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In einem Tennismatch - so heißt es - sei das siebte Spiel meist entscheidend. Für die Band, die seit jeher wünscht sich für diesen Sport zu interessieren, gilt das gleiche für Album Nummer acht. Tocotronic veröffentlichen diese Tage "Kapitulation", vielleicht eines der letzten Konzeptalben eines dem Untergang geweihten Mediums. 54 Minuten für "endgültige Unterwerfung".
Was Kritiker schon länger herbeisehnten, vollziehen die vier Tocos gleich im Eröffnungsstück. Sie erklären "Mein Ruin": "Mein Ruin das ist zunächst / Etwas das gewachsen ist / Wie eine Welle die mich trägt / Und mich dann unter sich begräbt". Einmal mehr möchte man Dirk, Jan und Arne dazu beglückwünschen, dass sie Rick McPhail in ihren Reihen aufnahmen.
TRACKLISTE
Die beiden verzerrten Gitarren erzeugen verstärkt durch das präzise Schlagzeugspiel eine druckvolle Dichte, der kaum zu entkommen ist. Auch wenn es hier um den Ruin eines einzelnen geht, unterschreibt die Anhängerschaft das Dokument sicher gleich mit.Nach der vollständigen Auflistung des Offenbarungseids folgt die "Kapitulation". Darin schmeichelt Sänger Dirk mit dem schönsten Wort in deutscher Sprache und dem nicht minder schön gesungenen "Fuck it all" den geneigten Ohren. Tocotronic wären nicht Tocotronic, wenn diesem Lied über den Abschluss auch eine andere Ebene, hier eben die eines Neuanfangs, innewohnte. Ist erst einmal kapituliert, lebt es sich ganz ungeniert. Noch dazu, da Vögel, Füchse, Wölfe, die "Stars in der Manege" und einige mehr sich ebenfalls unterwerfen. Die Wahl der ersten Auskopplung hätte nicht besser sein können. Die Single umreißt die musikalische Veränderung - nämlich gar keine, verspricht aber dennoch genug Spannung. Im Übrigen bleibt in den restlichen zehn Titeln noch genug Raum für einen schmerzlosen Neuanfang.Auf den Abschluss folgt der Rückzug. "Aus Meiner Festung" reißt dicke Mauern ein und sucht gleichzeitig den Ausweg aus dem Dschungel. "Kommt alle mit / Spendet Applaus / Ich bin ein Star / Holt mich hier raus". Menschen fragen sich "Dürfen die das? Darf sich ausgerechnet diese Band bei RTL bedienen?" Später noch, in "Luft", stibitzen die selbsternannten "adult-oriented Indie-Rock"-Elstern aus Hamburg auch gleich noch das "Entschuldigung das hab ich mir erlaubt" der Prinzen. Was muss diese Band noch alles tun, damit sie nicht mehr zu ernst genommen wird? Ihr Handwerk leisten sie solide. Sie verlangen weniger Abstraktionsvermögen als noch bei "Pure Vernunft Darf Niemals Siegen" von Nöten war.Richtig direkt und mitreißend wie zu Anfangszeiten schrammelt sich "Sag Alles Ab" ins Herz der Fans der ersten Stunde. Der "endgültigen Unterwerfung" steht somit die endgültige Verweigerung gegenüber. Irgendwo dazwischen liegt die endgültige Selbstaufgabe "Wehrlos", ein ruhiges, fragiles und umwerfend schönes Liebeslied für die Person, um die das eigene Leben kreist."Kapitulation" endet mit "Explosion", einem Song, der sich nicht nur als idealer Abschluss eines Album, sondern auch als schlüssiges Ende für die Band bewähren würde. Mit jedem Takt lässt sich die Funken sprühende Lunte verfolgen, die sich dem Sprengstoff nähert. Wobei der Knall live sicher einen Tick heftiger und länger ausfallen dürfte. "Alles gehört dir / Eine Welt aus Papier / Alles explodiert / Kein Wille triumphiert". Leni ick hör dir trapsen. Zwölf Lieder enthält das achte Album und auch wenn es musikalisch recht überraschungsarm klingt und die Band schon so viel gesagt hat, es ist eines ihrer besten. Der Satz geht an Tocotronic.MEHR INFO
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