laut.de-Kritik

Melancholisches Treiben mit reduziertem Personal.

Review von

Sigur Rós: Die vier isländischen Post-Rock-Dreampop-Fetischisten um den Falsett-Barden Jónsi Birgisson kreieren seit 1994 Eigenständigkeit in Perfektion. "Kopfmusik für Naturfreunde" nennen es die einen, während andere von "Klanglandschaften jenseits des Firmaments" sprechen. Einig sind sich aber alle, wenn es um die Einzigartigkeit ihres Schaffens geht.

Wer schon einmal in den Genuss einer Live-Performance des nordischen Quartetts kam, nimmt seitdem Begriffe wie Epik und Opulenz nur noch mit Bedacht in den Mund. Um so mehr dürfte sich die hypnotisierte Gefolgschaft über "Inni" freuen, den ersten kompletten Live-Mitschnitt der Band.

Vor fast genau vier Jahren beglückten Sigur Rós ihre treue Anhängerschaft zum ersten Mal mit visuellen Einblicken ihrer Live-Arbeit. Doch während "Heima" seinerzeit als ein gestückeltes Potpourri einer kompletten Tour serviert wurde, wartet das Quartett auf "Inni" mit einem kompletten Konzert-Vergnügen auf. Hierbei handelt es sich aber nicht um ein wahllos herausgepicktes Happening, sondern um das Abschlusskonzert ihrer letzten Welttournee im Jahr 2008. Ort: das Alexandra Palace in London.

Bereits nach wenigen Minuten des Openers "Svefn - G - Englar" vernimmt man Ungewohntes, denn die Band stellt sich an jenem Abend nicht wie gewohnt mit dem Streicherquartett Amiina auf die Bühne, sondern präsentiert ihr melancholisches Treiben mit reduziertem Personal. Nur die Band selbst tritt in Erscheinung und präsentiert in der Folgezeit eine beeindruckende Zusammenstellung ihres kompletten bisherigen Schaffens.

Jedes der sechs zuvor erschienen Outputs der Isländer kommt zum Zuge. Die Band bedient sich an diesem Abend aber dennoch eines unterschwelligen Konzeptes, denn "Inni" fördert vor allem die düsteren und mystischen Momente der Isländer zutage. Zwar entstehen im Mittelteil bei "Inní Mér Syngur Vitleysingur" und "Hoppípolla" kurzzeitig Frühlingsgefühle, doch insgesamt hat eher die Phase zwischen Herbst und Winter das Heft in der Hand.

Das gibt dem Output letztlich eine besondere Note, bedenkt man, dass Sigur Rós sich auf "Heima" doch eher beschwingt und farbenfroh in Szene setzte. Nicht umsonst betitelt die Band "Inni" auf ihrer Homepage als "Anti-Heima".

Puristisch und klar geht der Vierer zu Werke, und dennoch wird ein ausuferndes Gesamtkunstwerk geschaffen, das der Intensität einer kompletten Sigur Rós-Produktion in nichts nachsteht. Es gibt kaum Pausen zwischen den Songs. Stattdessen reiht sich eine subtile Sphären-Welt an die nächste.

Spätestens wenn die letzten Klänge des abschließenden "Lúppulagid" sich ihren Weg in die Londoner Nacht bahnen, kocht in einem die Frustration hoch, an diesem Abend nicht Teil der Vorstellung gewesen zu sein. Aber zum Glück bieten die vier Herren zum Audio-Vergnügen auch noch einen 75-minütigen visuellen Eindruck des Geschehens in Form einer dazugehörigen DVD an. Der ergänzende, schwarzweiß gehaltene Live-Film komplettiert schlussendlich ein wahrhaft imposantes Spektakel, das Spuren hinterlässt.

Trackliste

  1. 1. Svefn - G - Englar
  2. 2. Glósóli
  3. 3. Ný batterí
  4. 4. Fljótavík
  5. 5. Vid spilum endalaust
  6. 6. Hoppípolla
  7. 7. Med blódnasir
  8. 8. Inní mér syngur vitleysingur
  9. 9. E - Bow
  10. 10. Sæglópur
  11. 11. Festival
  12. 12. Hafsól
  13. 13. All Alright
  14. 14. Popplagid
  15. 15. Lúppulagid

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