26. März 2007

"Jim Morrison überstrahlt sie alle"

Interview geführt von

Pünktlich zum 40. Jubiläum des Erscheinens ihres ersten Albums sind seit vergangenen Freitag die sechs The Doors-Studioalben neu abgemischt und mit bisher unveröffentlichtem Bonus-Material sowie zwei Special-Best Ofs im Handel. Zu diesem Jubiläum ließen sich die verbliebenen Mitglieder der Kultband zu Telefoninterviews überreden. Unser Mann ist Gitarrist und Songwriter Robby Krieger, der sich noch etwas verschlafen aus seiner Heimat San Francisco meldet.Die letzten Jahre waren für die verbliebenen Doors-Mitglieder nicht einfach: 2003 verklagte Schlagzeuger John Densmore seine ehemaligen Kollegen Robby Krieger (Gitarre) und Ray Manzarek (Keyboards), weil sie mit dem Bandnamen The Doors auf Tour gehen wollten. Auch der Zusatz "of the 21st Century" half nicht - ein Gericht verbot Manzarek und Krieger 2005, den Namen zu verwenden. Daraufhin nannten sie sich in Riders On The Storm um.

Eine Woche vor unserem Interview im Februar 2007 folgte die nächste schlechte Nachricht: Jim Morrison-Ersatz Ian Astbury warf als Riders On The Storm-Sänger das Handtuch und kehrte zu seiner Band The Cult zurück. Dass er durch Brett Scallions von der US-Band Fuel ersetzt wird, war offenbar eine recht spontane Entscheidung - zum Zeitpunkt des Interviews wusste Krieger davon noch nichts. Doch es gibt ja noch mehr Anlass zur Freude: Pünktlich zum 40. Jubiläum ihres ersten Albums bringen die Doors ihre sechs Studioalben sowie zwei Best Ofs auf den Markt. Ein guter Grund, uns am Telefon mit einem etwas verschlafen wirkenden Robby Krieger zu unterhalten.

Guten Morgen!

Yeah.

Wie soll ich Sie nennen: Robby oder Mr. Krieger?

Robby ist okay.

Gut, Robby. Im Januar 1967 haben die Doors ihr erstes Album herausgebracht. Eine gute Gelegenheit, es in einer neu abgemischten Form wieder auf den Markt zu bringen. Ihr seid aber einige Schritte weiter gegangen: Es sind gleich sechs Studioplatten und zwei Best Ofs geworden, die zum Teil unveröffentlichtes Material enthalten. Wie kam es dazu?

Es war eine Idee unseres Managers, glaube ich.

Warst du auch daran beteiligt?

Ja, klar. Bruce Botnick, der alle Doors-Alben abgemischt hat, hat die alten Tapes zusammengesucht und damit begonnen, sie anzuhören. Aber wir waren alle beteiligt und haben ihm geholfen, sie neu zu mastern und abzumischen.

Das muss ziemlich viel Arbeit gewesen sein.

In der Tat. Es hat anderthalb Jahre gedauert. Natürlich haben wir nicht täglich daran gesessen, die meiste Arbeit hat Bruce gehabt. Er hat ein Studio in Santa Barbara, Kalifornien. Sobald ich Zeit hatte, bin ich zu ihm gefahren und habe ihm geholfen. Aber es hat echt Spaß gemacht. Die alten Tapes hatte ich natürlich schon seit Ewigkeiten nicht mehr gehört, außerdem gab es da viel neues Equipment, all diese digitalen Aufnahmegeräte. Heute kann man so viel mehr tun, damit sich die Sachen gut anhören. Es war eine gute Erfahrung.

Die alten Stücke anzuhören, muss viele Erinnerungen hervorgebracht haben.

Ja, natürlich. Ich höre mir die alten Lieder ständig an, es ist nicht so, dass ich sie seit 40 Jahren nicht mehr gehört hätte, aber einige der nicht veröffentlichten Sachen waren sehr interessant, vor allem die Gespräche.

Die meisten Lieder der Doors hast ja du geschrieben – zusammen mit Jim Morrison. Bist du immer noch zufrieden mit dem, was ihr damals produziert habt?

Ja, ich bin sehr glücklich damit. Ich bin echt erstaunt darüber, wie viel wir geschaffen haben. In den letzten Jahren habe ich immer wieder versucht, neue Sachen zu schreiben, aber es ist nicht einfach. Damals war das Songschreiben noch etwas ganz Neues für mich, Musik war überhaupt etwas Neues für mich, es war wie eine schöne neue Welt. Jetzt, wo ich viel mehr über Musik weiß, ist es viel schwieriger. Was wohl daran liegt, dass zu viel Wissen nicht gut ist. Als ich die Moll-Akkorde entdeckte, dachte ich mir, "Wow, sowas habe ich noch nie gehört!"

Das lag aber bestimmt auch an der Chemie, die zwischen euch herrschte. Deshalb wart ihr wahrscheinlich so produktiv.

Ja, klar. Wir haben nur fünf oder sechs Jahre lang gemeinsam aufgenommen, aber ich finde es immer noch erstaunlich, wie viele Stücke wir damals geschrieben haben. Heutzutage nimmt eine Band höchstens alle zwei Jahre ein neues Album auf. Wir haben in vier Jahren sechs Platten herausgebracht.

"Jim Morrison scheint alle zu überstrahlen!"


Jim Morrison ist seit 35 Jahren tot. Welche Erinnerungen hast du an ihn – ist er für dich immer noch eine Person, oder hat er sich in einen Mythos verwandelt, wie wohl für die meisten Leute?

