laut.de-Kritik

Rundes Ding – auch wenn aus dem Kreis kein Quadrat wird.

Review von

"Für euch is alles grau und dunkel hier, alles matt und unpoliert. Ich könnte alles bunt lackiern, ich hab Bushidos Buntstift hier." Nach dem Mixtape "Ein Hauch Von Gift", das vor ca. einem Jahr das Licht der Öffentlichkeit erblickte, zieht Bizzy mit seinem 'echten' Solodebüt "Gift" zumindest eines seiner beiden Beine aus dem grauen Schlamm der Tristesse. Ihm gelingt hier ein solider Balanceakt zwischen schwermütiger Ghettoromantik und antreibender Lässigkeit. "Nie wieder im Halbschlaf / vergiftet vom Alltag / endlich richtiges Business und nicht mehr auf der Jagd nach Altglas."

Wo ein "Hauch Von Gift" den Hörer noch recht unbefriedigt kurz vor dem Anfixen hat hängen lassen verabreicht "Gift" nun eine Injektion, die - wenn sie auch nicht unbedingt abhängig macht - so doch irgendwie zufrieden stellt. "Hallo Deutschland, Bizzy kommt mit neuem Album, neuem Dealer, neues Spiel, neues Glück: Freund von Niemand."

Letztendlich macht dieses Album vieles gut: Die Beats hat Bizzy diesmal vorwiegend anderen überlassen, die Features sind rar gesät - lediglich zwei Gäste unterstreichen in der Hook Bizzys Fähigkeiten anstatt sie zu überladen.

Klassische Beatlefield-Produktionen wie "Alles Beim Alten" oder "Perfekte Welle" sind ebenso zu finden, wie Beatdown-Bretter ("Bozz im Bizz") oder eingängige Beats von Jonny Pepp wie "Kopfkino" oder "Bei Mir" von Trinity. Wie viel mehr Liebe zur Musikalität und zum Detail jetzt in den Beats steckt, hört man besonders an den Produktionen von Abaz, Timecy–Chessa, Cutheta und Phillip Buchholz.

"Stress" transportiert viel Leichtigkeit, ohne dabei die melancholische Basis zu verlieren und lässt Bizzys Storytelling freien Lauf. Klassische Vocal-Samples, keine Synthieüberfrachtung, keine nervenden Snares – eine der mit Abstand besten Produktionen auf diesem Album. "2 Seiten" ermahnt uns mit dramatischen Streicherarrangements, Panflöten und eingängiger Hook von Moe Phoenix, mit unserem Schwarzweiß-Denken zu brechen.

Die von Abaz produzierte Nummer "100.000 Kilometer" mit Jonesmann überzeugt mit einem leichten und wunderschönen Pianoloop. In großen Bildern erzählt Bizzy von der Reise des Einzelkämpfers über "Glas, Scherben, Stock und Stein": "Und solange so viele Fragen offen sind, bleib ich weiter auf meinen Beinen bis ich angekommen bin." Eine äußerst poetische Nummer, die lyrische Fähigkeiten zutage fördert, die oft versteckt hinter etwas sehr simplen oder plakativen Vergleichen in diesem Rapper schlummern. Mit "Engel" versetzt uns Abaz auf verspieltem Geklimper, das an das einer Spieluhr erinnert, in Bizzys Welt seiner alten Idole wie Tupac und ODB.

Während auf dem letzten Mixtape Bizzys Raps oft noch im Tosen der Synthies und im Geklapper der Snares untergegangen sind, geben die Produktionen ihm hier Raum, lässige Flows zu entfalten. Sauber reimen konnte er schon vorher. Auf "Gift" aber gelingt das alles mit viel mehr Leichtigkeit als bisher. Thematisch liefert der MC vom "melodramatischen Stoff" in seinem "Kopfkino", über antreibende Songs wie "Was Du Willst" oder die Liebeserklärung an seine Frau "Bei Mir" auf jeden Fall ein breiteres Spektrum ab.

Hooks wie die von "Fliegen Lernen" oder "Bozz Im Bizz" – ein Track der leider nicht auf apokalyptisch-verzerrte Computerstimmen verzichten konnte, sind leider wieder meilenweit von jeglicher Musikalität entfernt. Auch werd ich einfach das Gefühl nicht los, dass Bizzy sich durch seine "Freund Von Niemand"-Attitüde in seiner Kreativität manchmal selbst im Weg steht. "Kopf über wieder in das Haifischbecken, wieder in den Krieg ziehn – austeilen, einstecken." Dennoch offenbart ein Satz wie: "Ich schreibe Zeilen, um den Feind zu vertreiben." eine Ghettoromantik, der man nichts entgegenzusetzen vermag.

Solides Ding - doch, um einen richtig auf die Bretter zu schicken, fehlt es der Injektion noch am innovativen Zusatz. Den Anspruch hat Bizzy aber wohl selber gar nicht und sagt bescheiden: "Ich bin kein Heiliger, nur einer, der was sagt. Ich mach weder Kurven grade, noch aus Kreisen ein Quadrat."

Trackliste

  1. 1. Gift
  2. 2. Alles Beim Alten
  3. 3. Kopfkino
  4. 4. Fliegen Lernen
  5. 5. Bozz Im Bizz
  6. 6. Stress
  7. 7. Die Perfekte Welle
  8. 8. Was Du Willst
  9. 9. 100.000 Kilometer Feat. Jonesmann
  10. 10. Bei Mir
  11. 11. Engel
  12. 12. Um Sich Selbst
  13. 13. Alles Kaputt? (Ich?Nein, R!) Feat. DJ Pron
  14. 14. 2 Seiten Feat. Moe Phoenix
  15. 15. Outro

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8 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Das Zitat am Ende vom 2. Absatz ist so falsch, ich glaub der Autor hat das Album gar nicht gehört.

    "Hallo Deutschland, Bizzy kommt mit Album und nem neuen Deal an, neues Spiel, neues Glück, neue Liebe: Freund von Niemand"

    Das kann man doch nicht so falsch interpretieren oder? Hatte der Autor nen Hörsturz während er den Track gehört hat? Sorry, aber für ne Seite die nen gewissen professionellen Anspruch inne hat, ist das echt lächerlich. Die Bewertung geht aber klar, hätte 3-4 Punkte gegeben.

  • Vor 6 Jahren

    Das Zitat am Ende vom 2. Absatz ist so falsch, ich glaub der Autor hat das Album gar nicht gehört.

    "Hallo Deutschland, Bizzy kommt mit Album und nem neuen Deal an, neues Spiel, neues Glück, neue Liebe: Freund von Niemand"

    Das kann man doch nicht so falsch interpretieren oder? Hatte der Autor nen Hörsturz während er den Track gehört hat? Sorry, aber für ne Seite die nen gewissen professionellen Anspruch inne hat, ist das echt lächerlich. Die Bewertung geht aber klar, hätte 3-4 Punkte gegeben.

  • Vor 6 Jahren

    Ich kann echt nicht nachvollziehen wieso man Bizzy so schlecht bewertet er ist Raptechnisch einer der besten Rapper Deutschlands. HIer auf ''laut'' wird er ja regelrecht Beleidigt mit solchen bewertungen :D