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LAUT.DE-PORTRÄT Scott Walker

Wir schreiben das Jahr 1965, ganz Engeland ist verrückt nach den Teenie-kompatiblen Rock'n'Roll-Eigengewächsen der Herren Beatles, Stones und Kinks.

9 Kommentare

  • Vor 8 Jahren

    Ihr dachtet bisher sicher genau wie ich: "Der Baudelaire, dieser harte Bursche, hat schon alles an krankem und abgefucktem Scheiss gehoert, Mann." Jo nein. Stellt euch schlicht vor, ihr fahrt mit droehnendem Schaedel nach 4 Tagen Emissions from the Monolith 8 von Ohio aus mit einem Mietwagen wieder heim und denkt euch nachts "Lunz' ich dem implementierten CD-Spieler hier mal was Entspannendes rein, das wird dick." und werdet schon am Anfang misstrauisch, weil das ersma nach Muscle Factory, Pierluigi Collina, Rasierwasser auf einem Miasma & The Carousel of Headless Horses-Shirt und "n00btard" rueckwaerts ausgesprochen klingt. Egal, mamma weider da, okey doke. 5. Track, immer noch @stockfinstere Nacht. Ich mach' ja sonst auch nicht einfach mal aus Spass eine Vollbremsung opm Highway, wenn mir ein scheiss Schreck eingejagt wird, weil ein 63-jaehriger Mann meint, auf seinem Album ohne Vorwarnung mehrere Male gegen eine Tuer haemmern zu muessen und alle anderen Geraeusche ausblendet, aber hier war das noetig, logen. Mein Herz ging BOOM, da habe ich das Licht gesehen. Ich fuhr dann irgendwo an einen Rand, wartete, dass das in meiner Brust aufhoerte zu klopfen, weil ich mir beinahe in die Hosen schissund weitergehoert. Gestoppt hat das nicht, da kam naemlich dann noch ein Gastauftritt Alan Dubins bzw. des Gremlins, der fuer dessen Synchronisation verantwortlich ist und PSST PSST PSST.

    Ach so, sonstige Referenzen: Elvis, Cash, Cave, Morrissey und Oper.

    Peeping Tom kann mich mal am Arsch lecken.

  • Vor 8 Jahren

    Aber Kukuruz doch sicher, oder?

  • Vor 8 Jahren

    @baudelaire (« Woher stammt denn dieser Textauszug? Auf "The Drift" wird dergleichen jedenfalls nicht gesungen. »):

    Aus der Rolling Stone-"Review" (Mai-Heft)-. Da ist auch der Scott Walker-Artikel drin. mmh. Ich muss mich in der Richtung irgendwie schlau machen. :confused:

  • Vor 8 Jahren

    Alben wie dieses sind mir regelmaessig ein Raetsel. Nach 2 Songs lag ich schon wieder halb im Delirium und sah mir selbst dabei zu, wie ich ein riesiges Faltbooklet aufklappe und eine Chili Peppers-CD rausziehe, was ich natuerlich nicht gemacht habe.*?* Und dann "I'm the only one left alive", alte Scheisse.%) Ich bin koerperlich immer nochvoellig ausgezehrt und zermuerbt, ich weiss nicht, was da geschieht.o_O

  • Vor 8 Jahren

    Ich hab die CD Donnerstag gekauft und auch schon ein paar mal durchgehört und zwei Dinge wundern mich doch ein wenig:

    a) Warum man dieses Album in einigen Medien für so völlig unhörbar und so ganz und gar abseits von allem Bekannten hinstellt. Es hat in den letzten 50 Jahren Populärkultur so viele ungewöhnliche Einspielungen jenseits des Massengeschmacks gegeben: Angefangen vom Free Jazz der frühen Sechziger Jahre über den Dada-Schepper-Blues von Captain Beefheart oder die Varese-Huldigungen von Frank Zappa, die Minimal Music von Steve Reich oder Tom Waits "Swordfishtrombone" bis hin zu Talk Talks "Spirit Of Eden" etc. pp. : Da sollte man diese immerhin tonale und auch sonst relativ strukturierte Platte doch mit einer gewissen Gelassenheit zur Kenntnis nehmen.

    b) Was an der grundsätzlichen Bildsprache von "Drift" so hermetisch und rätselhaft sein soll.