Nein, für mich ist er immer noch eine Person. Ich versuche, mich nur an die schönen Momente und nicht an die schlechten zu erinnern. Aber für mich ist er immer noch eine Person. Eine, die ich nie vergessen werde. Ich habe in all den Jahren niemanden getroffen, der so war wie er.

Hast du jemals sein Grab auf dem Pariser Friedhof Père-Lachaise besucht?

Klar, schon oft.

Es ist Wahnsinn, wie gerührt die Leute dort sind. Es ist ein einfaches Grab, aber sie hinterlassen viele Erinnerungen. Etliche Jahre nach seinem Tod scheinen ihn viele immer noch zu lieben – und eure Musik mit dazu.

Ja, es ist Wahnsinn. Auf Père-Lachaise sind so viele berühmte Menschen begraben, aber Jim scheint sie alle zu überstrahlen. Egal, wann du hingehst – es ist immer jemand an seinem Grab. Jedes Mal, wenn ich dort war, standen 20 oder 30 Leute rum.

Wirst du auch wieder erkannt?

Oh ja

Wie gehst du damit um?

Na ja, wenn du ein Grab besuchst, möchtest du eigentlich alleine sein, aber es ist schon okay.

Ihr veröffentlicht jetzt wieder die sechs Alben, die ihr mit Jim Morrison gemacht habt, nicht aber die drei, die nach seinem Tod entstanden sind. Fehlt da das Interesse?

"Full Circle" und "Other Voices" werden dieses Jahr auch wieder erscheinen. Endlich. Für "An American Prayer" gibt es keine Pläne, so viel ich weiß. Aber es ist eh noch im Handel, glaube ich.

"Keine Ahnung, wer der neue Sänger wird"


Es ist interessant, dass John Densmore bei den Neuabmischungen mitgewirkt hat. Nach all dem Ärger, den es in den letzten Jahren zwischen euch gegeben hat, dürftet ihr euch nicht allzu gut verstehen.

Es ist in der Tat schwierig. Ja, er war auch beteiligt. Wenn wir Zeit hatten, sind wir eben ins Studio gegangen, um uns die Sachen anzuhören. Ich habe ihn nicht gesehen, aber ich bin mir sicher, dass er auch dort war. Aber es war schwer. Was passiert ist, war einfach nur schlecht. Ich wünschte, wir wären nie in diese Sache hinein gerutscht. Die Fans wünschen sich, dass John mit uns spielt, Ray und ich hatten ihn auch gefragt, mitzumachen, aber so ist es halt. Jetzt stehen erst mal die letzten Alben an, die noch dieses Jahr fertig gestellt sein werden. Anschließend will John sich Gedanken machen, ob er wieder spielt – das hat er zumindest gesagt.

Im März werden Ray Manzarek und du in London Doors-Lieder mit einigen Gästen vorführen. John Densmore kommt auch mit, wird allerdings Gedichte von Jim Morrison vortragen. Wäre es nicht viel spannender, euch alle auf der Bühne zu sehen?

Ja, das wäre es wohl gewesen. Aber auch so ist es noch spannend genug.

Werdet ihr in den nächsten Monaten und Jahren weiterhin auf Tour gehen, oder war's das dann?

Ray und ich werden dieses Jahr einige Auftritte absolvieren. Ich weiß noch nicht, wann oder wo, wir sind ja auch erst aus Europa zurückgekehrt, wo wir dreizehn Konzerte gegeben haben. Deutschland steht dieses Jahr definitiv auf dem Plan.

Immer noch als Riders On The Storm, oder werdet ihr euch einen neuen Namen zulegen?

Nein, nein, als Riders On The Storm.

Habt ihr euch schon Gedanken über einen neuen Sänger gemacht, nachdem Ian Astbury letzte Woche seinen Rücktritt angekündigt hat?

Wir werden uns nächste Woche ein paar Leute anschauen, aber wir haben noch keine Ahnung, wer es sein wird.

Danke schön, ich glaube, unsere Zeit ist vorbei.

OK. Für welche Zeitschrift schreibst du noch mal?

Für laut.de. Wie "Loud", nur auf Deutsch.

Gut, dann werde ich mir den Artikel mal anschauen.

Apropos Internet: Ich habe mehrmals versucht, deine Seite aufzurufen, aber es hat nie funktioniert.

Was?!?

Ja, wirklich.

Du hast Recht. Es arbeitet gerade jemand daran.

Okay, na denn, viel Glück!

Infos zu den Neu-Veröffentlichungen: "The Very Best Of The Doors" erscheint in einer einfachen CD-Version mit 20 Titeln sowie als Doppel-CD mit 34 Songs. Beide Formate beinhalten Klassiker wie "Break On Through", "Hello, I Love You", "Riders On The Storm" und natürlich das Ödipus-Drama "The End", das auf der Doppel-CD auch in der ungeschnittenen Langfassung zu hören ist. Darüber hinaus gibt es Digital Download-Varianten der beiden Best Of-Auskopplungen, die in Spezial-Editionen mit Doors-Interpretationen gefeierter Remixer wie Paul Oakenfold, Adam Freeland und Crystal Method aufwarten.

So hat Oakenfold den Song "L.A Woman" geremixt, während sich Adam Freeland an "Hello I Love You" versucht. Interaktive Booklets und exklusive Interviewauszüge komplettieren das Download-Paket, während die Doppel CD-Variante auch noch in einer limitierten 40th Anniversary-Edition erscheint, die auf einer Bonus-DVD 30 Minuten The Doors Live in Europe präsentiert.

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LAUT.DE-PORTRÄT The Doors

"If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is: infinite. For man has closed himself up, till he sees all things thro' …

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