laut.de-Kritik

Die US-Folksängerin wagt sich an die Legende.

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Es ist nur scheinbar eine dankbare Aufgabe, Songs des Barden aus Duluth, Minnesota zu interpretieren. Sicherlich ist es nicht schwierig, als professioneller Sänger respektive Sängerin besser zu klingen als das Original. Das Problem liegt eher darin, auch nur annähernd so relevant zu sein. Gelungen ist das nur ganz wenigen, etwa Joan Baez.

Joan Osborne kann man zumindest zwei Sachen nicht vorwerfen. In ihrem größten bzw. einzigen Hit "One Of Us" suchte sie sich 1995 Gott als Thema aus, also nicht gerade ein Easy-Listening-Thema. Zudem kam ihr die Idee, Dylan zu interpretieren, als er sich gerade einen gemütlichen Lebensabend zu machen schien, indem er selbst anfing, bereits geschriebene Stücke zu interpretieren. Eine in die Jahre gekommene Legende. Dass er seit Oktober 2016 als Nobelpreisträger wieder in aller Munde ist, dürfte Osborne allerdings nicht stören, schließlich profitiert sie davon indirekt.

Der markante Nasenring aus den 1990ern ist weg, auch ihre Stimme klingt etwas rauer, was ganz gut passt. Die ersten hier vertretenen Dylan-Songs interpretierte sie im März 2016 für eine Konzertreihe im New Yorker Café Carlyle. Mit dabei waren Jack Petruzzelli, der unter anderem mit Patti Smith auf Tour war, und Keyboarder Keith Cotton. Beide waren schon auf "Bring It On Home" (2012) mit von der Partie, auf dem Osbourne Standards interpretierte. Die Auftritte waren so erfolgreich, dass sie sie ein Jahr später wiederholten, bevor sie ins Studio gingen. Dort kamen Bass, Schlagzeug und weitere Instrumente hinzu.

Ein im Kern eingespieltes Team also, was den Interpretationen anzuhören ist. Mit dem Klassiker "Tangled Up In Blue" (1975) beginnen sie auf der sicheren Seite, das Original klingt ja schon recht locker und fröhlich. Den guten Eindruck vermasseln die Protagonisten aber gleich mit ihrer Version von "Rainy Day Women #12 & #35", die zu stark an Allanah Myles' "Black Velvet" (noch so ein One-Hit-Wonder) erinnert.

"Buckets Of Rain" (ebenfalls 1975) gelingt als Klavier-Ballader, die schräge, wieder myles'sche Version von "Highway 61 Revisited" eher weniger. Mit derlei Aufs und Abs geht das Album weiter. "Quinn The Eskimo (The Mighty Quinn)" gehört zu Dylans schwächeren, wenn auch erfolgreichsten Songs (in der Interpretation Manfred Manns), besser klingen dagegen das eher obskure "Dark Eyes" (1985) und das bluesige "High Water (For Charley Patton)" (2001).

Das eingängigste Lied der Platte bleibt die Ballade "You're Gonna Make Me Lonesome When You Go" (1975, und somit der dritte Auszug aus "Blood On The Tracks"). Doch klingt Osborne dabei nicht so gut wie Miley Cyrus (ausgerechnet!), die es 2012 für das Benefizalbum "Chimes Of Freedom" aufnahm.

Mit "Masters Of War" traut sich Osborne schließlich an einen der großen Protestsongs der 1960er ("You that never done nothin' / But build to destroy / You play with my world / Like it's your little toy") und bringt ihn mit Wut in der Stimme passend rüber. Der Song, der ihr wohl am meisten bedeutet, ist aber das abschließende "Ring Them Bells" (1989), das sie nach 9/11 auf Benefizveranstaltungen für Familienangehörige der New Yorker Feuerwehr spielte.

"Wir leben nun in einer ähnlichen Zeit, es gibt viel Unsicherheit und Angst über das, was gerade in der Welt geschieht ", erklärt Osborne, die die Aufnahmen durch die Fundraising-Plattform Pledgemusic finanzierte. Ein Herzensprojekt also. Leider gelingt es ihr nicht wirklich, an die Originale heran zu kommen.

Trackliste

  1. 1. Tangled Up In Blue
  2. 2. Rainy Day Women #12 & 35
  3. 3. Buckets Of Rain
  4. 4. Highway 61 Revisited
  5. 5. Quinn The Eskimo (The Mighty Quinn)
  6. 6. Tryin' To Get To Heaven
  7. 7. Spanish Harlem Incident
  8. 8. Dark Eyes
  9. 9. High Water (For Charley Patton)
  10. 10. You're Gonna Make Me Lonesome When You Go
  11. 11. Masters Of War
  12. 12. You Ain't Goin' Nowhere
  13. 13. Ring Them Bells

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