laut.de-Kritik

Weniger Eskapismus, mehr Sozialkritik.

Review von

Nach der finalen Runde des "Verfallen"-Grusicals ums Spukhotel Astoria, nehmen ASP den Waldorf-Salat vom Tisch und servieren stattdessen mit "Geisterfahrer" ein vergleichsweise irdisches Album. Mit der obigen Story hat die Platte nichts mehr zu tun.

Formal betrachtet ersetzt der "Geisterfahrer" 2016 die gleichnamige EP von 2012. Damals noch kaum mehr als eine Maxi, deren Arrangement und Sound unter Band-Querelen litt. Im Verlauf der "Verfallen"-Sessions entstanden zusätzliche Stücke, die den dortigen Rahmen sprengten und nach einem unabhängigeren Kontext verlangten.

So schlagen ASP pragmatisch zwei Fliegen mit einer Klappe. Die nunmehr obsoleten Ur-Versionen leben hier komplett neu vertont auf und bilden mit den taufrischen Nummern eine eigenständige LP.

Offiziell mögen dieser zum sogenannten "Fremder-Zyklus" gehören, wie bereits ihr "Maskenhaft". Glücklicherweise braucht der Hörer trotzdem keinen lästigen Storyline-Kompass. Für ASP-Verhältnisse verharren die Tracks textlich nämlich recht deutlich im Diesseits. Weniger Eskapismus, wesentlich mehr Allgemeingültigkeit und sogar ein Quäntchen Sozialkritik ergeben eine konzeptionelle Abwechslung. Der auf Dauer doch etwas brave Pseudohorror für zart besaitete Zahnarztgattinnen aus der Feder Kai Meyers bleibt außen vor.

Ähnlich wie "Verfallen", das mit großer erster Halbzeit auftrumpfte, doch in der zweiten Hälfte schwächelte, zeigt sich auch auf dieser Scheibe die ganze Ambivalenz ASPs. Zwischen herausragend und stereotyp verharren sie unentschlossen an des Weges Gabelung. Kein leichtes Spiel für den anspruchsvollen Hörer.

Das Titelstück bringt es auf den Punkt. Musikalisch bietet es lediglich durchschnittlichen Power-Rock in Schwarz. Textlich hat der Track indes einiges auf dem Kasten. Neben dem gelungenen Wortspiel "geisterfahren/Geist erfahren" glänzen folgende Worte: "Blinde Narren hinterm Steuer, denn der Abgrund wartet schon./ Finger suchen rote Knöpfe, Zungen immer Honigtöpfe, und am Ende rollen Köpfe, so will es die Tradition. Ab zurück ins Glied!"

In "Carpe Noctem" fallen sie hingegen zurück in Allerweltsgeleier: "Dank all meiner Schwächen werd' ich immer nur noch stärker./ Ich versuchs wie ein Berserker." Kaum zu glauben, leider wahr: Beide Texte stammen vom selben Verfasser.

Dennoch lohnt es sich, am Ball zu bleiben. Mit "Strom" und "Abertausend Fragen" knallen sie zwei bemerkenswerte Nummern auf "Astoria"-Niveau heraus. Die Destruktivität der Masse und die Verlorenheit des Individuums macht beide Songs zum Soundtrack für die Gegenwart. Besonders das Letztgenannte rockt rund und klingt catchy, während es im Gewand des scheinbar Unwissenden den Skeptiker gibt.

So geht es vom "Zauberbruder" zum Luder mit "Sind alle Männer Schweine, sämtliche Frauen keine?" Die Frage ist das mit Abstand Provokanteste und Direkteste in ASPs sonst so entrücktem Schaffen. Antworten geben sie nicht vor. Gut so!

Trackliste

  1. 1. GeistErfahrer
  2. 2. In Sack und Asche
  3. 3. Strom
  4. 4. ÜberHärte
  5. 5. Carpe noctem
  6. 6. Abertausend Fragen
  7. 7. Weichen[t]stellung
  8. 8. Danach

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1 Kommentar mit 7 Antworten

  • Vor 3 Jahren

    Wäre jetzt net wirklich ne Review wert gewesen... 8 Tracks davon zwei bekannt

    • Vor 3 Jahren

      Joa, zwei neue Songs, völlig neuer Mix, extra eingespieltes Schlagzeug, zig Seiten neues Artwork + neue Graphic Novel, ist ja alles keine Arbeit, alles egal. lol

    • Vor 3 Jahren

      Einzelheiten waren mir nicht bekannt hab nur zwei Songs anhand tracklist erkannt... Aber ja... Bleib dabei ist aufgewärmt und damit nicht wirklich eine Review wert

    • Vor 3 Jahren

      Schon mal daran gedacht, dass es hier zur damaligen EP keine Review gab? Immer noch nicht angebracht?

    • Vor 3 Jahren

      eigentlich ist es nie die frage, ob eine erörterung überflüssig ist. das ist ja nie der fall. denn ne rezi klärt den hörer auf, damit er dann entscheiden kann. wenn ein album mithin als "neues und reguläres" studioalbum angepriesen wird, wäre es vorzensur, die besprechung aufgrund irgendwelcher erwägungen zu knicken, die doch zum inhalt der review gehören.

      wenn du in richtung asp aber sagen willst: "bisschen mau, leute, hier nicht mehr tracks gebracht zu haben", dann ist das legitim. im übrigen hat gardevoir recht. maxis und EPs werden von laut in der regel nicht reviewt. studioalben sehr wohl. insofern ist das im lautkontext formal schon ne komplett neue scheibe.

    • Vor 3 Jahren

      Die Review ist schon überflüssig, weil es sich um ASP handelt.

    • Vor 3 Jahren

      @Morpho: genauso wie dein Idiotengeschwätz.

    • Vor 3 Jahren

      Für zwei neue Songs brauch ich keine Review da ich mit dem backkatalog von ASP vertraut bin was anderes wollt ich gar net sagen