Porträt

laut.de-Biographie

Barbara Pravi

Trotz ihrer ernsten Textthemen bezeichnet sich Barbara Pravi als "heiter und strahlend. Zumindest nach außen. Es stimmt aber, der Ort, an dem ich mich wohler fühle, das ist der, an dem ich Augenzeugin bin. Ich habe viele Sachen erlebt, die ich im Format des Chansons verarbeiten kann, so zum Beispiel in 'La Chair'. Ich heile mich, wenn ich solche Lieder mache", reflektiert sich die französische Singer-Songwriterin gegenüber TéléLoisirs.

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"Mit 'Voilà' ist es, als wenn ich in einen geheimen Raum von Wahrheit eingedrungen wäre. Aus dem Grund bin ich nahe an einem Trance-Zustand, wenn ich das Stück singe." Erster Eindruck bei der Ankunft und den Proben im Mai 2021 in Holland: "Ich hab noch nie eine so riesige Bühne gesehen." Die Standorte der Kameras verwirren Barbara, erzählt sie belustigt.

Die eine oder andere digitale EP gibt's zwar schon von Pravi, als die Pariserin 2021 beim ESC in Rotterdam überrascht – und zehn Punkte vom deutschen Publikum erhält, knapp auf Platz zwei hinter Måneskin im Gesamtergebnis landet. Von Anfang an glaubt ein großes Plattenlabel an sie und nimmt sie mit 21 unter Vertrag.

Dabei setzt sie auf Chansons der ganz klassischen Prägung, beeinflusst sei sie etwa vom Belgier Jacques Brel. Auch als Zweitplatzierte des Wettbewerbs - Pravi könnte dem französischen Genre einen starken neuen Impuls verpassen und dabei auch deutsche Fans sammeln. Wie es zwanzig Jahre zuvor zuletzt Françoiz Breut und Benjamin Biolay taten; vielleicht ist die Zeit reif, einfach das Pure wieder 'schick' zu machen. Mit einem jungen, unverbrauchten Gesicht.

Die Musical-Darstellerin sang, sah und siegte: Bei ihrem ESC-Song "Voilà" fackelt sie nicht lange, kein Intro, keine Tanzeinlage, und auch auf Grafikanimationen und komplizierte Bühnen-Outfits verzichtet die minimalistische Künstlerin. Sie arbeitet mit der Gestik ihrer Hände und rudernden Arme, während sie wie angewurzelt am Mikrofon steht und die Füße nicht einmal anhebt. Sie steigert sich mit ihrer Stimme grandios hinein, ohne dabei so kieksig zu werden wie manche Mitbewerberin. Pravi wirkt authentisch, viele andere Beiträge dagegen wie Plastik.

Hinter dem Auftritt beim Song Contest steht ein kaum bekannter Lebenslauf. Lediglich ihr (kleines) Werk steht für sich: Sie schreibt ihre Lieder meist selbst oder mit Hilfe eines Kollegen. Ihre Texte handeln von sozialen Gesichtspunkten, Begebenheiten und Problemen. Abtreibung, häusliche Gewalt in der Ehe, sexueller Missbrauch, Frauenrechte, Migration. Barbaras Vorliebe für Musik der 50er und 60er Jahre zeigt sich etwa in einem Duett mit Calum Scott (englischem Casting-Star; hatte bei uns einen Hit zusammen mit Felix Jaehn). Mit ihm covert sie "Something Stupid", einst ein Frank & Nancy Sinatra-Hit.

Bei aller Geschmackssicherheit möchte Barbara, geboren am 10. April 1993, erst einmal reifen, bis sie ihr Land nach außen vertritt. Die ESC-Teilnahme will man ihr vorher schon andienen. Aber sie zögert: "Die Eurovision ist enorm. Dafür muss man sehr selbstsicher sein und sein Projekt und die eigene Richtung genau kennen. Um mich mit meinen Texten und Kompositionen sicher zu fühlen, brauchte ich noch Entwicklungszeit. Eigentlich hatte ich auch jetzt immer noch nein gesagt. Immerhin geht's darum, ein Land international zu repräsentieren. Dafür wollte ich den besten Song. Einen, den ich nie bereuen werde, und einen, der mich mein ganzes Leben lang mit Stolz erfüllt. Und erst jetzt, auf 'Voilà', bin ich super stolz und werde ihn lebenslang stolz singen", kündigt Barbara an. Und wirkt etwas perfektionistisch.

Zuvor habe die EP "Les Prières" ihr Selbstvertrauen gestärkt: "Die Gebete". Die Texte haben Gebetsform. Der erste Song ist von persischer Literatur beeinflusst; Pravi hat multiplen Migrationshintergrund, darunter iranische Wurzeln. Das Cover der EP zeigt einen abgefahrenen kunterbunten Zeichnungs-Acrylmalerei-Hybrid - von ihr designt. Denn sie malt auch, gerne verzerrte, schiefe Gesichter. Die Stücke auf "Les Prières" waren "notwendig, denn ich hatte nicht viel auf Lager."

Der Output vergrößert sich nur langsam, Pravi ist auch als Fernsehschauspielerin gefragt, auch da in ernsten Filmen, etwa über einen katholischen Priester, der sich trotz Zölibats verliebt. Wie es kommt, dass Barbara einen starken Bezug zur alten Musik der großen Chansonniers und gar der Grande Dame Édith Piaf verspürt, das hat einen ganz schlichten Grund.

"Da gibt es eine Einfachheit in dieser Epoche, die mich berührt. Man hatte keine Angst vor großen Texten, auch nicht davor, Theater zu machen. Es reicht, Brel zu sehen wie er 'Ne Me Quitte Pas' vorträgt. Das ist sehr beeindruckend." Um die Musik geht es ihr dabei gar nicht so vorrangig, sondern um die Worte. Von außen schwierig nachzuvollziehen, wenn man irgendwo in Europa nicht Französisch als Muttersprache hat, sondern zum Beispiel Deutsch.

"Ich bin sehr beeinflusst von Wörtern. Meine erste Liebe", beschreibt Pravi sich im Interview mit Wiwibloggs. "Die Besonderheit von Édith Piaf und Jacques Brel ist die Lyrik. Immer so aufrichtig, so einfach, so wirklich." Für sie selbst heißt das, meint die französische Newcomerin, "ich versuche, auch wenn ich unter Druck stehe, mich auf meine Message zu fokussieren, die ich teilen möchte. Das heißt, auf meiner eigenen Achse zu bleiben und mich auf die Liebe zu konzentrieren, die ich von mir weg ins Publikum hinein stoßen möchte", erklärt sie bei der ESC-Pressekonferenz mit schiebenden Handbewegungen.

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