laut.de-Kritik

Style checken, Tanzschuhe an, Bier auf und gemeinsam ausrasten!

Review von

Innerhalb der oftmals recht starren, auf Authentizität bedachten Rock'n'Roll- und Rockabilly-Szene gelten Boppin' B seit Jahrzehnten als die unorthodoxen Paradiesvögel im eigenen Milieu. Nicht zuletzt aufgrund zahlreicher Neuvertonungen bekannter Popsongs und ihrer Tour mit Sashas Projekt Dick Brave & The Backbeats. Dem Quintett ist's egal, denn gute Laune und Spaß an der Sache stehen bei ihnen stets im Vordergrund.

Nur konsequent also, dass die Aschaffenburger ihr 14. Album "We Don't Care" als Ansage dahingehend verstehen, dass sie auch nach 35 Jahren Bandgeschichte noch frisch im Safte stehen. Für eine zusätzliche Frischzellenkur sorgt der ehemalige Silverballs-Sänger Michael Bock, der 2018 das Lager wechselte und nun erstmals bei Boppin' B über den Verlauf eines kompletten Albums alles aus seiner Stimme herausholt.

Mit großer Spielfreude sowie einer dicken Portion Humor lädt die selbsternannte "Scheißkapelle" von der ersten Sekunde an zum locker-lässigen Hüftschwung. Doch Obacht: Wer tanzen will muss vorbereitet sein, denn ohne pomadierte Tolle kein Schwoof! Style macht eben Leute. Der äußerst mitsingbare Rat für einen erfolgreichen Abend darum: "Take Care Of Your Hair". Derart gerüstet und mit blitzenden Tanzschuhen versehen geht es in rasant-treibendem Uptempo in "Jump'n'Stomp" und "Get Crazy" ans kollektive Ausrasten.

Gerade in den schnellen Songs geht die Band routiniert wie eh und je, vor allem aber absolut passioniert zur Sache. Selbst wenn der "Rock'n'Roll Singer" mal wieder völlig abgebrannt ist und alles verloren hat, atmen Boppin' B Leidenschaft und rotzige Coolness aus jeder Pore. Die selbstauferlegte heilige Mission formulieren sie samt sexy Gitarrensolo in "40 Miles": "From Munich over Frankfurt, Hannover to Berlin / in Hamburg or in Stuttgart, we're burning down the scene."

Bei all dem hohen Tempo baut der Fünfer jedoch auch hin und wieder kleine Verschnaufpausen ein und gönnt dem Hörer Zeit zum Durchatmen. Mit der bereits letztes Jahr im August veröffentlichten ersten Albumsingle "In The Sun" bewegen sie sich mit Ukulele im Intro und luftig-tanzbarem Ska erstmals auf dem Album durch ganz andere Gefilde.

In diesem zu hochsommerlichen Temperaturen passenden Song mit Radio-Hitpotential vertonen sie zudem so ganz nebenbei anhand der Verse "I wanna sit here in the sun / in my hand just an ice cold beer / nothing left to be done" Harald Juhnkes Definition von Glück: "Keine Termine und leicht einen sitzen." Boppin' B scheinen an jamaikanischen Musikgenres jedenfalls Gefallen zu finden, denn mit "How Bad" wildern sie deutlich im Bereich des Roots-Reggae.

Selbstverständlich kommt auch die Liebe nie zu kurz. Klänge sie bloß so gut, wie sich das Verliebtsein über beide Ohren anfühlt. "Can't Get You Out Of My Head" handelt davon, lebt aber zu weiten Teilen von seinem fast schon zu eingängigen Refrain. Höhepunkt des Tracks: Das zum Ende führende, famose Saxophonsolo von Frank Seefeldt. Ebenfalls lahmend kommen "Always Believe In You" und der im Stil einer 50er Ballade gehaltene, von arpeggierten Akkorden durchzogene Herzschmerz-Song "The Earth Stood Still" daher.

