laut.de-Kritik

Eigensinnig, majestätisch, ideenreich.

Review von

1999 gegründet erlebten Bleeding Through die Hochzeit des Metalcore mit und prägten sie ein Stück weit auch – indem sie sich früh durch eher ungewöhnliche Elemente von der Masse abgrenzten. Dass auch "Love Will Kill All" kein gewöhnliches Genrealbum ist, prophezeit schon das Intro "Darkness A Feeling I Know": Kirchenorgel und Brian "Sheep" Schiepatti nicht minder sakrale Singstimme.

So harmonisch bleibt es freilich nicht, das deutet der hübsch gereimte Text an: "This life, it will destroy your heart / Life will only rip us apart / And we reach inside my flesh to show you my pain / The hurt and the ugliness remains the same". Die Kernmelodie übertragen Bleeding Through ins folgende "Fade Into The Ash", allerdings erklingt sie hier in aggressiven Gitarrentremolos – die Grundlage für hart am Black Metal schrammendes Riffing. Passend dazu erinnern Marta Demmels (die ehemalige Peterson heiratete Machine Heads Phil Demmel) Keyboards stark an Dimmu Borgir.

Das prägnante Orgeln irritiert anfangs, kristallisiert sich aber als roter Faden und Besonderheit des Albums heraus. Ausgerechnet im rasanten "Buried", wo Sheep voller Verachtung brüllt "You're a fucking disgrace". Worauf nicht minder brutale Gangshouts zurückkeifen: "Bury you!" und Gitarren und Schlagzeug entsprechend ihre garstigsten Seiten auffahren, hat Demmel einen ihrer kongenialen Glanzmomente.

In ihren wahnsinnigsten Momenten erinnern Bleeding Through gar an Strapping Young Lad. Wer Devin Townsends Brainchild vermisst, sollte sich dringend das hektische, gruselig angeschwärzte "Set Me Free" und "No Friends" anhören. Mit merkwürdigem Background-Quieken stellt sich letzteres diametral gegen alle Anbiederungstendenzen, die der Metalcore über die vergangenen beiden Jahrzehnte hervorbrachte.

Gerade deshalb wirken Ausflüge gen Bullet For My Valentine wie in "Remains" oder "End All" etwas deplatziert. Das Argument der Abwechslung zieht nur bedingt; in erster Linie verwässern Bleeding Through damit den Gesamtsound, schleifen die andernorts sorgsam angerauten Kanten ab. Das beste Beispiel ist "Dead Eyes", wo sie die anfangs dominante Orgel plötzlich unrund im Mix degradieren und unter einer Alternative-Schicht ertränken. Statt Symphonic und Core wie bei "Fade Into The Ash" und "Life" ineinander zu verweben, stehen sie hier gehackstückt nebeneinander.

In ihren besten Momenten ist "Love Will Kill All" eigensinnig, majestätisch und ideenreich. Bleeding Through spielen spannenderen Metalcore als die meisten Metalcore-Bands und eindringlicheren Black Metal als die meisten Black Metal-Bands (okay, etwas überspitzt ausgedrückt). So stehen Spitzensongs gegen einige Durchhänger – auch, wenn die harten Parts wie in "Cold World" zu generisch werden – und es bleibt ein etwas durchwachsener Eindruck. Da die starken Songs aber überwiegen und "Life" zum Abschluss mit tollem Männlein/Weiblein-Duett alle Facetten des Bleeding Through-Sounds meisterlich zusammenfasst, heißt es am Ende doch recht eindeutig: Kaufempfehlung!

Trackliste

  1. 1. Darkness A Feeling I Know
  2. 2. Fade Into The Ash
  3. 3. End Us
  4. 4. Cold World
  5. 5. Dead Eyes
  6. 6. Buried
  7. 7. No Friends
  8. 8. Set Me Free
  9. 9. No One From Nowhere
  10. 10. Remains
  11. 11. Slave
  12. 12. Life

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2 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 2 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 2 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 2 Jahren

    Kenne bis jetzt nur die ersten beiden Singles, aber die taugten mir schon sehr gut. BT waren in den 00-Jahren eine meiner Lieblingsbands - die Vorfreude ist entsprechend groß. Wertung folgt.

    • Vor einem Jahr

      Hier kommt direkt wieder das wunderbare Feeling auf, das auch schon 2006 bei The Truth aufkam. Wunderbar kompromissloser Core. Da haben die Jungs und das Mädel auf solides auf die Beine gestellt. Allerdings auch nichts so spezielles, das mehr als 3,5/5 gerechtfertigt wäre.