laut.de-Kritik

Der Stoner-Grunge der Griechen hat das Zeug für die große Bühne.

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Mit ihrem am erdigen, staubtrockenen Sound von Kyuss, Lowrider und Colour Haze angelehnten Debüt "Super Van Vacation" erspielten sich 1000mods 2011 den Ruf als Geheimtipp in der brodelnden europäischen Stoner- und Heavy-Szene. Die tonnenschweren Nachfolger "Vultures" (2014) und "Repeated Exposure To..." (2016) katapultierten sie in die Riege der führenden Bands in der Szene. Zuhause in Griechenland wachsen 1000mods zur erfolgreichsten einheimischen Rockband der letzten Dekade heran. Auf ihrem vierten Album "Youth Of Dissent" richten die Griechen ihren Sound nun neu aus, reichern ihn mit einer ordentlich knallenden Portion 90er Grunge an - und landen erneut einen Volltreffer.

Doch 1000mods gehen nicht nur klanglich auf Tuchfühlung mit dem Sound ihrer Adoleszenz. Die Aufnahmen fanden in Seattle im London Bridge Studio (Aufnahmeort von Pearl Jams Debüt "Ten") sowie in Stone Gossards (Pearl Jam, Temple Of The Dog, Green River, Mother Love Bone) eigenem Litho Studio gemeinsam mit Produzent und Tontechniker Matt Bayles (Pearl Jam, Soundgarden, Mastodon) statt. Er verpasste der Platte einen klaren und sehr differenzierten Sound.

Dass sich diese Reise in jeder Hinsicht gelohnt hat, zeigt bereits der Opener "Lucid". Obwohl die Gitarren etwas dünner und zum Teil weniger fuzzig als gewohnt klingen, drücken 1000mods schwer rockend das Gaspedal durch. Dabei verbreiten sie von der ersten Sekunde an einen stellenweise an Soundgarden und frühe Foo Fighters erinnernden Flair. Besonders im Refrain erreichen sie einen Grad an Eingängigkeit, der Spaß macht und ins Ohr geht. Das liegt nicht zuletzt an der etwas höher und präsenter angesetzten Stimme von Frontmann Dani. Ein durch und durch gelungener Einstand.

Das hohe Niveau des Openers hält die Band auch im getragenen "So Many Days". Vor allem Stoner-Puristen und hartgesottene Fans der ersten Stunde dürften sich über diesen fast archetypischen 1000mods-Song freuen – selbst wenn er aufgrund der klaren Produktion weniger staubig und roh klingt. Der im Midtempo schleppende Track könnte in der Form auch locker neben Songs wie "Horses' Green" auf "Vultures" stattfinden.

Mit der aggressiven High Energy-Nummer "Warped" huldigen die Griechen wieder dem Seattle-Sound und wecken überdeutlich Assoziation mit Nirvanas genialem, überaus rohem Debütalbum "Bleach". Kraftvoller könnten sie dabei kaum auf die Zwölf hauen. Es mag abgedroschen und anachronistisch wirken, sich an Nirvana und am treibenden Organ Kurt Cobains zu orientieren. Was 1000mods aber daraus machen, überzeugt auf ganzer Linie. Auch "Blister" zündet direkt mit "Nevermind"-Einschlag. Diese Songs machen richtig Laune. Vor allem live dürften sie ein Garant für verschwitzte Pogorunden sein.

Im wunderbar düster verschleppten "Dear Herculin" verwebt das Quartett in eruptiven laut/leise-Ausbrüchen die Schwere ihrer Stoner-Riffs mit der choruslastigen Leichtigkeit von Soundgardens "Black Hole Sun". Deutlich optimistischer gehen die Hellenen dagegen in Anlehnung an den Foo Fighters-Hit "Everlong" sowie klassischem 90er-Alternativerock im hymnisch schwebenden "Less Is More" vor. Erst nach über drei Minuten packt die Band die Riffkeule aus und führt den Song unter der repetitiv ausgebreiteten Wucht des Refrains und einem packenden Wah Wah-Solo zu Ende.