Auch "Fire Alarm" kommt nicht so recht in Gang, wartet aber mit einem sehr tanzbaren Refrain auf. Auch hier holt Seefeld mit seinem Sax wieder die Kohlen aus dem Feuer. Etwas kraftvoller gehen Boppin' B in dem von einer zufälligen Kneipenschlägerei mit folgendem K.O. erzählenden "Bang Bang Bang" und dem einzigen Cover der Platte, dem 80er Klassiker "Sunglasses at Night" von Corey Hart zu Werke. Im finalen "Devil's Race" schließen sie stilistisch den Bogen zum Opener "Take Care Of Your Hair", erreichen aber mit kraftstrotzenden PS-Phantasien weder vom Humor, noch vom Drive her dessen Potential.

Auf "We Don't Care" zeigt sich die Combo offenherzig, vielfältig, eingängig und überaus tanzbar. Vor allem Fronter Bock macht bei seinem Album-Einstand eine gute Figur und ergänzt den typischen Sound zwischen Slap- und Walking Bass-Linien, groovenden Drums, dezent-akzentuierten Gitarren und gefühlvollem Sax hervorragend.

Zwar spielen Boppin' B geschickt wie eh und je verschiedene Formen des Rock'n'Roll mit sanften Blues- und Country-Anleihen, doch wünscht man sich hier und da etwas mehr Abwechslung von den gewohnten Mustern. Eines jedoch verdeutlichen die Aschaffenburger zweifelsohne und kraftvoll: Sie wollen es noch einmal wissen und mit ihnen muss man rechnen. Das dürfte ihnen mit dieser grundsoliden Platte sicher gelingen.

Trackliste

  1. 1. Take Care Of Your Hair
  2. 2. Can't Get You Out Of My Head
  3. 3. Always Believe In You
  4. 4. 40 Miles
  5. 5. In The Sun
  6. 6. Fire Alarm
  7. 7. Sunglasses At Night
  8. 8. Rock'n'Roll Singer
  9. 9. How Bad
  10. 10. Bang Bang Bang
  11. 11. The Earth Stood Still
  12. 12. Get Crazy
  13. 13. My Baby's Gone
  14. 14. Jump'n'Stomp
  15. 15. Devil's Race

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LAUT.DE-PORTRÄT Boppin' B

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5 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 8 Tagen

    Wer die Band live kennt, liebt sie und auch das neue Album. Mit der gewohnten Hingabe zu jedem Detail, kommt das herrliche Gefühl eines Konzertbesuchs direkt zu Dir ins Haus, Auto oder auch raus in die Natur und zaubert Dir ein entspanntes Dauerlächeln ins Gesicht! Manchmal macht KAUFEN doch glücklich!

  • Vor 6 Tagen

    Wer die Band live kennt, liebt sie und auch das neue Album. Mit der gewohnten Hingabe zu jedem Detail, kommt das herrliche Gefühl eines Konzertbesuchs direkt zu Dir ins Haus, Auto oder auch raus in die Natur und zaubert Dir ein entspanntes Dauerlächeln ins Gesicht! Manchmal macht KAUFEN doch glücklich!

  • Vor 6 Tagen

    Wer die Band live kennt, liebt sie und auch das neue Album. Mit der gewohnten Hingabe zu jedem Detail, kommt das herrliche Gefühl eines Konzertbesuchs direkt zu Dir ins Haus, Auto oder auch raus in die Natur und zaubert Dir ein entspanntes Dauerlächeln ins Gesicht! Manchmal macht KAUFEN doch glücklich!

  • Vor 6 Tagen

    Dieser Kommentar wurde wegen eines Verstoßes gegen die Hausordnung durch einen laut.de-Moderator entfernt.

    • Vor 6 Tagen

      Dauerkunde S. Meurer aus Bad Harrenhal schreibt:

      "Unendlich strahlt der Strahl, aus dem Zelt am Strand, Unter Alten Jacken strahlt es sich am besten!
      Verhaftet wegen Erregung öffentliches Ärgernis, doch ein Schloss Aus Glas zerbricht. Frei pissende Milf! 575, werde wieder bestellen!"

  • Vor 5 Tagen

    Komm raus und stell dich wie ein Mann!