laut.de-Kritik

Berlin, Zürich und Wien zollen dem King of Rap Tribut!

Review von

Seltsame Welt. Während andere alle Nase lang Live-Alben auf den Markt rotzen, hat Kool Savas darauf bisher komplett verzichtet. Vermutlich war das richtig. Der Versuch, legendäre Bühnenpräsenz in die Konserve quetschen zu wollen, scheint ohnehin zum Scheitern verurteilt.

Im Fall "Aura" ticken die Uhren aber anders. Der Rückblick auf eine lange im Vorfeld ausverkaufte Tour lässt beinahe keine andere Wahl, als das Geschehen für die Nachwelt zu dokumentieren. Zudem birgt eine Live-CD die Möglichkeit, all denen das Maul zu stopfen, die die Studio-Ausgabe als "viel zu kurz" bekrittelten.

So spannt die Tracklist von "Aura Live" einen weiteren Bogen, ohne in eine Best-Of-Veranstaltung abzugleiten. Zusätzlich zu seinem "Aura"-Material unternimmt Kool Savas den einen oder anderen Abstecher in entfesselte "John Bello"-Zeiten, erläutert den "Rhythmus Meines Lebens" und bleibt - wieder einmal - auf dem "Rapfilm" hängen.

Egal, ob in Oberhausen oder Wien mitgeschnitten: Seine Gefolgschaft zollt Kool Savas "Tribut". In München feiert man den King so frenetisch wie in Filderstadt, das Publikum dort erweist sich wiederum als mindestens so textsicher wie das in Zürich.

Savas würzt seine Darbietung mit launigen Kommentaren ("Das war in Hannover aber lauter!"), übertreibt es mit der Ansagerei aber auch nicht. Da zudem die Soundqualität der Aufnahmen stimmt, entwickelt der CD-Teil von "Aura Live" - wie die Live-Shows - exzellente Eigendynamik. Die persönlichen Nummern "Die Stimme", "Aura" und "Nichts Bleibt Mehr" stehen am Ende und setzen dem Programm einen würdigen Schlusspunkt.

Den Nachschlag mit den beiden Remixen von "Echo" und "LMS 2012" hätte ich gar nicht mehr gebraucht. Keinesfalls hätte ich aber auf die DVD-Zugabe verzichten wollen. Der Mitschnitt der Show in der Berliner Columbiahalle verliert zwar, was den Sound betrifft, den direkten Vergleich gegen die CD, pumpt aber immer noch ordentlich.

Eine Aufnahme ersetzt freilich nicht den Besuch eines Live-Auftritts. Denen, die dort gewesen sind, beschert "Aura Live" jedoch angenehme Flashbacks. Alle anderen bekommen zumindest eine Ahnung von der grandiosen Show vermittelt, die sie verpasst haben.

Die Aufgabe des Beleuchters erschöpft sich schon lange nicht mehr im Ein- und Ausschalten einiger Scheinwerfer. Savas, Backup-MC Moe Mitchell und DJ Sir Jai operieren in einer mächtigen Kulisse mit Videowand, Visuals, Lichteffekten, Flammenwerfern und Glitterkanonen. Kollege KAAS schaut virtuell, per Einspieler, auf einen kleinen "Brainwash" rein.

Die theatralische, martialische Atmosphäre der Beats findet absolut passende Entsprechung in der opulenten Optik, dennoch steht bei allem ansprechenden Firlefanz doch immer genau das im Mittelpunkt, worum es im Rap eigentlich einmal ging: ein Mann, ein Mic.

Besagter Mann stirbt beinahe, verpasst sich mindestens aber einen Bluterguss auf dem Brustbein, wenn er sich für "Aura" in Highlander-Pose wirft, nur um unmittelbar darauf zusammen mit Gast-"Technopilot" Olli Banjo den finalen Abriss auszurufen: "Los, komm in das Oktagon!"

