laut.de-Kritik

Ein R-Gespräch für E.T.!

Review von

"Dein Urteil ist schon lange klar: Der neue Shit ist wack, es ist nichts mehr, wie es einmal war", dichtet der frisch zum Prinz Porno zurückmutierte Prinz Pi "Für Seine Feinde". "Ich kann rappen, wie ich will, bitch. Du wirst es haten, also chill', bitch." Dem Gegner per Vorwegnahme seiner Vorwürfe den Wind aus den Segeln nehmen: kein ganz origineller Schachzug, wenn auch immer noch ein wirkungsvoller. Kritik lässt sich daraufhin natürlich extrem einfach mit einem süffisanten "Siehste? Habs ja gewusst." vom Tisch lächeln.

Track Nummer zwei schlägt sicherheitshalber gleich noch einmal in dieselbe Kerbe. "Die Heads schreien: Bitte mach' nochmal die alten Hits, weil wir besser lachen können über den alten Witz." Klar, dass Pi sein altes Alter Ego nicht etwa reanimiert hat, weil gerade ganz andere Mittelfinger voran die Feuilletons stürmen. Auch nicht, weil er (was im Übrigen ein echt guter Grund gewesen wäre) nach den vorangegangenen hippen, intellektuellen Höhenflügen den Spaß an der gepflegten rüden Pöbelei wieder entdeckt hätte.

Nö. Prinz Pi, ganz Dienstleister, lässt seiner Anhängerschaft zukommen, wonach sie verlangt. Damit hätte er die Schuld für alles, das irgendjemand am "PP = MC²" auszusetzen haben könnte, gekonnt anderen in die Schuhe geschoben. Praktisch! Nicht auszuschließen, dass in Pi (oder Porno, mir doch egal) tatsächlich das Schlauerle steckt, für das er sich hält.

Seine Platte macht dieser Umstand nicht interessanter. Die wirkt in etwa so einfallsreich wie ihr Coverartwork. Prinz Porno teilt zwar in alle Richtungen aus, wirkt dabei aber dermaßen gelangweilt und unmotiviert, dass ich mich frage: Warum macht er das überhaupt? Er könnte doch einsam in seinem Olymp bleiben und sich das Näschen an der Decke blutig scharren.

Meinetwegen muss er ganz sicher nicht in die Niederungen zu uns gewöhnlichen Menschen herniedersteigen und sich mit der Mixtur aus mauer Konkurrenz, ahnungsloser Blogger- und Kritikerschaft, Tim Bendzko- und Mattafix-Hörern, Fitti-, Curse- und Antilopen-Fans und der ganzen anderen ihm geistig unterlegenen Mischpoke abgeben, die er - wie aus jeder zweiten angeödeten Zeile tönt - sämtlich für seiner unwürdig hält.

"Ich könnte Quellen angeben, doch euch sagen diese Namen nichts." "Dein Meisterwerk find' ich leider geht so." "Ich weiß, diese Zeilen hier sind ungewohnt einfach, aber es passt perfekt: Ihr seid alle wack." Arroganz ohne jedes Augenzwinkern, und das auf Albumlänge: sehr, sehr langweilig. Aber vermutlich begreife ich bloß den überlegenen Witz nicht. Wenn man lange genug erzählt bekommt, dass man blöd ist, glaubt man es ja irgendwann.

Entsprechend bekomme ich noch einmal vorgekaut: "Du willst haten, jetzt mal ehrlich: Dafür rappe ich zu fresh." Gut, dass es einer sagt. Wäre mir und meinem Spatzenhirn zwischen abgegriffenen Bildern des Kalibers "Wenn das Leben dir Zitronen gibt, spritz' sie in die Augen deiner Feinde" oder, noch besser, "Ich hänge ab wie 'n Paar dicker Titten" sonst glatt entgangen.

