laut.de-Kritik

Die Fortentwicklung des dunklen Genres für die Gegenwart.

Review von

20 Jahre im Geschäft, zuletzt fünf lange Jahre ohne Darkwave-Langrille aus Florida. Doch die treue deutsche Fanbase macht die Crüxys - wie zuletzt auf dem Amphi - noch immer zum garantierten Live-Abräumer. Fehlt nur noch ein schickes Album im dunklen Gepäck, und da kommt "As The Dark Against My Halo" gerade recht als rockiger Freudenspender mit 14 Tracks in 75 Minuten. Keine Sekunde davon lang oder weilig.

Wer bei Gothic Berührungsängste verspürt und befürchtet, von diabolischer Depression runtergezogen zu werden, darf sich mit dieser Platte getrost vom Gegenteil überzeugen lassen. Das - je nach Zählweise - siebente bzw. achte Studiowerk aus dem sumpfigen Deep South klingt dynamisch, bunt und im Kern nahezu fröhlich. Bandboss Rogue scheint als frisch gebackener 'Gothfather' einer kleinen Tochter ein wenig optimistischer, dabei musikalisch offener gestimmt als ehedem. Das macht den "Halo" szeneübergreifend Party-kompatibel.

Satte E-Gitarren treffen auf Steckdosenspielereien mit gelegentlicher Prise Future Pop in die Schnauze. Zur Krönung die unverzichtbaren Violinen von David Wood und JoHanna Moresco. Das Ergebnis: ein Haufen fetter Flurbrecher ohne handwerklichen Fremdschamalarm. So eingängig wie eine Singlehit-Compilation.

Das große Plus vor anderen Mitbewerbern um den goldenen Sarg liegt in Rogues mittlerweile deutlich zu Tage tretendem Talent, zum Mitsingen animierende Ohrwürmer zu komponieren, deren geschickt verwobene Melodien jedoch niemals primitiv oder einfallslos klingen. Im Zusammenwirken ergibt sich sogar ein liedweise erstaunlich komplexes Bild.

Auch der Gesang Monsieur Virgil Roger DuPonts III - so der schillernde Name des Frontmanns - ist handwerklich tadellos. Nicht selbstverständlich bei den Dunkelmännern. Auch wenn sein Timbre nicht gerade die Charakterstimme des Jahrhunderts transportiert. Allein der Ausdruck, den der Southern Gentleman in der herausragenden Ballade "Matchstick Girl" transportiert, ist um so mehr aller sinistren Ehren wert.

Schon das kurze Albenintro "And I Believe" macht deutlich, wie prall die melodische Börse gefüllt ist. Die bereits höchst erfolgreich in den dunklen Tempeln rotierenden Vorab-Hits "Valkyrie" (2011) und "Quicksilver" (2009) sind dankenswerter Weise endlich auf LP verfügbar. Gelegentlich hört man den Schatten ihre stilistische Verwandtschaft zu Generationskollegen wie Catastrophe Ballet an. Wer deren Evergreens wie etwa "Eyelid Backspace Poem" ("New Values"; 1996) mag, trifft hier auf die Fortentwicklung des Genres für die Gegenwart. Unbedingter Anspieltipp: "Sleepless".

Trotz der erstaunlichen Qualitätsdichte auf dem 'All Killer, No Filler' Level: Zwischendurch setzen sie immer noch einen drauf. Das als Mission Hommage durchgehende "Angelus Everlasting" (remember "Like a Child Again") trifft die britischen Kollegen auf Augenhöhe. Kein schnödes Epigonentum. Rhythmisch perfekt gestreute Geigentupfer machen den Kohl sogar richtig fett. Auf "Burning" lassen sie mit ihrer ganz eigenen Futurepopdeutung lässig die zuletzt enttäuschenden Apoptygma Berserker am synthetischen Straßenrand zurück. Tolle Leistung.

Mein ganz persönlicher Favorit ist dennoch das famose Titelstück. Als elektrowavig umgedeuteter Röck-Döts US-Rock inklusive "Whoawhoa-Chorus" sprengt der fesche Song Genregrenzen wie eine Handgranate. Das Ganze sehr inspiriert umgesetzt, ohne sich dem Gehörgang des Publikums schleimig anzudienen.

Mit so viel kreativer Energie haben sich die 'Schatten' ihren hart erkämpften Erfolg in Europa mehr als verdient. Daumen und Finger in black hoch für die erste gänzlich unpeinliche schwarze Szeneplatte seit langer Zeit.

Trackliste

  1. 1. And I Believe
  2. 2. Valkyrie
  3. 3. Halo
  4. 4. Burning
  5. 5. Sleepless
  6. 6. Quicksilver
  7. 7. Infinite Tear
  8. 8. Indivisible
  9. 9. Porcelain
  10. 10. Angelus Everlasting
  11. 11. Sentinel
  12. 12. Matchstick Girl
  13. 13. Dark Matter
  14. 14. Africanus

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