laut.de-Kritik

Soundtrack für die nächtliche Autofahrt.

Review von

Es kommt eben doch auf die Rezeptionsbedingungen an. Bei Tage belauscht, kann einem diese Platte, der erste Langspieler des Londoner Duos, das ja schon mit einigen EPs für Aufmerksamkeit sorgte, gehörig aufs Gemüt schlagen. Zu viel Pathos, zu dick- und schwerblütig. Die Produktion wirkt teils unklar, verrauscht. Beseelt von einer gedämpften Stimmung, eher dem Moll als dem Dur zugetan, ein recht düsteres Stück Musik. Führt man sich das Ganze allerdings zu später Stunde zu Gemüte, entwickelt "Institute Of Joy" (ein doch irreführender Titel) seinen ganz eigenen Charme.

Repetitive, dem Krautrock verwandte Muster, Pink Floyd-Referenzen, mantraartige Passagen und ein teils an Bryan Ferry gemahnender Gesang: Auch als Soundtrack einer nächtlichen Autofahrt oder über Kopfhörer sollte das funktionieren. Sieben-Minüter wie "Ahead Of The Curve" können ob ihrer Redundanz tagsüber richtig schön nerven. Synthieflächen entfalten des Nachts ihren Reiz, Gospelchöre gehen nur am Abend als nicht prätentiös durch. Bei Sonnenschein gar mag man das alles einfach nicht hören.

Eine kleine Nachtmusik? Sozusagen. Und in welche Schubladen soll das nun bitte passen? Psychedelic-Goth-Prog-Rock vielleicht ... Als weniger gelungen muss zudem das doch etwas improvisiert daher kommende Cover gelten. Dass man sich auch an "Who By Fire" von Leonard Cohen versucht hat, geht völlig in Ordnung und funktioniert zudem.

"Den Liedern fehlt die Pointe", konstatierte trocken der deutsche Rolling Stone. Da ist, leider, was dran. In Sachen Dramaturgie und Songwriting hapert es an einigen Stellen. Da ist man dann doch elektronischen Spielarten der Musik, dem Track, näher als klassischem, songorientierten Rock oder Pop. Und live auf einer Bühne vermag man sich das Ganze auch nicht so recht vorzustellen.

Trotz aller Atmosphäre fehlt eine wie auch immer geartete Wärme. Bei allen hypnotischen Qualitäten, handelt es sich doch um ein seltsam distanziertes, ja kühles Album. Hier und da fast ein wenig beklemmend. Tja, und was heißt das alles nun fürs Gesamturteil? Es kommt eben tatsächlich auf den verflixten Kontext an.

Trackliste

  1. 1. Sky Intro
  2. 2. Sky Is Folding
  3. 3. Bones
  4. 4. Lie Awake
  5. 5. Green
  6. 6. Highs Of The Sun
  7. 7. River Music
  8. 8. Purple
  9. 9. In Our Lifetime
  10. 10. Ahead Of The Curve
  11. 11. Who By Fire
  12. 12. White Spider
  13. 13. Knife Of The Sultan

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