laut.de-Kritik

Berühmte Gastsänger treten ein ins Reich der Finnen.

Review von

Apocalyptica scheinen sich in der Rolle der Gratwanderer ziemlich wohl zu fühlen. Die Erfolge, die ihre Kooperationen mit unterschiedlichen Sängern erbracht haben, sind nicht von der Hand zu weisen. Dennoch lieben ihre Fans sie auch und vor allem für ihre Kompositionen, in denen sie sich nur auf ihre Celli und seit einiger Zeit nun ja auch Drums verlassen.

Doch bleibt von der unnachahmlichen Melancholie der Skandinavier überhaupt noch was übrig, wenn sie mit externen Komponisten arbeiten? Es ist nicht ganz einfach, diese Frage zu beantworten, denn "Worlds Collide" macht einem den Zugang seltsam schwer. Der Griff hinein in die schmerzgeplagtesten Tiefen der Seele gelingt den Finnen leider nicht mehr.

Ist "Worlds Collide" deswegen ein schlechtes Album? Auf keinen Fall! Denn bittersüße Melancholie erzeugt das Quartett immer noch, wenn auch nicht mehr so ausgeprägt wie auf den Vorgängeralben. Dennoch hat Eicca mit dem Titeltrack eine Nummer geschrieben, die mit tollen Melodien glänzt und anhand der treibenden Drums kaum ruhige Momente zulässt.

Während "Ion" in Sachen Anschlagstechnik deutlich an Metallica erinnert, dabei sehr düster klingt und vollkommen auf einprägsame oder ergreifende Melodien verzichtet, sieht das bei "Stroke" zum Glück anders aus. Hier zeigen die Herren endlich, dass sie ihre einzigartige Melodieführung nach wie vor beherrschen, wenngleich sie auch mit zu modernen Riffs arbeiten, um die gewohnten, warmen Emotionen zu transportieren.

Auch "Burn" scheitert an diesem Maßstab, setzt man hier doch weitgehend eher auf Tempo und Druck. Allerdings entschädigt das phantastische Ende des Songs für einiges. Die erste Kooperation ist rein akustischer Natur und gleichzeitig der einzige Song, den Drummer Mikko zusammen mit dem japanischen Songwriter/Gitarristen Tomoyasu Hotei geschrieben hat.

Natürlich bleiben auch hier die Celli melodiegebend, aber es fällt auf, wie nah die Band inzwischen an einer gängigen Metal/Rock-Combo ist. Noch deutlicher wird dies bei Fremdkompositionen mit Gesang: Die Single "I'm Not Jesus" klingt nicht nur durch Corey Taylors Gesang wie ein Song von Stone Sour. Die Nummer ist zwar bärenstark, spielte man das Teil aber mit Gitarren, wäre der Unterschied nur marginal.

Till Lindemann als Sänger zu holen, um mit ihm David Bowies "Heroes" auf deutsch einzusingen, mag kommerziell ein gelungener Schachzug sein. Musikalisch ist das Teil der absolute Tiefpunkt der Scheibe, denn es gelingt nicht einmal annähernd, die Klasse des Originals zu halten. Da rangiert die Ballade "S.O.S. (Anything But Love)" mit Cristina Scabbia deutlich höher, verspürt man hier doch echte Sehnsucht und Wehmut und vor allem klingt der Song nicht einfach nach einem Lacuna Coil-Stück, sondern nach Apocalyptica mit einer tollen Gastsängerin.

"Last Hope" ist ne ganz klare Thrash-Nummer, allerdings haben sie dabei wohl bewusst darauf geachtet, die Celli nicht zu sehr zu verzerren. Diese klingen deswegen weitgehend nicht so sehr nach Gitarren, wie das sonst bei manch anderem Stück der Fall ist. Das geht live bestimmt heftig ab, so dass sich Metallica daran mal ein Beispiel nehmen könnten. So gut sich Mikko Sirén auf der Scheibe auch schlägt, der Zusatz-Kick, den Dave Lombardo dem Track verpasst, ist fast schon körperlich spürbar.

Für "I Don't Care" schnappten sich Apocalyptica den eher unbekannten Adam Gontier von Three Days Grace, der von der Stimmfärbung her auch nicht weit von Corey Taylor weg ist. So handelt es sich auch hier um einen tollen Rocksong, den aber jede x-beliebige Rockband bringen könnte. Halbballaden dieser Art sind ja inzwischen alle mit Streichern unterlegt und somit nichts Besonderes mehr. Mit dem abschließenden "Peace" stimmen die Finnen einmal mehr versöhnlich und lassen den geneigten Hörer in schwelgerischer Melancholie versinken.

Trackliste

  1. 1. Worlds Collide
  2. 2. Grace (feat. Tomoyasu Hotei)
  3. 3. I'm Not Jesus (feat. Corey Taylor)
  4. 4. Ion
  5. 5. Helden (feat. Till Lindemann)
  6. 6. Stroke
  7. 7. Last Hope (feat. Dave Lombardo)
  8. 8. I Don't Care (feat. Adam Gontier)
  9. 9. Burn
  10. 10. S.O.S. (Anything But Love) (feat. Cristina Scabbia)
  11. 11. Peace

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23 Kommentare

  • Vor 11 Jahren

    @Alte Kackbratze (« Finde ich ganz interessant, morgen mal zum Dealer und antesten. »):

    Getan und gekauft. Im Gegensatz zur vorherschenden Meinung finde ich auch "Helden" nicht sooo schlecht. Sicherlich nicht der stärkste Track des Albums (das ist für mich "Ion"), aber kann ich mir schon anhören.

    Insgesamt finde ich 4 von 5 Punkten als Bewertung sehr zutreffend.

  • Vor 11 Jahren

    Wuhää.
    Hab mir das Album jetzt auch ganz angehört und muss meinen Vorgängern (sorry Kacbratze ^^) doch zustimmen. Helden ist das mit Abstand schwächste Stück auf der CD. Meine Favoriten sind auch Ion, aber auch Burn. Und ich persönlich kann auch nicht nachvollziehen, was so viele am Schlagzeug auszusetzen haben. Auch wenn es sich mit Schlagzeug nicht um "die Band" Apocalyptica von ihrem Debüt handelt, macht das ja immer noch nicht die Musik schlecht. Ich konnte eben richtig schön headbangen, wobei das Schlagzeug dafür nicht gerade unbeteiligt war =)
    Ob man der Platte jetzt 3 oder 4 Punkte gibt, darüber lässt sich streiten. Im Großen und Ganzen ist die Bewertung also ok!

  • Vor 9 Jahren

    ich find das album gut auch wen es nach amerika produziert wurde. ob das schon mainstream is nja. auf jedenfall sollt beim näcxten die drums bleiben (ion!!!) die songs aber auch wieder tiefgründiger werden wie bei "apocalyptica"