In seinem neuen Buch "Fargo Rock City" will Chuck Klosterman dem Faszinosum Heavy Metal auf den Grund gehen. Heraus gekommen ist eine stellenweise durchaus unterhaltsame Apologie des schlechten Geschmacks.
Wyndmere, North Dakota (mmö) - Fliegt man mit Google Earth das Örtchen Wyndmere im nördlichen US-Bundesstaat North Dakota an, zoomt man sich an ein waschechtes Kaff im ländlichen Mittleren Westen heran. Sieben Straßen verlaufen in Nord-Süd-Richtung, acht von Ost nach West. Eine Stadt wie tausende andere, mit einem Unterschied. Chuck Klosterman wuchs hier auf. Der Ex-Musikjournalist und Autor von "Eine zu 85% wahre Geschichte" hat in seinem neuen Buch "Fargo Rock City" (Rockbuch Verlag, 288 Seiten, €8,90) die musikalischen Erinnerungen seiner Jugend festgehalten.
Die Kuh auf dem Cover verrät, worum es geht, und viele (männliche) Leser werden sich an ihre eigenen Teenagertage erinnert fühlen. Der Wiederkäuer, eine Schwarzbunte, trägt ein Fell, das an das Bühnen-Make Up von Kiss erinnert. Klar: Es geht um Metal. Schonungslos räumt Klosterman mit den geschmacklich fraglichen Vorlieben seiner Jugend auf, bekennt sich zu Bands wie Def Leppard und Mötley Crüe. Wer selbst früher mal Helloween gehört hat, darf hier ungehemmt mitlachen.
Mitunter recht kurzweilig, doch auf Dauer leider etwas redundant, wagt der Ex-Spin-Autor eine chronologische Abhandlung (von 1983-1997) der eigenen Menschwerdung. Schreibt vom widerwilligen Respekt vor Whitesnake, dem Sexismus im Metal, testosterontriefenden Videos und der Gewaltverherrlichung bei Guns N'Roses.
Hin und wieder entlockt er dabei dem Leser ein herzhaftes Lachen, wie zum Beispiel gleich zu Beginn, als er sein Streben nach eine angemessenen Frisur beschreibt: "Mein Wunsch nach langen, fließenden Locken hatte so gut wie nichts mit Mode zu tun und war auch kein Protest gegen die Gesellschaft. Mein Motiv war wesentlich philosophischer. Ich wollte rocken."
"Fargo Rock City" trägt den Untertitel "Eine Heavy Metal-Odyssee in Nörth Daköta" und ist von Franca Fritz und Heinrich Koop gut übersetzt worden. Aber man muss entweder Fan von Klosterman oder von Heavy Metal sein (oder beides), um diese Memoiren zu goutieren. Mitunter leidet das Buch etwas darunter, dass Klosterman sich nicht entscheiden kann, ob er nun ernsthaft essayistisch über Intellekt und Metal referieren, oder den Leser zum Lachen bringen möchte.
Eine Odyssee halt. Beides gleichzeitig ist natürlich möglich und gelingt auch dem Autor immer wieder, manchmal wirkt er allerdings etwas bemüht. Ein bisschen mehr Anekdoten und ein bisschen weniger Gedankenverlorenheit hätten dem Buch sicher gut getan.
Dennoch festigt Klosterman mit "Fargo Rock City" seinen Ruf als einer der relevanten Schriftsteller, die über Popkultur schreiben.

