laut.de-Kritik

Neue Allgemeinplätze von der schwäbischen Problemwälz-Truppe.

Review von

Pur sind DIE wertkonservative Deutsch Rock-Band. Konservativ bedeutet hier: viel Akustikgitarre, Tastenspiel, Bass, Drums, kristallklare Produktion und diesmal recht schnörkellose Arrangements, auf die sich der Pur-Fan eben verlassen kann. Dazu gibts den ernsthaften Texter Hartmut Engler - wie er leibt und lebt.

Experimente waren nie das Feld seiner vor fast 35 Jahren gegründeten Problemwälz- bis Wohlfühl-Truppe aus dem beschaulichen Bietigheim-Bissingen. Engler verarbeitet persönliche Erfahrungen, will aber gleichzeitig auf der Höhe der Zeit sein.

Deshalb singt er über das, was die Menschen seiner Meinung nach bewegt: etwa über die unterbezahlte Krankenschwester (im Titeltrack "Wünsche"), Demenz ("Frau Schneider"), Depression ("Gesund"). Sogar Bezüge zum Amoklauf von Winnenden werden im Booklet hergestellt ("Stell Dich").

Seine Liebe zur Musik verarbeitet Engler in "Die Beste": Jeder Musikfan dürfte den Text nachempfinden können ("Ein Dutzend Töne sind die Welt"). Der Sänger pflegt dabei eine Sprache, die zwischen handfester, oberkorrekter Alltagstauglichkeit, Allgemeinplätzen und lyrischen Bildern pendelt.

Dazu gibts rockorientiertes Midtempo bis Uptempo, "Menschlichkeit" etwa schielt ein wenig auf A-ha. Die Texte bilden mit dem Soundgewand aber stets eine professionelle Einheit, etwa beim geradeaus melancholischen "Wiedersehen".

Ist Purs in den 80er Jahren verhaftetes Mainstream-Expertentum nun nervtötend altbacken oder einfach nur superschön einfühlsam? Das bleibt bei derlei Popmusik eine Frage der Perspektive. "Wir sind nicht taufrisch, aber echt", heißt es in "Herbst". Wenigstens daran gibt es kaum einen Zweifel.

Trackliste

  1. 1. Irgendwo
  2. 2. Wiedersehen
  3. 3. Wünsche
  4. 4. Raus Aus Dem Schoss
  5. 5. Frau Schneider
  6. 6. Gesund
  7. 7. Herbst
  8. 8. Die Beste
  9. 9. Geliebt
  10. 10. Stell Dich
  11. 11. Herzlich
  12. 12. Winter 59
  13. 13. Katharina
  14. 14. Menschlichkeit
  15. 15. Der Geschenkte Tag
  16. 16. Wünsche Reloaded

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LAUT.DE-PORTRÄT Pur

Wohl keine andere deutsche Band polarisiert so sehr wie Pur. Entweder man liebt sie abgöttisch, oder man kann mir ihrer Musik - freundlich ausgedrückt …

65 Kommentare

  • Vor 5 Jahren

    Pur ist schon sehr echt. Echt scheiße, würd ich sagen.

    Grauenhafte Erinnerungen an die eigene Kindheit werden wach. Muttern abends mit einem Glas Rotwein in eine warme Kuscheldecke eingewickelt auf der Couch, Pur aus den Boxen. Ein graues Haar. Prägend für den Musikgeschmack eines Menschen. :P

    Und wer seinen Verstand am Eingang zum Abenteuerland abgibt, hat sie ohnehin nicht mehr alle.

  • Vor 5 Jahren

    zu positzive review für die mageren 2 pkt.

  • Vor 5 Jahren

    @Freddi («

    Und wer seinen Verstand am Eingang zum Abenteuerland abgibt, hat sie ohnehin nicht mehr alle. »):

    Häh, wieso?? Derjenige macht's doch genau richtig! :lol:

    ..wo sind all die Indianer hin??

