erstmal hinbekommen. Die Bässe klingen authentisch nach Bernard Edwards, hier und da knarzt ein Funky Hohner D6 dazwischen, im Video zu Hello Happiness hat "Detektiv Rockford – Anruf genügt" seinen Auftritt. Das Ding sitzt punktgenau auf einem schmalen Grat.

  • Vor 3 Monaten

    OK, es sind ein paar nette Dance Tracks, die nicht ganz alltäglich produziert sind. Aber mal ehrlich - wenn nicht Chaka Khan drauf stünde, es hätte vermutlich niemand gemerkt, dass sie in irgendeiner Weise beteiligt ist.
    Da ist nichts von dem zu hören, was einmal Chakas Einzigartigkeit ausgemacht hat. Die stimmliche Virtuosität, die unvergleichliche Art und Weise ihrer Phrasierung, die unglaubliche Lebendigkeit - einfach weg. Nichts mehr übrig. Nur noch Voice Samples im Hintergrund. Das tut weh und ich frage mich, warum dieses Album sein musste.
    Farewell Chaka Khan. Du warst für mich immer die Größte!