laut.de-Kritik

Japan-Bashing und US-Patriotismus zu übler Mucke.

Review von

Im Rahmen von Neil Youngs breit angelegter Archives-Werkschau kommen wir langsam in des Meisters zerfahrenen 80er-Irrgarten an. "A Treasure" nimmt sich dabei jedoch weder der teils sehr gelungenen elektronischen Experimente von "Trans" an, noch des vielfach unterschätzten Rumpelnoise von "Landing On Water".

Die angepriesene Schatzkiste ist ganz und gar reiner Nashville-Country von der 84/85er-Tour. Die Hälfte unveröffentlicht, der Rest vom haarsträubend betulichen "Old Ways"-Album.

Kein Grund für Jubel oder Verzückung. Youngs Anspannung durch Labelzoff (David Geffen hasste das letzte Album), die Behinderung seines zweiten Sohnes sowie die Geburt von Töchterchen "Amber Jean" raubte ihm offenbar zusehends Ruhe und Sorgfalt beim Komponieren.

Frust, Besorgnis und Manie sind dann auch die Zutaten für das schrägste und am wenigsten nachvollziehbare Intermezzo des Kanadiers in vierzig Jahren. Mit großartigen Genrehelden wie Cajun Fiddleer Rufus Thibodeaux oder Piano-Schlitzohr Piggy Robbins (der haargenau so aussieht, wie er heißt) bastelt sich Mr. Eigensinn eine zumindest handwerklich überragende Mannschaft zusammen.

Doch auch diese tolle Truppe kann das Ruder nicht herumreißen. Die Songs des dürren Nordamerikaners rangieren fast allesamt zwischen virtuoser Langeweile, Einfallslosigkeit und routiniertem Selbstzitat. Ein Gig des Grauens für Mensch und Tier.

Wer das bräsig rostige "Greendale" für einen schlimmen Tiefpunkt hielt, darf sich hier lyrisch wie musikalisch den finalen Allergieschock abholen. Youngs Sehnsucht nach privater und beruflicher Ruhe kulminiert im ganz falschen Kanal. Was als Ode an die Natur, das einfache Leben und natürlich die (eigene) Familie als Keimzelle allen Seins gedacht war, entpuppt sich als sedierende Anhäufung von Trivialitäten, die noch nicht mal vor einem Anbiedern an den rotnackigen US-Stammtisch zurückschreckt.

Schon der Opener "Amber Jeans" flockt sich fies wie Sirup durch die Adern. Das Neugeborene ist wohlauf - okay. Nette Skizze für das private Songbook. Langeweile für alle anderen. Doch es geht noch viel tiefer in den Keller of Songs. "It Might Have Been" oder "Nothing Is Perfect" geraten zu Stilleben des Spießbürgertums. Zumpa-Zumpa forever!

Sogar teutonische Schlagerzombies wie Truck Stop oder der Cash-Epigone im Weste(r)ntaschenformat fielen nicht mal negativ auf, würde man sie nahtlos auflegen. Der Mann aus Toronto verkommt als Storyteller und Transporteur großer Gefühle auf dieser Tour zum eigenen Abziehbild. Damit tat er vor allem auch jenem Genre keinen Gefallen, das wie kein anderes unter Volkstümelei, Muff und sprachlicher Zurückgebliebenheit der falschen Propheten zu leiden hat.

Spätestens beim dumpfen Negativzenith "Motor City" wäre Anarchokumpel Willie Nelson seinem Querdenkerkumpel ins Gesicht gesprungen. "My new car ain't from Japan. There 's already too many Toyotas in this town." Japan-Bashing und Kokettieren mit US-Patriotismus zu übler Mucke?

Kein Wunder, dass Ronald Reagans neokonservative Republikaner hernach intensiv um Young als Aushängeschild buhlten, und so den Ruf des Songwriters zeitweise ordentlich ankratzten. Doch dieser Weckruf hatte ihn erfrischt. Schon ein Jahr später war Mr. Soul wieder an Deck.

Gibts denn gar nichts Positives zu berichten? Immerhin ein Lichtblick: Das Album hat zumindest einen Crazy Horse-like Moment. Auf "Grey Riders" schnappt sich Neil die Bratgitarre und zimmert hemdsärmelig drauflos. Im Niemandsland zwischen "Powderfinger", "Hey Hey My My"-Zitat und einer Art vorweg genommenen "Rockin' In The Free World"-Riff kloppt er sich und uns in den Staub.

Für eine Referenz ist das gleichwohl zu mager. Young hat dieses zur Schatzinsel hochgejazzte Stückchen Musik zu Recht ein Vierteljahrhundert unter Verschluss gehalten. Er wusste schon, warum - und hätte es besser dabei belassen.

Trackliste

  1. 1. Amber Jean
  2. 2. Are You Ready For The Country?
  3. 3. It Might Have Been
  4. 4. Bound For Glory
  5. 5. Let Your Fingers Do The Walking
  6. 6. Flying On The Ground Is Wrong
  7. 7. Motor City
  8. 8. Soul Of A Woman
  9. 9. Get Back To The Country
  10. 10. Southern Pacific
  11. 11. Nothing Is Perfect
  12. 12. Grey Riders

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8 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    eieiei das klingt mal gar nicht so gut.
    schieb ich halt doch nochmal die harvest platte rein und verkneif mir das kaufen erstmal.

  • Vor 6 Jahren

    "My new car ain't from Japan. There 's already too many Toyotas in this town."

    Ja, in den Achtzigern begann der Niedergang der amerikanischen Atomobilindustrie.

  • Vor 6 Jahren

    also! Ja, ich schätze Neil Young seit vielen Jahrzehnten ... und ich bin kein "militanter" Fan. Ich schätze diese Künstler einfach nur für das, was er im Laufe seiner Karriere geleistet hat und ja, es gibt Alben, die sind sehr speziell. So auch " A treasure".
    Das aber hier, was sich der Rezensent hier allerdings geleistet hat, ist zu tiefst unter laut.de-Niveau und einfach nur peinlich. Die Chefs bei laut.de sollten sich einmal genaust überlegen, was hier passiert ...
    Ich persönlich finde insbesondere die Wortwahl unterirdisch. Was denkt der Typ eigentlich wer er ist? Unglaublich, mit welcher Arroganz der Typ hier zu Werke geht!
    Mir gefällt "A Treasure", basta ... und ich will jetzt keinen postingwurm erzeugen, wieso, warum etc .... nur eins noch ... um meiner Verärgerung Luft zu machen:

    @juiceshaker: ich denke, du solltest dir ein paar "neutrale" Infos zu diesem Album übers netz besorgen, hier mal reinhören und die dann ein eigenes Bild von "A Treasure" machen .... wohlmöglich gefällt dir das Album ;-)