Kool Savas zelebriert sich, seine Beats, seine Rhymes, seine Texte, seinen Flow, seine Stimme, aber auch seine Fans mit so viel ehrlicher Hingabe - um sich davon nicht mitreißen zu lassen, müsste man blind und taub sein, und obendrein immun gegen den Charme, der in einer letzten kleinen Verbeugung und einem schlichten "Dankeschön" steckt.

"Hinter Den Kulissen" darf man sich schließlich auch noch ein wenig umsehen. Der Film gestattet Einblicke in den Tourbus, auf tonnenweise Merch, ein Catering, das den Geboten gleich mehrerer Weltreligionen gehorchen muss, den tapferen Lichtmann und andere mehr oder weniger hilfreiche Gesellen. Sieht nach verdammt viel Arbeit aus - und nach jeder Menge Spaß.

Trackliste

CD

  1. 1. Interlude
  2. 2. Intro / Der Letzte Seiner Gattung
  3. 3. Und Dann Kam Essah
  4. 4. Optimale Nutzung Unserer Ressourcen
  5. 5. Stampf
  6. 6. King Of Rap / Ein Wunder
  7. 7. Rapfilm
  8. 8. Futurama
  9. 9. Tribut
  10. 10. Black
  11. 11. Rhythmus Meines Lebens
  12. 12. Nie Mehr Gehn
  13. 13. Die Stimme
  14. 14. Aura
  15. 15. Nichts Bleibt Mehr feat. Scala & Kolacny Broters
  16. 16. Echo (Remix) feat. Olli Banjo
  17. 17. LMS 2012 (Remix) feat. Xavier Naidoo

DVD

  1. 1. Aura-Vorfilm
  2. 2. Live-Konzert
  3. 3. Hinter Den Kulissen

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51 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    Marsimoto geht live unmenschlich ab, nichts gegen Savas, aber wenn Marsi ne Live-CD raushauen würde, DANN hui hui hui...kann Savas einpacken.

  • Vor 2 Jahren

    "immun gegen den Charme" Savas? Charme? Das war einmal vor langer, langer Zeit! Inzwischen ist aus ihm ein verbissener , missgünstiger, alter Mann geworden. Klar, dass er diesen nicht unbedingt bei Live Auftritten raus hängen lässt, aber er hat in den letzten 2 Jahren viel an Sympathie verloren (bei mir zumindestens)

  • Vor 2 Jahren

    @Toriyamafan (« Marsimoto geht live unmenschlich ab, nichts gegen Savas, aber wenn Marsi ne Live-CD raushauen würde, DANN hui hui hui...kann Savas einpacken. »):

    Marsimoto ist live echt 'ne Wucht, War letzt auf 'nem Konzert und das ging einfach mal 2 1/2 Stunden und die Leute waren bis zur letzten Minute motiviert.

    Aura Live hab ich mir jetzt noch nicht anhören können.Ist nachher aber hoffentlich im Briefkasten.

  • Vor 2 Jahren

    Ähmm. Merkst du eigentlich selber, dass du mir zwar erst widersprichst, dann aber meine Ausführungen wiederholst? Um mein Detailwissen anzuzweifeln, müsstest du dir erstmal ein ähnlich großes oder ein noch größeres aneignen, um es überhaupt beurteilen zu können. Alles vorher ist Fanboygetue hoch 3, weil du es nicht einsehen magst, dass dein "Übersympath" auch schon ganz andere Seiten gezeigt hat

  • Vor 2 Jahren

    Sind denn für dich Informationen und Einschätzungen von jemandem, der seine Karriere praktisch von Anfang bis Ende mitverfolgt hat, "halbgare Infos"? Natürlich kann man sich einreden, dass es immer die anderen waren, aber die extrem lange Zeitspanne, in der sich alle Fälle abgespielt haben, und die Anzahl enttäuschter Ex-Homies sprechen eher dagegen.

    Aber da du nach wie vor nicht mal weißt, wovon du überhaupt die ganze Zeit redest, eine einfache Frage: Was willst du noch von mir?

  • Vor 2 Jahren

    Habe jetzt nicht wirklich was zu sagen, aber ich wollte es einmal auskosten :whiz: