laut.de-Kritik

Mr. Perfect baggert mit 90er-Synthie-Autoscooter-Sounds.

Review von

"Rot ist eine Farbe, die zu jedem Zeitpunkt Extreme repräsentiert, Anziehungskraft, Leidenschaft und Kraft", erklärt Ne-Yo im Booklet die Wahl seines Albumtitels. Schade bloß, dass "R.E.D." die Extreme so komplett vermissen lässt.

Ein Song rauscht so widerstandslos durch die Gehörgänge wie der nächste und hinterlässt in den allermeisten Fällen überhaupt keinen Eindruck. Die stärkste hervorgerufene Emotion: leise Verwunderung ob der dieser Tage nahezu omnipräsenten 90er-Synthie-Sounds.

Wo diese fehlen, gestaltet sich "R.E.D." ganz angenehm. "Find the beauty in your cracks", empfiehlt ein freundlicher "Mr. Perfect", von dessen angeblich vorhandenen Kratzern im Lack die Eröffnungsnummer nichts zeigt. "Enjoy the album." Bei den unaufgeregten, dezenten, zurückgenommenen Nummern, die die Stimme in den Fokus stellen, fällt solches leicht.

Wattige Drumbeats und Klavier, wie sie Shea Taylor etwa für "Lazy Love" aus dem Hut zieht, stehen Ne-Yo bestens. Er wirkt eigenständiger, scheint es endlich nicht mehr nötig zu haben, sich mit Stöhnern und Kieksern selbst zu einem Michael Jackson-Klon zu degradieren. In schlichten Arrangements ohne Firlefanz - in "Jealous" oder "She Is" - kommt der Gesang gut zur Geltung, auch wenn diese Nummern wirklich keine musikalische Revolution lostreten.

Spannender, weil noch nicht tausendfach ausgenudelt, wirken da schon die kaugummiartig ständig erst in die eine, dann wieder in die andere Richtung wabernden Kulissen, in denen Ne-Yo - Produzent Harmony Simmons sei Dank - Chef-Kiffer Wiz Khalifa empfängt. "Don't Make Em Like You" bleibt aber leider der einzige Höhenflug in wenigstens halbwegs originelle Sphären.

Insbesondere im Hause StarGate scheint man der grassierenden 90er-Seuche anheim gefallen zu sein: Wirken die seltsamen Keucher, die die Anmache von "Miss Right" zweifellos erschweren dürften, lediglich ein wenig deplatziert, fällt der penetrante seelenlose Autoscooter-Sound, der unter anderem "Let Me Love You (Until You Learn To Love Yourself)", "Be The One" oder "Forever Now" dahin rafft, endgültig in die Kategorie "ärgerlich". Wenn ich Kirmestechno hören möchte, wende ich mich doch lieber gleich an jemanden, der etwas von der Sache versteht!

Das abschließende "Unconditional" fällt derart langweilig aus, dass man sich in eine öde Schlager-Schnulze verirrt zu haben glaubt. Zum Glück verhallt auch dieser Ausrutscher zusammen mit den Momenten, in denen Plastik-Refrains und Ballermann-Bummsbeats den Gesang ersticken, umgehend, ohne nachhaltige Wirkung zu zeigen.

"Der Stoff, aus dem Träume gemacht sind", schließt Ne-Yo seine Erklärung, den Albumtitel betreffend, ab. Stimmt: Den Großteil des nächtlichen Kopfkinos hat man beim Aufwachen auch längst vergessen.

Trackliste

  1. 1. Cracks In Mr. Perfect
  2. 2. Lazy Love
  3. 3. Let Me Love You (Until You Learn To Love Yourself)
  4. 4. Miss Right
  5. 5. Jealous
  6. 6. Don't Make Em Like You
  7. 7. Be The One
  8. 8. Stress Reliever
  9. 9. She Is
  10. 10. Carry On (Her Letter To Him)
  11. 11. Forever Now
  12. 12. Shut Me Down
  13. 13. Unconditional

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