laut.de-Kritik

Vom Straßen-Hip Hop zum Kuschelrap.

Review von

Er wird als Held der Neo-Hip Hop-Szene gehandelt, als Mann, der im Hip Hop "den Sound der Jetzt-Zeit" erschaffen hat: Wiz Khalifa. Ohne Frage ist "Rolling Papers" ein interessantes Album. Nur dürfte manch eingefleischtem Hip Hop-Freund etwas mulmig dabei werden, das Majorlabeldebüt als Inbegriff des Jetzt-Zeit-Hip Hop anzunehmen, denn das würde bedeuten: Hip Hop ist inzwischen kein rauer Straßenkater mehr, sondern ein zahmes Schmusekätzchen.

Gefühlvoll rollt Wiz Khalifas Sound über einen drüber und lullt einen in eingängige Melodien. In Kombination mit größtenteils eher anspruchslosen Laid-Back-Rhymes ist der neue Kuschelrap geboren. "Wake up! Wake up! I don't wanna wake up." Will man wirklich nicht - es ist so schön melodiös und so schön jungenhaft, was Wiz hier abliefert.

Natürlich ist der Hip Hop schon lang nicht mehr, was er einmal war und die Grenzen verblassen mehr und mehr bzw. besser vielleicht: verweichlichen. Dem einen gefällt das, dem anderen nicht. Aber befinden wir uns gerade auf dem Wege, das ehemals roughe Genre gänzlich zum Pop verkümmern zu lassen? Ist der Neo-Hip Hop unser neuer Pop?

Zumindest Tracks wie "Wake Up", "Hopes & Dreams", "No Sleep" oder "Roll Up" lassen das vermuten. Letzteren bezeichnet Wiz selber als "fun-single" für die Ladies. Kein Stress, Ladies, Wiz ist da: "Whenever you need me/ Whenever you want me/ You know, you can call me/ I be there shortly/ Don't care what your friends say/ Cause they don' know me/ I can be your best friend/ And you be my homie."

Der gute Homie wird zum Bad Boy drunken in "On My Level" feat. Too $hort, ein Track der allein durchs Zuhören schon high macht: "Man I'm high as fuck/ Man I swear I'm on my level/ Man I'm sloppy drunk/ Man I swear I'm on my level/ A nigga get smashed out ...".

Eine ordentliche Hip Hop-Nummer - auch im herkömmlichen Sinne - bietet die ohrwurmverdächtige erste Singleauskopplung "Black and Yellow". Der schöne Flow und der gute Beat der inoffiziellen Hymne der Footballmannschaft Pittsburgh Steelers begeistern sogar Lil Wayne so, dass er sich Khalifas Beat krallt und darüber für seine Green Bay Packers freestylt. Sehr zu empfehlen ist übrigens auch der G-Remix von "Black And Yellow" feat. Snoop Dogg, Juicy J und T-Pain, der leider auf dem Album fehlt.

"No Sleep" soll nach "Roll Up" die nächste Single werden. "Cause everything is on me/ the drink is on me/ the bitches, the hotel, the weed is all free/ Get high, I mean so high/ we see the whole street/ we fly…" Uiuiui – ja, das meinte ich unter anderem auch mit "jungenhaft". Hier spricht der postpubertäre Übermut.

"No driving, no sleeping/ Live it up like it's weekend". Wichtig - das betont der Junge nämlich mehrfach auf seinem Album - ist hierbei: die Party geht NICHT nur das WE über – nene - gefeiert wird die ganze Woche: "Cocaine, mushrooms, ecstasy, GHB, Marijuana/ She can suck it if she wanna/ I got tequila, ciroc and two freaky friends/ And this a Wednesday night, this ain't weekend."

Wenn man sich einen Platz im Majorlabelfirmament erkämpft hat, muss man diesen Platz natürlich auch mit allen Mitteln verteidigen. Und wenn dabei die Demonstration des hedonistischen Egos helfen kann, ist das natürlich durchaus eine relevante Information. Fun Fun Fun.

Lustigerweise beginnt das Album mit "When I'm Gone" und darin dem Satz: "And they say all I rap about is bitches and champagne. Das sehe ich ähnlich. Seinen Namen hat Wiz (von "wisdom", "Weisheit") ja angeblich, weil er in seinem Freundeskreis immer als besonders clever galt. Dieser wurde von seinem Großvater um das arabische "Khalifa" für "Anführer" ergänzt. Leider ist von dieser Weisheit in den Texten nicht viel zu hören.

Allerdings ist der Kerl noch jung, und das seit dem 17.Lebensjahr in den Unterarm tätowierte "Wiz Khalifa" muss ja irgendwann Früchte tragen. Vielleicht muss das aber auch gar nicht sein. Wiz will - ganz treuer Anhänger des Lebensgefühls der Westküste -"everybodys life easier" machen, also warum sich verkopfen?

Das Faszinierende an "Rolling Papers" ist: es fehlt an roughness, um richtig guter Hip Hop zu sein, an inhaltlichem Tiefgang, um wirklich zu berühren und trotzdem funktioniert die Platte selbst für einen Pop-kritischen Hörer. Warum?

Ein Track wie "Fly Solo" in Folk-Pop-Jack Johnson-Manier hat zwar gute Chancen zum Sommerhit 2011 zu werden, aber mit Hip Hop hat das nicht mehr viel zu tun. Macht aber nichts, denn Wiz ist einfach smooth. Man muss Wiz' jungenhaftem Charme einfach erliegen, denn was er macht, ist schön und irgendwie anders: "And I fly solo and I fly solo and I fly solo and I fly solo ...". Trotz allem spreche ich also abschließend meine Hoffnung aus, dass der protestierende Straßenkater Hip Hop aus dem Untergrund sich nicht gänzlich vom popverliebten Schmusekätzchen vertreiben lässt.

Trackliste

  1. 1. When I'm Gone
  2. 2. On My Level (Feat. Too $hort)
  3. 3. Black And Yellow
  4. 4. Roll Up
  5. 5. Hopes & Dreams
  6. 6. Wake Up
  7. 7. The Race
  8. 8. Star Of The Show (Feat. Chevy Woods)
  9. 9. No Sleep
  10. 10. Get Your S**t
  11. 11. Top Floor
  12. 12. Fly Solo
  13. 13. Rooftops (Feat. Curren$y)
  14. 14. Cameras

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