laut.de-Kritik

Eine kleine Nadel in einem Raum voller Luftballons.

Review von

Mit der Veröffentlichung des Überhits "You're Beautiful" aus dem Jahr 2004 wurde James Blunt seiner künstlerischen Freiheit beraubt: Seither hält ihn die Öffentlichkeit in der mit viel Plüsch ausgelegten 'Schmalzbarden'-Schublade gefangen.

Das passt dem Briten natürlich gar nicht, und so verweist er immer wieder auf seine harte Vergangenheit im Dienste der britischen Armee. Wie könne man jemanden als weich bezeichnen, der auf der Suche nach dem 'Feind' jahrelang durch zerbombte Dörfer marschierte?

Der verzweifelte Versuch mit derlei Heldentaten von überzuckerten Falsett-Dreiminütern abzulenken, musste gleichwohl kläglich scheitern, denn weder sein Durchbruchsalbum "Back To Bedlam" noch die beiden Nachfolger "All The Lost Souls" und "Some Kind Of Trouble" präsentierten auch nur ansatzweise das Gegenteil. Stattdessen: Liebliche Akkorde und ein Organ, dass nur schwerlich mit dem eines Militärhauptmanns in Verbindung zu bringen ist.

Auf dem neuen Album bietet der ehemalige Strammsteher kaum Anderes. Zwar schickt Blunt schon nach zweieinhalb Minuten aufmuckende Stromgitarren ins Rennen, doch von einer musikalischen Kampfansage kann keine Rede sein. Der einminütige Fingerzweig in Richtung Rock erweist sich lediglich als eine kleine Nadel in einem Raum voller Luftballons. Diese tanzen viel lieber in einer wohlklimatisierten Prunkarena, als in einem stickigen 300er-Club.

Und so bleiben in der Folge die gewohnten Kleenex-Verschwender, etwa die Whitney Houston-Ode "Miss America", das träge Pianostück "Sun On Sunday" oder der nicht minder einschläfernde Rausschmeißer "Blue On Blue", bei dem auch ein urplötzlich eingeworfenes Breitwandelement nichts mehr retten kann.

Die Fahrstuhlabteilung kommt ebenfalls nicht zu kurz. Dieses Jahr im Angebot: "Satellites", "Heart To Heart", "The Only One" und "Always Hate Me" – eine handvoll Songs, mit denen sich James Blunt aufgrund rhythmischen Geschunkels, ermüdender Handclaps, übersteuerter Streicherflächen und grenzwertiger Bee Gees-Anleihen abermals selbst in Ketten legt.

Da helfen am Ende auch Erinnerungen an Bob Dylan ("Bonfire Heart") oder Ukulele-Spielereien ("Postcards") wenig: Der unerwünschte Schatten des Schmalzbarde klebt weiterhin wie ein schmieriger rosa Hundehaufen am Hacken des Sängers aus dem Südwesten Englands.

Trackliste

  1. 1. Face The Sun
  2. 2. Satellites
  3. 3. Bonfire Heart
  4. 4. Heart To Heart
  5. 5. Miss America
  6. 6. The Only One
  7. 7. Sun On Sunday
  8. 8. Bones
  9. 9. Always Hate Me
  10. 10. Postcards
  11. 11. Blue On Blue

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14 Kommentare mit 43 Antworten

  • Vor 4 Jahren

    ich würds ja mal mit ein paar Growls versuchen. ^^
    echt ... den harten Macker machen ist ja nicht so schwer. Tempo und Lautstärke hoch, Gitarre ein wenig runterstimmen und schon ist der Mist geführt.
    Verkauft sich höchstens schlechter.

  • Vor 4 Jahren

    Ich finde, James Blunt ist ein verschrobener Weirdo. Das kommt neben einigen Musikvideos auch immer mal wieder in vereinzelten Textpassagen und Tracks zum Vorschein, die nicht als Single ausgekoppelt wurden. Ist wohl eine meiner größten musikalischen Kellerleichen, aber ich mag den einfach.

  • Vor 4 Jahren

    Ich denke nicht, dass Blunt versucht sein "Schmalzbarden-Image" (schönes Wort, danke!) loszuwerden; dafür geht er das nicht ernsthaft genug an. Er will nur nicht, dass der Bubi das einzige ist, was die Leute in ihm sehen, deshalb die Verweise auf seine Vergangenheit.

    "Verschrobener Weirdo" find' ich aber auch gut, da muss' ich nochmal drüber nachdenken ... :D