"Du machst Mucke für den Ballermann", unterstellt der Prinz. Zu welchem Zweck und in welches Ambiente dagegen "PP = MC²" passen soll: Ehrlich, ich weiß es nicht. Ein paar Verschwörungstheorien, etliche lasche Ohrfeigen, eine lummelige Sommer-in-der-Stadt-Chill-Nummer, mariniert in Selbstbeweihräucherung und Größenwahn - um das unterhaltsam zu finden, brauche ich vermutlich noch die eine oder andere "Lektion In Geduld".

"Du hast gewartet, dass ich anfang' zu rappen", heißt es da. Nach einer Minute Laufzeit, die ich bis zu diesem Punkt richtig genossen habe. Nö, eigentlich nicht. Ehrlich gesagt bescheren mir die Beats ohne Prinz Pornos drögen Auftritt deutlich mehr Vergnügen: Mit freundlichen Grüßen aus den 90ern kommen die Produktionen mal sonniger, mal düsterer, gelegentlich sogar mit mehr als nur einem Hauch Wu-Flavour daher: Der instrumentalen Seite von "PP = MC²" kann ich durchaus einiges abgewinnen.

Kollegah sonst eigentlich auch: Sein "Dschungelabenteuer" bestreitet Prinz Porno in dessen bosshafter Gesellschaft. Dachte ich, wenigstens zum Abschluss noch eine hörenswerte Geschichte aufgetischt zu bekommen, zerkrümelte auch diese Hoffnung im Lauf der überlangen Viertelstunde zu Feinstaub. Der Plot hätte - mit gutem Willen - vielleicht über zwei Minuten getragen.

"Ich mach' den Shit so lange, bis mich die UFOs holen." Ich muss kurz telefonieren. Ein R-Gespräch für E.T. Der kleine Friedrich möchte bitte endlich nach Hause.

Trackliste

  1. 1. Für Meine Feinde
  2. 2. Der Alte Witz
  3. 3. Die Löffel Parabel
  4. 4. Weisheitszene
  5. 5. Idiotensystem(Fehler)
  6. 6. Weg Mit Dem Curse(r)
  7. 7. Internat(ionale Verschwörung)
  8. 8. Simplizissmus (Nachts Im Bett)
  9. 9. Chillig
  10. 10. Abhängen (Geschichte Der Schwerkraft)
  11. 11. Spur Der Steine (Alternativer Strassenrap Ansatz 1)
  12. 12. Lektion In Geduld
  13. 13. Auf Augenhöhe
  14. 14. Massephase
  15. 15. Parfum (Eau De Porneau)
  16. 16. Dschungelabenteuer

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27 Kommentare mit 70 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    Dieser Kommentar wurde vor 2 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 2 Jahren

    Habs noch nicht ganz gehört, aber der track Dschungelabenteur alleine verdient 5 Punkte! Hier 2 Punkte und schwesta ewa 3 zu geben ist ja wohl wirklich schwach...

  • Vor 2 Jahren

    Diese Review ist selten lächerlich.

    Allein schon: "Kollegah sonst eigentlich auch: Sein "Dschungelabenteuer" bestreitet Prinz Porno in dessen bosshafter Gesellschaft. Dachte ich, wenigstens zum Abschluss noch eine hörenswerte Geschichte aufgetischt zu bekommen, zerkrümelte auch diese Hoffnung im Lauf der überlangen Viertelstunde zu Feinstaub. Der Plot hätte - mit gutem Willen - vielleicht über zwei Minuten getragen."

    Wenn es danach ginge, wären alle Kollegah Tracks 10 Sekunden lang, denn mehr Inhalt bietet der selbst auf Albumlänge nicht. Aber darum geht es auch nicht. Es geht nur darum da ein ordentliches Reimemassaker abzuliefern und dabei auch noch eine Geschichte zu erzählen. Ist doch super und mir viel lieber als ein xbeliebiger 3 Minuten Feature Punchlinetrack.