laut.de-Kritik

Till, die rockende 4-Spur One-Man-Kapelle.

Review von

Hurra, es lebe das 4-Spurgerät. Welcher Hobbymusiker hat nicht schon mal selbst seine Lieder damit im Schlafzimmer aufgenommen? Auf der Bettkante schreibt man noch die letzte Textzeile, und los geht's. Dass Till Stellmacher seine Supermaschine im Schlummerraum stehen hat, kann ich jetzt nicht beweisen, aber dass er eine wunderbare Platte herausgebracht hat, mag ich hier gerne bestätigen. Verfolgt man die Entstehung des Stellmacher-Debüts, gelangt man mal wieder in die Tiefe des Kölner Klüngel. Der Vertrieb ist A-Musik und das Lo-Fi Elektronik-Label hundertzwei*. Hier wurde auch schon der Sampler "Korsika Kollektion" veröffentlicht, mit verschiedenen Bands von Pop bis Hardrock (zum Beispiel Mikrofisch, Oleg Kostrow, Klitpop oder Helgoland).

Mal schläfrig in der Lounge sitzend, beschwippst im Drum'n'Bass-Club oder volltrunken in der Rock'n'Roll-Bar; Till Stellmacher trifft man auf seinem namenlosen Debüt in sämtlichen Etablissements. Die Fahrt beginnt verspielt mit einer süßen Melodie und bahnt sich mal ruhig und mal krachig den Weg durch den Lo-Fi-Punkrockpop. "Nonnenwerth" trippelt heiter durch die virtuelle Spielzeugwelt. Seine lyrische Fähigkeit auf den Wogen der Neuen Deutschen Welle beginnt mit dem "Knopf". Der persönliche Hit auf dieser Platte heißt "Rucksack" und wurde schon damals von Till bei einem legendären Wohnzimmerkonzert in Köln, op der Schäl Sick, gepackt. Da trafen sich so einige lokale und befreundete Bands auf Socken und spielten mehrere akustische Sets. Der kuriose Rucksack-Mann ist mir dabei besonders im Gedächtnis geblieben.

Aus dem Pressetext entnehme ich folgende schöne Beschreibung: "Till spielt mit sich selbst". Eine rockende One-Man-Kapelle, die alle Instrumente und Hilfsgeräte selbst bedient: Gitarre, Drumcomputer, Dr. Böhm-Orgel, eine ganze Kiste mit Effekten und einem Moped, mit dem Herr Stellmacher die "Fahrt am frühen Abend" beginnt. Den 80er Sound dabei stets im elektronischen Nacken. Gegen Ende der No Name-Platte darf auch tüchtig gerockt werden. So wie bei Klaus Apfel (im übrigen eine weitere Hörempfehlung, die sich nicht nur alleine wegen des fantastischen Namens lohnt!), der Punkrock-Band, in der Till Stellmacher ebenfalls musikalisch beteiligt ist. "Unternehmen Übernehmen" rotzt er garagentauglich ins Mikro und die Gitarren schrammeln weiter von "Bonn-Berlin" mit sphärischen Orgelrhythmen. Man sollte auf jeden Fall vorbei schauen, wenn Till Stellmacher auf Konzertreise ist. Ob mit Rucksack oder ohne, immer wieder ein Genuss. Genauso wie diese 11-Track-Kollektion!

Trackliste

  1. 1. Nonnenwerth
  2. 2. Knopf
  3. 3. Eintagsmäuse
  4. 4. Rucksack
  5. 5. Hollywood schaukelt
  6. 6. Von sich
  7. 7. Polarfuchs
  8. 8. Fahrt am frühen Abend
  9. 9. Könntest Du
  10. 10. Unternehmen übernehmen
  11. 11. Bonn-Berlin

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