laut.de-Kritik

Schneller im Ohr als einem lieb ist.

Review von

Um sich die neue Ashley Tisdale-Platte unterhaltsamer zu gestalten, kann man sie einfach als eine Art Pop-Quiz betrachten: Aus welchem Song stammt noch mal dieses Riff? Wo habe ich die Melodie aus der Hookline schon mal gehört? An wen erinnert dieser verzerrte Gesang? Und wer sang bei welchem Lied fast genau dieselben Lyrics? Wer auf diese Fragen pauschal mit Kelly Clarkson antwortet, liegt in den meisten Fällen ganz gut.

Während es zurzeit einer Menge junger Frauen gelingt, offensichtliche musikalische Einflüsse mit der eigenen Note zu versehen und daraus - nie ohne ein ironisches Augenzwinkern - clevere, hübsche Popsongs zu zaubern, ist das Album von Tisdale eine ziemlich banale Blaupause weniger aufregender Vorbilder geworden.

Beim Hören der ersten Single "It's Alright, It's Okay" kommen einem schnell Namen wie besagte Clarkson in den Sinn, vor allem stimmlich erinnert Tisdale oft an die "American Idol"-Gewinnerin. Auch Songwriting und -aufbau greifen auf das gleiche Muster zurück: Intro, erste Strophe, Refrain, nach der zweiten Strophe die Bridge und dann Doppelrefrain.

Nach diesem Rezept backt Dieter Bohlen seit sechs Jahren Superstars. Abweichungen oder Mut zum Risiko sucht man vergebens. Zwar beginnt "Guilty Pleasure" eher untypisch: Mit Streichern, die zur "Fluch Der Karibik"-Trilogie passen würden, danach fällt das Lied jedoch in das Schema eines 08/15-Radiohits zurück.

Musikalisch gibt sich das Album zumeist betont rockig, allerdings der Zielgruppe gemäß nie wirklich hart. Die Gitarren wirken etwas zu effektbeladen, der Rest ist solider Poprock. Gegen Ende gibt sich Ashley deutlich tanzbarer - die beiden beatlastigen Bonustracks sind eher im R'n'B anzusiedeln und erinnern damit an ihr ersten Album.

Zu Gute halten muss man der 24-Jährigen, dass sie gesanglich eine recht passable Leistung abliefert. Ein Gespür für eingängige Melodien ist vorhanden: "It's Alright, It's Okay" geht schneller ins Ohr, als einem lieb ist. Inhaltlich erinnert der Song an Pink, wenn die mal wieder ihre Trennung in einem Song verarbeitet.

Ähnlich rebellisch gibt sich Tisdale - das wirkt in etwa so authentisch wie Teenager, die mit diesen Shirts rumlaufen, auf denen "Rebell" steht. "Life's too short just to do what you' re told. I'm acting out."
Unglaubwürdig wirkt das deshalb, weil die Sängerin lediglich bei vier von 14 Stücken selbst mitgewirkt hat. Und da das gesamte Album des "High School Musical"-Stars so klingt, als könnte es "High School Musical"-Fans gefallen mag man ihr das "Acting Out" nicht so recht abnehmen.

Selbstverwirklichung geht anders, denkt man sich beim Hören. Und hofft, dass "Guilty Pleasures" nie in die Hände eines Riot Grrrls gelangt: Die hatte zwar mal gegen die männliche Dominanz in der Musik angekämpft, sich aber sicher andere Nachfolgerinnen gewünscht.

Trackliste

  1. 1. Acting Out
  2. 2. It's Alright, It's OK
  3. 3. Masquerade
  4. 4. Overrated
  5. 5. Hot Mess
  6. 6. How Do You Love Someone
  7. 7. Tell Me Lies
  8. 8. What If
  9. 9. Erase And Rewind
  10. 10. Hair
  11. 11. Delete You
  12. 12. Me Without You
  13. 13. Crank It Up
  14. 14. Switch

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18 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    Zitat (« vor allem stimmlich erinnert Tisdale oft an die "American Idol"-Gewinnerin »):

    Arme Kelly Clarkson, diesen Vergleich hat sie nun wirklich nicht verdient.

  • Vor 11 Jahren

    Ashley Tisdale ist in irgendeiner Weise schon talentiert, aber die Single ist ja so was von flach und austauschbar (Songstruktur „So What“ von Pink). Dieser Rock-Style passt irgendwie nicht zu ihr.
    Ansonsten find' ich „He Said She Said“ ist 'ne gute Nummer und ich mag die Aussprache von ihr und diesen ganz bestimmten Tune in ihrer Stimme.
    Und außerdem gibt's keine, die ein süßeres Lächeln hat wie sie. Sympathisches und hübsches Mädel.
    Hier mal eine Live-Version:
    http://www.youtube.com/watch?v=W1IqAg4pbWk

    Übrigens: Dieter Bohlen hat ein anderes Schema.
    Bei ihm geht es:
    Intro - Strophe - Refrain - Strophe - Refrain - Refrain (eine Oktave höher)
    Bohlen hat nie genug Text für 'ne Bridge. :)

  • Vor 11 Jahren

    also meiner tochter gefällts!:)

  • Vor 11 Jahren

    @music maker (« Übrigens: Dieter Bohlen hat ein anderes Schema.
    Bei ihm geht es:
    Intro - Strophe - Refrain - Strophe - Refrain - Refrain (eine Oktave höher)
    Bohlen hat nie genug Text für 'ne Bridge. :) »):

    :D

  • Vor 11 Jahren

    @__mariUs__ (« @laut.de («
    Während es zurzeit einer Menge junger Frauen gelingt, offensichtliche musikalische Einflüsse mit der eigenen Note zu versehen und daraus - nie ohne ein ironisches Augenzwinkern - clevere, hübsche Popsongs zu zaubern »):

    Hmm, wer ist damit wohl gemeint? »):

    G to tha A to tha G to tha A
    :o

  • Vor 11 Jahren

    ? Nee, ich glaube man meinte eigentlich Lily Allen! Da bin ich mir mal ziemlich sicher... Obendrauf noch La Roux, Little Boots, Florence + The Machine, Ebony Bones, Bat For Lashes... Die gute GaGa wurde hier eher verrissen...