Porträt

laut.de-Biographie

Bartek

"Ich bin ein sehr viel ruhigerer Mensch als man auf den ersten Blick denkt. Ich bin nicht nur ein lustiges Energiebündel, das sich Dinge auf den Kopf stellt. Wie jeder Mensch habe ich Phasen im Leben, wo man Dinge hinterfragt und unsicher wird." Während sich Bartek wahlweise als der "Charlie Chaplin des Rap", die "Erdbeere im Orsons Obstsalat" oder der "deutsche Beyoncé" anarchisch in Szene setzt, tritt er außerhalb des musikalischen Kosmos ruhig und reflektiert auf. "Der Titel 'weinender Clown' beschreibt meine zwei Seiten einfach sehr gut", gesteht er gegenüber Hiphop.de.

Die Orsons - Orsons Island
Die Orsons Orsons Island
Im pinken Party-Outfit zur Selbstfindung.
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Bartek Nikodemski wird 1985 im polnischen Breslau geboren. Früh zieht er mit seiner Familie in das deutsche Rap-Zentrum Stuttgart. Dennoch wecken zunächst Metallica und Nirvana sein musikalisches Interesse. Erst als ihm ein Freund Nas' "If I Ruled The World" vorspielt, sei er "ausgeflippt" und habe "nur noch selbst Rapper werden" wollen. Die hiesigen Genre-Vertreter behält er zwar im Auge, doch abseits von RAGs "Unter Tage" oder Freundeskreis' "A.N.N.A." findet er nur wenige lobende Worte. Umso begeisterter zeigt er sich von Künstlern wie Nick Cave, Bon Iver oder Conor Oberst.

Nikodemski legt sich das Pseudonym Plan B zu. Mit Maeckes lernt er einen geistesverwandten künstlerischen Partner kennen. Als Duo erhalten sie 2004 einen Vertrag bei Chimperator Productions. "Momentan machen in Deutschland alle nur das Gleiche", stellt Plan B im Gespräch mit Like It Is ’93 fest. In der Hochphase Aggro Berlins machen sich Maeckes & Plan B deshalb mit gewitzten Texten locker und veröffentlichen Anfang 2005 ihr Debütalbum "Dayz Of The Championz". Im Sommer folgt seine erste Solo-EP "Zack! Boom! Peng!" zum kostenlosen Download.

2006 präsentiert das Duo "Als Wärs Das Album", das nicht nur auf das folgende Album einstimmen soll, sondern mit "Orsons Kleine Farm" an der Seite von Kaas und Tua auch einen Vorboten auf spätere Großtaten enthält. Maeckes und Plan B erweitern sukzessive ihren Wirkungsbereich. Sie moderieren mehrfach das Splash!-Festival, treten bei "Feuer über Deutschland" auf und schreiben mit "Zimmer 601" ein eigenes Theaterstück. Im Juli 2007 erscheint "Als Wären Wir Freunde", das sich zum Kritikerliebling entwickelt. Neben Tua und Kass geben sich auch Celina und Kool Savas die Ehre.

Im Mai 2008 begeben sich Maeckes & Plan B mit Pimpulsiv, Casper, Vega, Tua und Kaas auf "Fast wie Las Vegas"-Tour. Mit den beiden Letztgenannten formieren sie darauf das Kollektiv Die Orsons und veröffentlichen "Das Album". 2009 lässt die "einzig reale Boyband" "Die Herrlichkeit, In Ewigkeit, Orsons" folgen. Während sich Plan B im Orsons-Kontext dem anarchischen Spaß hingibt, dosiert er bei seinen Soloveröffentlichungen den "Funfaktor". Zu Weihnachten erscheint das von DJ Stean gemischte Tape "Pi Pa Po – Was Bisher Geschah".

Noch ernster geht er an "Ill Street Blues" heran. Die EP erzähle "die Geschichte des Rückwegs eines angetrunkenen Gastes von einer Party". Dafür habe er "einen Gang runter geschaltet", wie er Hiphop.de verrät. 2012 erhöht er das Tempo wieder mit den Orsons. "Das Chaos Und Die Ordnung" schlägt sich wacker in den Charts. Stefan Raab lädt das Quartett mit ihrem Labelkollegen Cro zum Bundesvision Song Contest ein, wo sie mit "Horst & Monika" den fünften Platz belegen.

2013 legt Nikodemski seinen Künstlernamen Plan B ab, um fortan als Bartek aufzutreten. Die "Apfelschnitzschneider EP" erscheint im Sommer als erste Veröffentlichung unter seinem bürgerlichen Vornamen. Im Stuttgarter Bezirk Weilimdorf richtet er sich Anfang 2014 ein eigenes Studio ein. Damit habe sich alles in ihm verändert wie er im Format "300 Sekunden" berichtet: "Dieser Raum ist für mich ein Ort der Inspiration und der Ideenschöpfung."

Auf das vierte Orsons-Album "What's Goes?" folgt Ende 2016 die EP "Servuslichkeiten". Über zehn Jahre nach Beginn seiner musikalischen Laufbahn gibt Bartek auf einigen Festivalbühnen seine ersten Auftritte als Solist. Ein eigenes Album lässt dagegen weiterhin auf sich warten. "Meine Sachen sind noch nicht gut genug für ein Album", gibt er sich kleinlaut. Er wolle vermeiden, dass sein Album wie so viele Deutschrap-Veröffentlichungen nur eine "Halbwertszeit von zwei Wochen" aufweise.

Seine Selbstzweifel ergeben angesichts seiner Vorliebe für Literatur durchaus Sinn. Trabantengleich umschwirrt das Thema die meisten seiner Interviews: "Obwohl du alleine Zuhause sitzt, eröffnet dir das Lesen so viele Welten. Es macht dich für so viele Sachen empfänglicher." Er selbst arbeitet sich von Stephen King über Hermann Hesse, Max Frisch, Milan Kundera, Walter Moers und dem Marquis de Sade zu seinem Lieblingsautor Botho Strauß vor. Neben der intellektuellen Herausforderung schätzt Bartek auch die sinnliche Erfahrung: "Ich brauche das Umblättern, den Duft des Buches."

Die Vorliebe für den von Kontroversen begleiteten Autor Michel Houellebecq teilt Bartek mit Maeckes und Kaas. Letztgenannter misst diesem Umstand gegenüber Rap.de eine hohe Bedeutung bei: "Bei den ersten Gesprächen kamen wir auch auf Houellebecq zu sprechen. Rückblickend betrachtet war der französische Autor schon ein Grund für die beginnende Freundschaft." Bartek bleibt dagegen die Erkenntnis: "Ich schreib' noch nicht gut genug." So bevorzugt er es, im Quartett unterzutauchen und Richtung "Orsons Island" zu schwimmen.

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