Warum allerdings das folgende Interlude "21st Space Century" nicht dramaturgisch stringent am Anfang des Albums steht, wissen wohl nur 1000mods selbst. In der Albummitte platziert, bremst dieses Kurzinstrumental sinnfrei aus. Vor allem weil die Band im Anschluss mit "Pearl" wieder einen astreinen Banger mit großartigem Drive auspackt. Gewisse Analogien zu Oasis, Velvet Revolver und, im famosen Solo, zu Mike McCready? Geschenkt! Dazu rockt diese Nummer einfach zu gut.

Mit dem elegisch balladesken "Young" gelingt den Griechen unter melancholischen Reminiszenzen an Alice In Chains noch ein echter Überraschungshit. Nach "Dissent", dem einzigen Ausfall der Platte, dreht das Quartett den Fuzz im langsamen, fast doomig schleppenden "Mirrors" ein letztes Mal auf elf und beendet die fast durchgehend starke Platte mit einem würdigen Finale.

Man kann durchaus kritisieren, dass es "Youth Of Dissent" etwas an der konsistenten, eigenständigen Identität der Vorgänger fehlt. Alteingesessene Fans könnten sich daher am neuen Stoner Grunge-Klanggewand der Griechen stoßen. Aufgrund der starken Rückgriffe auf verschiedene Ausprägungen des Seattle-Sounds atmet, lebt und pulsiert auf dieser Platte fast omnipräsent der Geist des 90er-Grunges. 1000mods zimmern daraus aber sehr geschickt ein äußerst überzeugendes Werk voller eingängiger Melodien und rotzigen Songs ganz ohne mäandernde Klangreisen.

Man muss kein Nostalgiker sein, um bei all den Reminiszenzen freudig mit der Zunge zu schnalzen. Mit diesem schnörkellosen Album rüsten sich 1000mods klar für größere Bühnen.

Trackliste

  1. 1. Lucid
  2. 2. So Many Days
  3. 3. Warped
  4. 4. Dear Herculin
  5. 5. Less Is More
  6. 6. 21st Space Century
  7. 7. Pearl
  8. 8. Blister
  9. 9. Young
  10. 10. Dissent
  11. 11. Mirrors

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5 Kommentare mit 20 Antworten

  • Vor einem Jahr

    kannte ich nicht :o klingt geil. merci für den tipp

  • Vor einem Jahr

    es blutet zwar das herz ein wenig, weil weg vom staub trockenem stoner, trotzdem geile scheibe. geile live band.

  • Vor einem Jahr

    Hört euch lieber die ersten drei Alben von denen an. Das hier ist kein Stoner/Desert Rock Sound mehr, das ist Pop-Rock. Schwere Enttäuschung

  • Vor einem Jahr

    Der Ersteindruck mit dem ersten Track ist jedenfalls schlecht. Jede zweite Nummer ist aber irgendwie ganz gut. Ich werde also den Rat der Kollegen in den Kommentaren befolgen und mal die ersten Platten versuchen.

    • Vor einem Jahr

      mach das, herausstechen auf jeden fall die super van vacation und repeated to exposure..., wobei letztere knapp an einem kleinen stoner meisterwerk vorbeischrammt, wenn man den teils prog stoner stücken etwas zeit gibt. die vultures dazwischen fällt gegen diesen beiden ein stück ab. die neue habe ich noch nicht so komplett erschlossen, find sie aber bisher trotzdem noch sehr geil...

    • Vor einem Jahr

      Kyuss - Welcome To Sky Valley raus gekrammt und als die Mutter aller Stoner Alben anzusehen, kann der Kram da oben nicht mithalten.

    • Vor einem Jahr

      hat das wer behauptet? trotzdem, die repeated to exposure kann da definitiv mithalten, ohne billige kopie zu sein. kyuss bleibt in sachen stoner sowieso der gradmesser. aber danke für den geheimtipp WTSV. btw wenn es eine mutter gibt, dann die BFTRS, schließlich hat die den sound gesetzt, während WTSV dies dann perfektioniert hat.

    • Vor einem Jahr

      Hab mir alles von den Griechen in den letzten Tagen zu Gemüte geführt. Will bei mir nicht so ankommen. Oft genug erlebt, das wenn etwas nicht zündet im Hirn das es sich auch nicht verfestigt, also überschaubare Halbwertzeit.

      Kann aber auch daran liegen das bei der aktuellen Livealbendebatte ich mir z.b. viel Frank Sinatra gebe, das ja nun wirklich kein Stoner! ;)

    • Vor einem Jahr

      @nomansrap: Willkommen (zurück?) bei laut.de!

