laut.de-Kritik

Englands neue Electro-Supernova.

Review von

Das Hauptanliegen von Orlando Higginbottom ist es, gute Dance-Musik zu produzieren. Modische Genres, Subgenres oder Styles, deren Ende bereits vor dem Höhepunkt in Sicht ist, interessieren ihn nicht. Unter dem Alias Totally Enormous Extinct Dinosaurs veröffentlicht er deshalb seit vier Jahren EPs, die mit Vielseitigkeit, guter Laune und klassischen Referenzen der elektronischen Musik bis zum Überschwappen gefüllt sind.

Dabei unterliegt der junge Brite nicht dem elitistischen Irrglauben, dass solche Musik nicht in das System Pop passen darf oder kann. Früh remixt er Tracks von Professor Green bis Katy Perry, während er live mit Techno-Pop und dem von ihm betitelten Elektro-House begeistert. Für Higginbottom, der zu Beginn seines musikalischen Schaffens bei Hot Chip-Mitglied Joe Goddard und dessen Label Greco-Roman unterkommt, ist dies kein Widerspruch. Neben Goddard beeinflusst ihn mit Damon Albarn ein weiterer Musiker, der Experiment und Pop aufgrund enormer musikalischer Kapazitäten nicht getrennt denken kann.

Das Debütalbum "Trouble" zeichnet die bisherige Entwicklung von Higginbottoms Schaffen nach. Hier und dort entdeckt man Teile der bisher veröffentlichten Singles und EPs auf dem über einstündigen Longplayer. Der French House-Banger "Household Goods", das entspannt poppige "Garden" oder der Titeltrack "Trouble" sind so bereits in den letzten Jahren auf unterschiedlichen Releases zu hören gewesen.

Immer wieder finden sich Reminiszenzen an die Wurzeln elektronischer Musik wie die Chicagoer House-Szene oder die Wirren des Detroit-Techno. Durch die angenehm überladenen Tonspuren, die zwischen schwitziger Euphorie und träumerischem Sanftmut wippen, ziehen sich analoge Synthie-Sounds oder allzu bekannte Sample aus der alten Roland 808-Drummachine. Zeitlos und trotzdem – oder gerade deshalb – immens spannend gestaltet sich das Debüt des 26-jährigen Briten.

Teils durch das Dasein als Pseudo-Singlekompilation, teils durch den enormen Drive und die wilde Fahrt durch die bpm-Zahlen, zerrt "Trouble" eine elektronische Supernova zwischen komplexem Soundscape-Dickicht und Hingabe zur Populärmusik ans Licht. Artifizieller Exotismus in den Rhythmen wechselt mit geradlinigem Techno, endlose Reverb-Fäden mit Ed Banger-Stampf. Totally Enormous Extinct Dinosaurs kann somit endgültig dem Hipster-Chic, den zuvorderst sein Poster Boy-Charme sowie neonfarben angemalte Fans vermitteln, enthoben werden.

Trackliste

  1. 1. Promises
  2. 2. Trouble
  3. 3. Shimmer
  4. 4. Household Goods
  5. 5. Your Love
  6. 6. You Need Me On Your Own
  7. 7. Panpipes
  8. 8. Garden
  9. 9. Solo
  10. 10. Tapes & Money
  11. 11. American Dream Part II
  12. 12. Closer
  13. 13. Fair
  14. 14. Stronger

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