laut.de-Kritik

Akustisch üppige Korsage zu frivolem Wortwitz.

Review von

Eine Frau aus Fleisch und Blut, wie sie selbst gern und oft betont. Mit was in der Birne drin, schlagfertig, humorvoll: Barbara Schöneberger, eine wohltuende Erscheinung in der deutschen TV-Landschaft, keine Frage.

Dass sie dort gut aufgehoben ist, sah jeder, der etwa ihr laszives Ständchen zu Hella Von Sinnens 50er-Feier am Bildschirm miterlebte: Man konnte förmlich hören, wie der abgebrühten Comedy-Altmeisterin das Wasser im Munde zusammen lief.

Und jetzt singt die Schöneberger schon wieder. Schnarch. Auf dieses "Barbaradies" kann die Musiklandschaft weiß Gott verzichten. So nett ausgedacht und okay eingesungen man die erste Platte finden mag, die an die gute alte Zeit der TV-Unterhaltung erinnert, als Harald Juhnke noch durchs Bild wankte und man Paulchen Kuhn zum Feierabend zurülpste.

Insofern schlägt Album Nummer Zwei in dieselbe Kerbe und bietet augenzwinkernd heitere Unterhaltung bei popmusikalischer Irrelevanz. Natürlich brütete das Schöneberger'sche Headquarter extra neue Koordinaten aus - vom Prinzip Orchester mal abgesehen. Ihr bewährtes Produzentenduo Matthias Hass und Frank Ramond - ergänzt durch Pe Werner, Tinseltown und William Wahl - fingert nun statt poppig swingender Bigband an den 70ern rum, man orientierte sich am Phillysound.

Disko-Offbeat, andere Unterhaltungsrhythmen, etwas Swing, Motown-Anleihen, eine 6/8-Ballade, präsenter, melodiöser E-Bass, recht viel Hintergrund-Gitarre, Klavier, mal ein Saxofonsolo und besonders Bläser- respektive Streicherarrangements bestimmen das Bild. Das kommt luftig, das klingt fetzig, das flitzt geschmeidig ums Eck ("Verboten Gut"): Die Experten basteln der Schöneberger eine angemessen üppige Korsage bei nicht zu knapp frivol zugeschnittenem Wortwitz ("Denk Jetzt Bitte An Ein Nilpferd").

Fürs ganz große Kino müssen dann aber doch Udo Jürgens respektive Fred Jay ran - was den meisten anderen Texten schlecht bekommt: Gegen die Schlagerlyrik von "Ich Weiß Was Ich Will" kann man mit Schmonzetten, die irgendwie am Puls der Zeit sein sollen ("Berlin Mitte", "Ich Steh Auf Jungs" oder "Was Ein Mann Tun Muss") nicht anstinken.

Das ewige Herumreiten auf dem "merkwürdigen Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit" - Zitat Promozettel - führt bei normalen Menschen eh zu chronischer Ermüdung. Im Song "Alles Echt" kulminiere das Konzept der zweiten Platte am besten, findet übrigens Barbara - die beschwingt arrangierte Nummer weist zumindest schöne Bläserhooks auf.

"Reise durch die Popgeschichte des 20. Jahrhunderts", "deutschsprachige Popmusik auf der Höhe der Zeit", "als Künstlerin ungeheuer gewachsen", "kreatives Wachstum" - welche Platte hat man bei Universal eigentlich gehört? "Diese Frau macht einfach gute Laune" steht im Promozettel auch drin. Das stimmt schon eher - vor der Glotze oder der Mutti beim Livekonzert.

Trackliste

  1. 1. Verboten Gut
  2. 2. Liebesleben
  3. 3. Berlin Mitte
  4. 4. Denk Jetzt Bitte An Ein Nilpferd
  5. 5. Glitzer
  6. 6. Ich Steh Auf Jungs
  7. 7. Ich Weiß Was Ich Will
  8. 8. Was Ein Mann Tun Muss
  9. 9. Du Machst Die Liebe
  10. 10. Alles Echt
  11. 11. Wenn Das Wenn Nicht Wär
  12. 12. Barbaradies

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