laut.de-Kritik

Blühe auf, du unentschlossenes Werk!

Review von

"Can I wake you up, can I wake you up, is it late enough?" Höchste Zeit sogar! Bombay Bicycle Club haben genug im verträumten Folk gedöst, die Verstärker laufen wieder und die Synthies erst recht.

Wie eine Brücke zwischen Vergangenheit und Jetzt funktioniert "How Can You Swallow So Much Sleep". Anfangs akustisch, ganz im Stile des Vorgängers "Flaws", setzen langsam Synthiechöre ein, vorsichtig haucht Jack Steadman mit unverwechselbarer Stimme die ersten Worte, Drummer Suren de Saram steuert einen blechernen Beat bei. Und spätestens beim Post-Punk-verschmusten "Bad Timing" rotieren besagte Verstärker wieder.

Vampire Weekend und Bright Eyes lässt der Club hinter sich, diesmal stehen eher die frühen Coldplay Pate ("Take The Right One", "Bad Timing", "Favourite Day"). Wie auch bei Chris Martin prägt die schüchterne Stimme Steadmans den Sound ("Beggars", "Fracture", "Still"). Seine Vocals stehen nie alleine da, sind stets in das Spiel seiner Mannen eingebettet oder holen sich hier und da Unterstützung von weiblichen Gesangspartnern ("Lights Out, Words Gone").

Die wiedergewonnene Soundfülle steht Bombay Bicycle Club enorm gut. "Lights Out, Words Gone" oder "Your Eyes" bieten fluffige Hooklines. Freunde von "Always Like This" jauchzen vor Freude. Verfrickelte Gitarrensounds zwirbeln sich in den Gehörgang und verlassen den auch so schnell nicht mehr.

Den Kontrast zum aufgekratzten Gedüdel bilden flächige Synthies, die mit einer beinahe gelangweilten Ruhe den Hintergrund füllen und in der zweiten Albumhälfte die Überhand gewinnen. Tatsächlich ist die Freude an elektronischen Spielereien neu für die Mitglieder des Fahrradclubs. Sie kommen vernebelter, hallender ("Leave It") und gar mit etwas Shoegazing ("What You Want") daher. Atmosphärisch liegen die Songs zwischen den ersten beiden Alben.

Der Versuch, es allen Recht zu machen? Melancholie gepaart mit Gefrickel als gesunder Mittelweg? Wenn ja, dann kränkelt die Methode etwas, denn zu gleichförmig fließen die Synthie-betonten Songs ab "Leave It" an einem vorbei.

Nach den ersten Hördurchgängen bleibt einerseits das schmerzhafte Gefühl, gerade in der zweiten Albumhälfte, "A Different Kind Of Fix" könne nicht ganz mit den Vorgängern mithalten. Andererseits gibt es genügend Momente, die das Herz höher schlagen lassen, etwa das ausufernde Ende von "Favourite Day" mit seinem drängenden Drums.

Diese Momente lassen auf eine Platte hoffen, die im Laufe der Zeit ihren Kinderschuhen noch entwachsen wird und zu einem Liebling werden könnte. Wie es sich für den Bombay Bicycle Club eben gehört. Also blühe auf, du unentschlossenes Werk, blühe auf!

Trackliste

  1. 1. How Can You Swallow So Much Sleep
  2. 2. Bad Timing
  3. 3. Your Eyes
  4. 4. Lights Out, Words Gone
  5. 5. Take The Right One
  6. 6. Shuffle
  7. 7. Beggars
  8. 8. Leave It
  9. 9. Fracture
  10. 10. What You Want
  11. 11. Favourite Day
  12. 12. Still

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3 Kommentare

  • Vor 10 Jahren

    Da wird nicht mehr allzu viel nachblühen. Das ist jetzt das 3. Album innerhalb weniger Jahre, und sie schaffen es einfach nicht, irgendwas halbwegs eigenes und vor allem bleibendes aus der Melange bereits gehörter, allseits bekannter zeitgenössischer Mitstreiter zu formen. Musikalisch entdeck ich nach wie vor kaum Daseinsberechtigung - diese Rochpop-Standards liefert dir jede zweite Abikombo zwischen Brighton und Margate, dazu diese Nullkantproduktion - Es bleibt einfach nix hängen, Bombay Bicycle Club bleiben die Blaupause für die Kategorie "ferner liefen" ihres selbst erwählten Genres.

  • Vor 10 Jahren

    @ soulburn: so und du gehst jez schön wieder in deine metal ecke...

    find das album überraschend gut und entfaltet sich mit dem hören.
    wollt denen eig keine chance mehr geben nach dem akustik ding

  • Vor 10 Jahren

    Abgesehen davon, dass in meiner mit etwa 300-400 Alben gespickten Metal-Ecke mehr Substanz herrscht, als sich in jeder Sekunde dieses Albums offenbart, stehen eben jener Ecke gut 5500 LPs und CDs anderer musikalischer Sparten gegenüber - nur so am Rande, damit du mich nächstes Mal auch in die richtige Schublade stecken kannst.
    Probier also ruhig mal weiter, oder leg halt dein rückständiges Schubladendenken ab und akzeptiere, dass meine Ablehnung gegenüber dieser Band weniger meiner Verbundenheit zu einem bestimmten Genre, als vielmehr meinem (subjektiven) Empfinden, dass diese Band nichts eigenständiges, mitreißendes zustande bringt, entspringt.
    Ist ja schön, dass du letztgenanntes anders siehst, das schafft Stoff zur Diskussion - diese wird aber im Keim erstickt, wenn du meinst, du könntest durch solche Schieberkommentare anderen latent die "Qualifikation" absprechen, sich mit der Musik differenziert befassen zu können, nur weil sie bspw. vorwiegend andere Musik hören (was bei mir ja nicht mal der Fall ist).