    • Vor einem Jahr

      wieso zurück? aber danke.

    • Vor einem Jahr

      Unpopuläre Einzelmeinung:

      Das Kyuss-"Überalbum" ergibt sich erst, wenn mensch das Beste von "Welcome to Sky Valley" und "...and the circus leaves town" selbst zu einer Scheibe typischer Kyuss-Spiellänge kompiliert.

    • Vor einem Jahr

      wenn du dann auch noch ein paar stücke von der Blues pickst, dann wäre deine einzelmeinung gar nicht so unpopulär. ;)

    • Vor einem Jahr

      Weiß nicht, denn wie du sagtest: Die "Blues..." hat halt den Grundstein für den Trademark-Sound gelegt, hat mMn im Vergleich zu den Folgealben aber die durchweg schwächeren Songs...

      1000mods jedenfalls haben mit "Super Van Vacation" und "Repeated to exposure" zwei ordentliche Stoner-Alben gebracht, denen mensch die Inspiration durch die Genreväter zwar durchaus anhört, die ich aber nicht einfach als überflüssige Kopie derselben abtun würde. Ganz einfach gesagt: Mit diesen Alben im Regal hab ich sehr viel mehr guten Stoner-Rock daheim als ohne. Dagegen fallen die neue Scheibe und auch die "Vultures" qualitativ unterschiedlich stark ab, imho.

      Dennoch danke an alle hier plus laut für den Tipp!

    • Vor einem Jahr

      also dann solltest du dir die blues noch mal geben, ich kann mir ehrlich nicht vorstellen, dass du dort keinen einzigen song findest, den man nicht für den sampler picken könnte.

    • Vor einem Jahr

      mich interessieren die grunge aspekte tendenziell mehr :o
      ich habe in letzter zeit viel blues for the red sun gehört...weil es eben ein referenzwerk ist...naja stoner pur is nicht mein genre. kiffe wahrscheinlich zu wenig

    • Vor einem Jahr

      "als überflüssige Kopie derselben abtun"

      Hab ich nicht so gesagt und gemeint. Wie gesagt Kyuss, ohne kiffen bei mir, zünden immer. Meint wenn ich Bock hab und Frau z.b. nicht da, dann drehe ich hier auf und die Wände wackeln. Bei mir drinnen im Kopf reisst die Lautstärke und das körperliche Erleben solch einer Mucke ganze Wände ein und zwar 2m breite Burgmauern.

      Bei 1000Mods reicht es für die Rigipswand, die muss dann aber schon sehr gut gebaut sein. Hoffe damit gute Bilder geliefert zu haben. Vermutlich liegt es an der seltsamen Mischung, nicht entscheiden können, machen wir hier nun Stoner oder Grunge oder beides ein bisschen zu wenig?

      Wahrscheinlich liegt es an mir, mag halt konequente Musik und selbstverständlich laut und druckvoll.

    • Vor einem Jahr

      Da sprichste was an! Genau diese Konsequenz geht mir bei vielen "modernen" Rockbands ab. So zwischen den Stühlen funktionierts nicht. Entweder man setzt sich wirklich voll drauf, oder zerdeppert mit ihnen den ganzen Raum. Kein Wunder, daß Minimalmusik für kleine Kinder in den Charts landet und kein Rock mehr, weil sie wenigstens die Eier(stöcke) hat, konsequent zu sein.

    • Vor einem Jahr

      Kann schon zwischen schwarz und weiß differenzieren und sehe die Farbtupfel da zwischen. Die letzte Tool ein herrlich hartes Referenzwerk und weiter gedreht den Horizont, aber eben eine "alte" Truppe. Auch die letzte Babymetal gefiel mir und die haben ein Subgenre im Rock/Metal begründet. Dazu noch asiatische Kultur uns westlich orientierten Rockern nahe gebracht. Das ist doch schonmal was!

  • Vor 11 Monaten

    ersten album mit ein paar skip.nummern. haben bock auf was anderes und das klingt noch nicht rund. Repeated Exposure fand ich großartig und für mich das beste stoner.rock.album seit kyuss. war mir eigentlich sicher das laut das auch besprochen hat..mhhh