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Tocotronic
Kapitulation Live


LAUT.STÄRKE

REVIEW VON

Es beginnt mit dieser Stimme. Dirk von Lowtzow begrüßt die Tocotronic-Fans im Kampnagel in besonders tiefer Tonlage: "Hallo, Hamburg!" So baut der Sänger der wohl wichtigsten deutschen Band unserer Tage mit nur zwei Worten die Präsenz auf, die man von ihm und der Musik seiner Band erwartet.

Kaum ein Album drückt die Dringlichkeit des Hier und Jetzt direkter aus als das großartige "Kapitulation". Das hier thematisierte Scheitern und Aufgeben trugen die vier Hamburger im letzten Jahr durch die Republik, der Gig aus Hamburg bleibt der Nachwelt erhalten.

Das Konzert eröffnen die mittlerweile alten Hasen mit "Mein Ruin" kongruent zur Studiokapitulation. Wie nahtlos sich alte Stücke mit neuen zusammenfügen, beweist der kurze Übergang zu "Ich Bin Viel Zu Lang Mit Euch Mitgegangen".

In der Folge mischt die Band gekonnt Klassiker mit aktuellen Titeln, so dass bei keinem Fan Langeweile aufkommen dürfte. Natürlich dominieren die "Kapitulation"-Tracks mit 9 aus 15 deutlich, doch das kann man dem Quartett beileibe nicht verdenken. Zumal der Mitschnitt mit nicht ganz 70 Minuten nicht das komplette Konzert wiedergeben dürfte.

Ansonsten läuft alles ab wie bei einem regulären Tocotronic-Konzert. Von Lowtzow nervt nicht mit überlangen Ansagen, sondern schmeichelt zurückhaltend seinem Publikum und sagt die Stücke mit dem ihm eigenen Humor an - besonders schön sein Statement vor "Aber Hier Leben, Nein Danke": "Ein Heimatlied gegen die Heimat. Aber man kann dazu tanzen". Die Instrumentalisten sind eingespielt und erwartungsgemäß tight. Kein Song entgleitet, wo er nicht entgleisen soll.

Während "Sie Wollen Uns Erzählen" lässt der Frontmann ein gequältes Heulen los, wie es Black Francis nicht besser hinbekommen hätte, und es fällt einem deutlicher denn je auf, was für eine perfekte Pixies-Hommage die Nummer eigentlich ist. Das mächtige "Explosion" hätte mir zwar weiter am Ende (wie beispielsweise bei ihrem Auftritt auf dem Obstwiesenfestival) besser gefallen, aber mäkeln mag man wegen einer solchen Nichtigkeit wirklich nicht.

Stattdessen fühlt sich der Hörer noch einmal an dieses großartige Album aus dem vergangenen Jahr erinnert. Rick, Arne, Jan, Dirk: Ich liege im Staub vor Euch.

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