laut.de-Kritik

Jetzt wird wieder in die Lobby gespuckt.

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Der Berliner Geheimtipp Von Wegen Lisbeth macht sich auf, die Indiewelt im Sturm zu erobern. Bisher erlangten die fünf Jungs durch die gemeinsame Tour mit AnnenMayKantereit schon einiges an Aufmerksamkeit. Die Band spielt frischen Indierock mit bissigen Alltagsbeschreibungen und unverbrauchten Textzeilen. Auf "Grande" versprechen die Hauptstädter: "Wenn wir Funken schlagen explodiert der ganze Laden."

Der Opener "Meine Kneipe" lässt mit seinen Basslauf an Die Sterne denken und kommt als grooviges Elektro-Funk-Stück daher. Die Band singt "Mach, was du willst, aber bring nie wieder deine neuen Freunde in meine Kneipe." "Chérie" widmet sich ironisch den Selbstdarstellungszwang in den sozialen Netzwerken und mausert sich zu einem tanzbaren Ohrwurm mit marimbaähnlichem Einsatz.

Die meisten Tracks kommen minimalistisch mit Gitarre, Schlagzeug und Bass daher, werden aber mit Casio-Keyboards und Steeldrums aufgelockert, was ein wenig an Bilderbuch denken lässt, aber zum Glück nicht so durchgestylt klingt. Die Jungs fühlen sich bei "Becks Ice" am Späti einfach viel wohler.

Die Texte der Steglitzer sind ehrlich, erfischend und zum Glück um einiges angriffslustiger als bei den Tourkollegen von AnnenMayKantereit. Im Lovesong "Bitch" heißt es: "Bitch, ich bin für dich den ganzen Weg gerannt." Diese Nummer ist mit dem treibenden Indierhythmen zugleich der Höhepunkt des Albums. Den Refrain kriegt man garantiert wochenlang nicht mehr aus dem Kopf.

"Der Untergang Des Abendlandes" ironisiert die kleinen Alltagsängste und klingt wegen des Trompetenspiels schon beinahe etwas beschwipst. "Sushi" handelt von "Lena", die den ganzen Tag auf Facebook ihr Essen postet. Der Song gestaltet sich straight mit einen coolen Funk-Lick auf der Gitarre. Auch hier lassen die Sterne wieder grüßen.

Dazwischen schlagen sie ein paar langsamere Töne an, aber die Stärke der Band ist es, die Indiefans zum Tanzen zu bringen. In "Becks Ice" steht der charakteristische Basslauf wieder im Vordergrund und 80er-Jahre-Casio-Sounds lockern das Geschehen auf. Der im Text erwähnte Funke schlägt direkt ins Tanzbein.

Die Trompete findet in "Unterm Schrank" ihr Comeback und "Freigetränke" mit verzerrten Gesang ist ein hübscher Indie-Punk-Song, der in den besten Momenten an die Goldenen Zitronen erinnert. Ganz nach dem Motto der Steglitzer Newcomer: "Jetzt wird wieder in die Lobby gespuckt."

Das Debütalbum Von Wegen Lisbeths stellt sich als eine erfrischend kurzweilige Angelegenheit dar. Auch wenn die Band den Vergleich nicht gerne hört, schimmert die frühe Hamburger Schule an vielen Stellen durch. Wegweisende intellektuelle Erkenntnisse braucht man auf "Grande" sicherlich nicht zu erwarten, aber diese Unverbrauchtheit erweist sich als ziemlich wohltuend. Die Band löst das Versprechen ein, Funken in der deutschen Indie-Landschaft zu schlagen.

Trackliste

  1. 1. Meine Kneipe
  2. 2. Chérie
  3. 3. Komm Mal Rüber Bitte
  4. 4. Drüben Bei Penny
  5. 5. Bitch
  6. 6. Wenn Du Tanzt
  7. 7. Der Untergang Des Abendlandes
  8. 8. Lisa
  9. 9. Sushi
  10. 10. Bärwaldpark
  11. 11. Milchschaum
  12. 12. Becks Ice
  13. 13. Unterm Schrank
  14. 14. Freigetränke

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