laut.de-Kritik

"I'm only human, save me from myself" - wer macht das mal eben?

Review von

"Der Titel des Albums spiegelt Brandys wahres Leben wider." So so, Brandy ist im wahren Leben also im Großen und Ganzen ein "Mensch". Welch Leckerbissen der modernen Pressearbeit, einen Job in der PR-Abteilung bei Sony BMG müsste man haben.

Aber wer will es den Kollegen verdenken? Wenn die anzupreisende Platte nichts anderes hergibt als die übliche Popmiezensuppe, muss eben der erste Einfall herhalten. Für mich persönlich hat das den Vorteil, dass ich einen Einsteig in die Rezension habe, ohne auf peinlich-doofe Namenswitze zurückgreifen zu müssen.

Dabei wäre selbst der uralte Verweis auf den alkoholischen Namensvetter weit spannender als die 15 Titel der singenden Spezies. "Can you hear me crying? [...] This long distance is killing me" ("Long Distance") Ja, mich macht das 50 Minuten lange Geheule und Gejammere auch ziemlich fertig. Fast eine Stunde, das reicht locker aus, um ein Spiel der Curling-WM der Frauen auf Eurosport zuende zu gucken oder gelbe Säcke beim Bürgeramt zu holen. Beides sinnvollere und vor allem unterhaltsamere Zeitvertreibe, als dieser flachen Produktion zuzuhören.

Eine Kombination wie sie beide gebe es kein zweites Mal, meint Produzent Rodney Jerkins, mit dem Brandy anno 1998 bereits ihr größtes Hitalbum "Never Say Never" aufgenommen hatte. Nur dass Kompression und die damit einhergehende Angleichung der Lautstärke einen signifikanten Mangel an Dynamik nach sich zieht, muss dem Traumduo entgangen sein. Wie ist eine solche Qualität in Zeiten modernster Aufnahmetechniken denn bitte zu erklären? Soll das hitradioaffine Publikum keinen Unterschied zur Radioübertragung merken oder was?

So glatt und gestriegelt produziert und so verdammt langweilig. Kein Groove, keine Dynamik, kein Überraschungseffekt, dafür ein zäh dahinfließender, billiger Soundbrei und das immergleiche Muster: Brandy singt über Liebe oder wahlweise Herzschmerz, Brandy singt Vokale wie "uuuh" oder "oooh", Brandys Stimme wird im Refrain gedoppelt. Zwischendrin gibts dann hier und da ein Klavier oder eine Gitarre und irgendwelche Synthies. Dabei hat ihre Stimme gerade in den tieferen Regionen durchaus Soulpotenzial, das es zu fördern gegolten hätte.

In den USA war "Human" mit gerade 74.000 verkauften Einheiten in der ersten Woche das kommerziell mit Abstand schlechteste Album der 30-Jährigen. Insofern ist einer Abkehr vom Mädchenpop hin zu reiferem Soul vielleicht kein so großer Riegel vorgeschoben. "I'm only human, save me from myself" -kann sich da mal bitte jemand drum kümmern?

Trackliste

  1. 1. Human Intro
  2. 2. The Definition
  3. 3. Warm It Up (with Love)
  4. 4. Right Here (Departed)
  5. 5. Piano Man
  6. 6. Long Distance (Interlude)
  7. 7. Long Distance
  8. 8. Camouflage
  9. 9. Turn Down
  10. 10. Human
  11. 11. Shattered Heart
  12. 12. True
  13. 13. A Capella (Something's Missing)
  14. 14. Love
  15. 15. Fall

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14 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    "Popmiezensuppe" muss jemand mal in den Duden aufnehmen. Ich find' Popmiezen super.

  • Vor 11 Jahren

    Ohhhhhhhh... Also, die Rezi finde ich etwas ungerecht und übetrieben! Das Album ist vollkommen OK und ist eins der Besten Alben von den "Miezen" seit ein paar Monaten. Klar ist es kommerziell, aber das muss jetzt auch nicht schlecht sein. Also es ist gutes "urbanes" contemporary-R'n'B, das Beyonce und Rihanna usw. nur davon träumen können. Der Rezensent sagt es fehlt der Goove und Rhythmus, finde ich eigentlich nicht. Gerade die teilweise sehr guten und originellen Beats, Rhtyhmen machen die Platte gut! Die Songs sind in sich abwechlungsreich, wie es eben in dieser Branche nur geht. Teilweise ist es etwas "dirty-beat", etwas düsterer, was aber, zugegeben, die etwas platten Texte dann versauen. Es geht halt um Liebe und das Gefühl ein Mensch zu sein (Herzschmerz, Trauer, ...). Einige Songs sind ein wenig 08/15, einige aber dann sehr gut. Right Here (Departed)- die erste Single finde ich hörenswert und bringt Gefühle rüber. A Capella (Something's Missing) ist a capella, mit ein paar "claps", ist total easy, aber sehr catchy, und gehört zu den Highlights, wie auch Piano Man, Long Distance. Shattered Heart hat orietnalisch Klänge und den besten Beat der Platte, True hat die besten Effekte. Brandy's Stimme steigert sich in ein paar Songs, und geht manchmal sehr Schräge, ungewöhnliche Wäge, klingt aber gut! Das beste der Platte ist ihre Stimme, die sie manchmal sehr verstellt und den Song bzw. den Teil des Songs anpasst (manchmal wechselt sie ihre Stimme und somit die Farbe und Singart auch X-mal in einem Song). Meiner Meinung nach bringt sie sehr viel Gefühl rüber, die Musik ist manchmal mittel, die Texte sind aber wirklich schlecht und alle gleich. Ich hoffe sie macht beim nächsten Album bessere Texte, oder stellt Jemanden ein, obwohl sie das ja auch bei diesem Album gemacht hat (Natasha Bedingfield, brachte aber leider nichts...
    Im Endeffekt ist die Platte grund solide, von mir eine 3.

  • Vor 11 Jahren

    Zitat (« "urbanes" contemporary-R'n'B »):

    bitte was?

  • Vor 11 Jahren

    Also ganz so schlimm ist es wirklich nicht. Es sind einige gute Tracks drauf, aber das hätte ich den Allgemeinveriss ja nicht gepasst ;-)

    Die Anmerkung mit den Verkaufszahlen - Seit wann (und gerade für laut) stellen Verkaufszahlen denn eine Qualitätsindikator dar??

  • Vor 11 Jahren

    @Dopo (« Die Anmerkung mit den Verkaufszahlen - Seit wann (und gerade für laut) stellen Verkaufszahlen denn eine Qualitätsindikator dar?? »):

    das hat der schreiberling doch in nen ganz guten zusammenhang gebracht und die sonderstellung im schwarzen pop erwähnt, heisst, dass masse und qualität da tatsächlich oft einhergehen. am besten, du liest es dir nochma durch. :rolleyes:

  • Vor 11 Jahren

    ich finde, curling ist ein zimeliche spannendes taktikspiel. ich guck das gerne....