laut.de-Kritik

Schrammelgitarren und elfengleiche Gesänge.

Review von

Auf den ersten Blick hört sich der Titel des Samplers "Shanti Project Collection 3" sehr nach esoterischer Gehirnwäsche an. Auch das violette Räucherstäbchen-Cover lässt Böses vermuten. Um den "inneren Frieden" geht es hier auch. Jedoch kümmert sich die amerikanische Shanti Organisation (www.shanti.org) um Menschen, die lebensgefährlich erkrankt sind oder an chronischen Krankheiten leiden.

Diese Compilation ist also eine Benefizplatte, auf der fünf verschiedene Bands jeweils zwei ihrer neuen bzw. raren Songs zur Verfügung stellen. Für einen guten Zweck, der nicht nur eine heilsame Wirkung auf erkrankte Personen haben dürfte.

Trotz der unterschiedlichen Gruppen klingt das ganze Album, als sei es nur von einem Interpreten. Das war auch die Idee des Independent Labels "Badman Recording" aus San Francisco. Diese Kombination fusioniert himmlisch miteinander. Eine wunderbare Kollektion, deren Nutzung doppelt tut gut. Den hilfsbedürftigen Kranken und dem eingefleischten Independent Fan. Der taucht mal wieder für einige Minuten in die Welt der Schrammelgitarren, leisen Vibrationen und elfengleichen Gesangsstimmlagen, um dabei sein 100%-Mädchen oder seinen 100%-Jungen zu küssen. Zehn herzerwärmende Tracks, mit deren Melancholie man auch gerne Richtung Balkonbrüstung schwankt.

Schon die ersten beiden Sampler waren durch ihre einzigartige Mischung sehr zu empfehlen. Collection 1 präsentierte zum Beispiel Neues und Rares aus dem Hause der Red House Painters und Low. Nummer 2 war ausschließlich den weiblichen Popstars gewidmet. Hier verzauberten u.a. Kristin Hersh und Melissa Auf Der Mauer.

Auf der dritten Veröffentlichung geben eindeutig die Isländer Sigur Rós den Ton an. Sie waren die Ersten, die zugesagt haben, und sie lassen gewohnt ihre verzauberten Märchenmelodien an den ersten Klängen erkennen. Mal wieder keine Ahnung, was "Bium Bium Bambaló" heißt, aber hier spricht eindeutig die Musik für sich, und in Gedanken schreibst du deine eigene Lyrik. Mit ungewohnten Heavy Metal-Klängen überraschen sie bei "Dánarfregnir Og Jaroarfarir".

Im selben Atemzug gleiten Califone und The Black Heart Procession durch die wunderbare Welt der Schwerkraft. Allein der Opener "Exit Out" hinterlässt eine leichte, isländische Elfenspur. Für den düsteren und krachenden Hörgenuss sorgen Arab Strap ("We Know Where You Live"). Kinski hauen instrumentalistisch in die Saiten, und die leise, harmonische Begleitung wendet sich zum lauten, rockigen Ungetüm. Wunderbar! Ich habe meinen inneren Frieden gefunden ...

Trackliste

  1. 1. The Black Heart Procession - Exit Out
  2. 2. Califone - Michigan Girls
  3. 3. Sigur Rós - Bium Bium Bambaló
  4. 4. Arab Strap - We Know Where You Live
  5. 5. Kinski - Semaphore (KEXP version)
  6. 6. Sigur Rós - Dánarfregnir Og Jaroarfarir
  7. 7. Califone - Cluck Old Hen
  8. 8. Arab Strap - Devil Tips
  9. 9. The Black Heart Procession - Sort it Up
  10. 10. Kinski - Schedule For Using Pillows and Bean Bags

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