laut.de-Kritik

Soundtrack-Interpretationen Acapella. Großes Kino!

Review von

Schon als kleines Kind habe sie das Kino geliebt, erzählt Petra Haden. Vor allem wegen der Begleitmusik. So kommt es, dass sich die Sängerin und Geigerin nach vielen Jahren Studio- und Tourtätigkeit für Beck und Green Day, unter vielen anderen, nun einigen ihre Lieblings-Soundtrack-Stücke widmet.

Das Erstaunliche daran: Sie verwendet dazu fast ausschließlich ihre Stimme. Wie das geht, hat sie schon 2005 gezeigt, als sie "The Who Sell Out" rein vokal aufnahm. Erst nahm sie die verschiedenen Instrumenten-Parts auseinander, dann verwendete sie ein Achtspurgerät, um sie mit ihrer Stimme aufzunehmen. "Beautiful" urteilte Who-Mastermind Pete Townshend, der mit Komplimenten eher geizig umgeht.

Zwar dauert es ein paar Stücke, bis man reinkommt, aber spätestens bei Ennio Morricones "A Fistful Of Dollars" (deutsch: "Für Eine Handvoll Dollar") klappt einem die Kinnlade runter: Soll das wirklich nur Hadens Stimme sein? Das Ergebnis klingt fast noch weiträumiger als das Original mit Orchester.

Ein Eindruck, der die Erstechungsmelodie aus "Psycho" nur noch bekräftigt. Sie geht unter die Haut, selbst wenn man gerade nicht unter der Dusche steht. Auf "Goldfinger" singt Haden zum ersten Mal und klingt dabei wie Shirley Bassey. Und wie John Barrys Orchester, denn die Begleitung bestreitet sie natürlich auch.

Ob ein rasender Zug wie in "Carlotta's Gallop" (aus Fellinis "8 1/2"), interplanetarisches Surfen wie in "Superman" oder ein Ausflug in die Highschool in "My Bodyguard" (eine Komödie mit einem noch jungen Matt Dillon) – gerne lässt man sich von Hadens Stimmenharmonien in die entlegensten Gebiete entführen.

Als obligatorische Schnulze bietet sie das eher ironische "It Might Be You" aus einem der besten Filme mit Dustin Hoffmann, "Tootsie", begleitet vom Gitarristen Bill Frisell. Brad Mehlau spielt Klavier auf "Calling You" aus "Out Of Rosenheim" mit Marianne Sägebrecht (der in den USA den Titel "Bagdad Café" trägt). Ganz zum Schluss kommt auch Hadens Vater Charlie zum Einsatz, einer der bekanntesten Jazz-Bassisten, der sie mit Frisell auf Pat Methenys / David Bowies "This Is Not America" (aus "Der Falke und der Schneemann") unterstützt.

"This is fucking amazing", meinte Komponist Atticus Ross, der mit Trent Reznor den Soundtrack zum Facebook-Film "The Social Network" geschrieben hat. Das gilt nicht nur für sein "Hand Covers Bruise", sondern fürs gesamte Album.

Trackliste

  1. 1. Rebel Without A Cause
  2. 2. God's Lonely Man
  3. 3. Cool Hand Luke
  4. 4. Cinema Paradiso
  5. 5. A Fistful Of Dollars
  6. 6. Psycho
  7. 7. Goldfinger
  8. 8. Carlotta's Galop
  9. 9. It Might Be You
  10. 10. The Planet Krypton
  11. 11. Superman
  12. 12. My Bodyguard
  13. 13. Pascal's Waltz
  14. 14. Calling You
  15. 15. Hand Covers Bruise
  16. 16. This Is Not America

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