    Als Sound- und Gesangscollage gesehen hat das Werk auf jeden Fall eine beeindruckende Impressivität und atmosphärische Dichte. Nach zwei-, dreimal Hören war ich bereits leicht süchtig nach der morbiden Düsternis gewisser Passagen (namentlich in "Jolson and Jones").

    Was mir spontan am ehesten auffiel, war die "Künstlichkeit", ja "Leblosigkeit" des Gesangsstils. Der Ausdruck idividueller Befindlichkeit durch technische Mittel wie zum Beispiel Phrasierung ist doch ein wesentliches sitilistisches Merkmal von Popmusik. In dem Punkt unterscheidet sich Walker von Jazz-Leuten, aber auch von Beefheart/Zappa/Waits und steht für mich irgendwie der zeitgenössischen ("ernsten") Musik näher. Er "singt wie sein eigener Geist" heißt es einigermaßen treffend in der - ansonsten in der Tat wenig hilfreichen - Rezension von Wigger im Spiegel. Das einzig Vergleichbare, was mir im Bereich Pop dazu einfällt, sind die späten Platten von Nico: Wobei die in Punkto Morbidität und Düsternis meiner Meinung nach bislang noch nicht übertroffen worden sind. Ein so jenseitiges Stück wie "Janitor Of Lunacy" gibt's selbst auf "The Drift" nicht. Dafür habe ich bei Scott Walker aber auch nicht das ernüchternde Gefühl, lediglich einer perönlichen Trauma-Bewältigung mit chemischen Mitteln beizuwohnen.

    Bei "The Drift" empfinde ich die Entindividualisierung des Gesangsstils eher als Rückzug von Spontaneität zugunsten von Text und Ratio. Also ich meine, mir erschließt sich das Werk primär über die Lyrik, und auch dort über den "Inhalt", die "Bedeutung" und nicht so sehr über die "Ästhetik". Insofern ist das ganze Werk irgendwie ziemlich altmodisch, weil nur "modern" (und nicht "postmodern"). Unter diesem Aspekt und im Zusammenhang mit der Entiwicklung des Kinos und der Filmkunst gibt es übrigens bei Intro einen wirklich guten, interessanten Text zu "The Drift", der aber allerdings ein wenig vom Thema wegführt ...

    Also "The Drift" handelt meiner Meinung nach vom scheinbar gesetzmäßigen Ab-Kippen der großen Utopien des letzten Jahrhunderts in die "Apokalypse": Die russische Revolution als Utopie sozialer Gerechtigkeit ('Cossacks Are'), der jugoslawische Vielvölkerstaat als Utopie von Völkerverständigung ('Buzzers') und natürlich das zentrale Stück 'Jesse': Die Metaphorik von Elvis' Zwilling als vergessene Totgeburt im Zusammenhang mit den Ereignissen von 2001 ist doch eigenltich relativ klar: Elvis als Symbol von Amerikas Glanz und Gloria und sein toter Zwilling als verdrängte "dunkle Seite" dieser Illusion, die irgendwann mal doch "auffliegen" wird. Im wahrsten Sinne. Im Einzelnen kann man diese Deutungen sicherlich nicht an konkreten Textpassagen festmachen - es handelt sich schließlich auch nicht um "einfältige", linear deutbare Texte.

    Für mich ist "The Drift" jedenfalls schon jetzt ein ganz großes, wichtiges Stück Musik. Es hat mich in den letzten Tagen zu verschiedenen Gesdanken über unsere Zeit und unsere Welt angeregt. Und ich kann es in gewisser Hinsicht auch musikalisch genießen. Zumindest als Alternativprogramm zur Fussball-Berichterstattung.

    PS1: Der zitierte Text im "Rolling Stone" ist eine freie Sprach-Assoziationskette des Rezensenten (Willander)

    PS2: Es gibt eine eigene Album-Site mit einem sehr schönen Video zu "Jesse":
    www.the-drift.net