  • Vor 5 Jahren

    Ok, die Bildzeitung nehme ich zurück. Das war vielleicht nicht ganz passend.

    Aber was soll ich denn von deinem Link halten?

    Textausschnitt:
    Kein Krieg ist edel
    Kein Krieg lebt von Mut
    er ist unvorstellbar grausam
    und auch für sogenannte Sieger
    nur zum Verlieren gut

    Sorry, aber erstens ist das Unsinn.
    Ich glaube das die europäischen Juden dies anders gesehen haben werden in Bezug auf die letzten 2 Zeilen. Desweiteren, was will man mir sagen, wenn man mir erklärt das Krieg grausam ist.

    Entschuldige, aber das ist einfach absurd. Für mich ist das Betroffenheitslyrik der klebrigsten Sorte!

  • Vor 5 Jahren

    @matze73 (« Ok, die Bildzeitung nehme ich zurück. Das war vielleicht nicht ganz passend.

    Aber was soll ich denn von deinem Link halten?

    Textausschnitt:
    Kein Krieg ist edel
    Kein Krieg lebt von Mut
    er ist unvorstellbar grausam
    und auch für sogenannte Sieger
    nur zum Verlieren gut

    Sorry, aber erstens ist das Unsinn.
    Ich glaube das die europäischen Juden dies anders gesehen haben werden in Bezug auf die letzten 2 Zeilen. Desweiteren, was will man mir sagen, wenn man mir erklärt das Krieg grausam ist.

    Entschuldige, aber das ist einfach absurd. Für mich ist das Betroffenheitslyrik der klebrigsten Sorte! »):

    Okay, ich kann nachvollziehen, dass ein gewisser Pathos in den Texten nicht jedem schmeckt und natürlich sind bei den vielen Songs, die Pur inzwischen produziert haben, nicht immer die genialsten Sachen dabei rausgekommen.
    Aber in diesem Ausschnitt verdrehst du ein wenig die Zusammenhänge, weil hiermit natürlich die Sieger des Krieges gemeint sind, nicht Verfolgte eines Kriegsteilnehmers.
    Hier ist relativ offensichtlich, dass damit gemeint ist, dass es im Krieg auf beiden Seiten Opfer gibt und eben auch der vermeintliche Sieger nicht wirklich gewonnen hat.
    Die Sinnlosigkeit des Krieges an sich wird angeprangert, nicht, dass Europa von den Nazis befreit wurde (die holocaust-Thematik wird in "Leben" angesprochen).
    Klar, wenn du es so darstellst, ist es sicherlich eine überflüssige Aussage. Aber auf die Art und Weise kann man viele Songtexte auseinandernehmen.
    Ich denke auch, dass man nicht automatisch davon ausgehen kann, weil man selbst eine Antikriegshaltung hat oder weiß, wie scheiße Krieg ist, dass es jedem anderen Mensch auch so geht. Es gibt zudem genug Länder auf der Welt, die den Dienst an der Waffe als patriotischen Dienst für das Vaterland deklarieren..
    In dem eine Band Stellung zu einem Thema bezieht, gewinnen sie ja eigentlich auch an Profil. Mir persönlich ist es immer noch lieber zu sagen "Krieg ist scheiße" als mit seinen Texten gar nichts zu sagen.

  • Vor 5 Jahren

    Siehst du, mir eben nicht. Wenn ich nicht mehr zu sagen habe als "Krieg ist Scheiße" in diesem Kontext, dann ist es vielleicht auch mal besser die Fresse zu halten. Und auf andere Länder zu verweisen, bezüglich einer Band die deutsch singt ist schon arg optimistisch.
    Die Geschmäcker sind halt verschieden. Und jeder soll doch in seinem musikalischen Kosmos glücklich werden. Belassen wir es dabei.
    Ich kann damit eben absolut gar nichts anfangen.