laut.de-Kritik

Pop Noir-Delikatesse aus einer fernen Galaxie.

Review von

"Aftermath" gilt als das Album, auf dem sie zum ersten Mal Experimente wagten und neue Instrumente in den Sound integrierten, ohne dabei ihren ureigenen Stil zu unterwandern. Selbstredend änderte diese sanfte Neuorientierung nichts am längst eingetretenen Erfolg.

Eine lustige Analogie, denn hier soll es natürlich nicht um die Rolling Stones gehen, sondern um das gleichnamige zweite Hundreds-Album. Auch Philipp und Eva Milner können sich auf den für Newcomer beachtlichen Erfolg ihres Debütalbums einiges einbilden, auch sie modifizierten ihr Klangbild auf "Aftermath" mit neuen Soundelementen. Der Titel ist dabei jedoch keine Hommage an Jagger und Co., sondern an einen Kashmir-Song.

Es dürfte kein Zufall sein, dass die neblig-helle Cover-Ästhetik des Debüts nun einer finsteren Wald-und-Wiesen-Impression samt Sternenhimmel gewichen ist (Rückseite und CD-Inlay sind rabenschwarz). Musikalische Düsternis ist auch das Motto der zwölf neuen Stücke, die jedoch nie in bedrückender Schwere versinken, sondern vielmehr immer wieder funkelnde Pop-Momente evozieren - und damit die Stärke des Debüts fortschreiben.

Doch im direkten Vergleich erscheinen die auch schon sehr melancholischen Stücke von 2010 beinahe chartstauglich. Einen Song wie "Happy Virus" sucht man auf "Aftermath" vergeblich. Auf die Idee, danach zu suchen, dürfte jedoch kaum jemand kommen, zu intensiv ziehen einen die wie von Traumwandlern des Schlages Thom Yorke gezeichneten Emotionsskizzen des Hamburger Duos in den Bann.

"In this golden light I will wait for you", sind die von Eva Milner mantragleich wiederholten Worte, die vom anfangs minimalen, nach und nach zu barock-bombastischer Größe anschwillenden Titeltracks in Erinnerung bleiben. Großartig. Bereits hier überraschen Hundreds mit orchestraler Wucht und songdienlicher Laut-/Leise-Dynamik.

Das folgende "Circus" mit seinem die Single-Wahl rechtfertigenden, luftig-fröhlichen Refrain ("Let me go / go go / I wanna dance to my bones, bones") kontrastiert dies ein wenig und weist auf alles Kommende hin: Oft klingen Hundreds wie Jon Hopkins ohne House-Beats, dafür mit anderthalb Beinen in knisterndem Synth-Postrock, bis zum Anschlag voller Atmosphäre und mit kaleidoskopartigen Stimmungswechseln, die von Eva Milners ruhigem Organ zusammen gehalten werden.

Upbeat-Freunde der Band sollten sich zunächst an "Our Past" und dem hinreißenden Tech-Dream-Pop "Rabbits On The Roof" orientieren, bevor sie nach mehreren Durchläufen sicher auch die Schönheit von stillen Songwriting-Sternstunden wie "Ten Headed Beast" oder dem mit schrägen Krautrock-Sounds ausgestatteten "Interplanetary" entdecken.

Der warme, organische Grundsound kommt den neuen Kompositionen dabei ebenso entgegen wie Milners klares, eher tiefes Organ, das nun aber auch nach oben keine Grenzen zu kennen scheint. Zwar verzichtet die Sängerin auf kapriolenhafte Anwandlungen wie etwa die von ihr geschätzte Schwedin Jenny Wilson, sitzt aber scheinbar an der gleichen, unerschöpflichen Melodienquelle.

Stratosphärischer Monstertrack des Albums ist "Beehive" mit seinen stoisch-repetitiven Percussions, den immer wiederkehrenden Piano-Einwürfen und einer entfesselten, zwischen den Welten balancierenden Eva, deren Stimme am Ende wie aus einer fernen Galaxie zu uns herüberweht: "Let me know if you found a better place": Ja, ich bin schon dort und will nie mehr zurück! Danke, Eva.

Unterm Strich mögen Hundreds immer noch dem Synthie-Pop-Genre zugehörig sein. Nach einer Pop Noir-Delikatesse der Sorte "Aftermath" strecken sich die unzähligen Depeche Mode-Klone jedenfalls seit Jahren vergeblich. "Aftermath" ist das "Neon Golden" der noch jungen Hundreds-Karriere, tiefgründig und ausgefuchst zugleich. Die zweite wichtige Platte namens "Aftermath" nach der anderen von 1966. Es dürfte dennoch reiner Zufall sein, dass der sakrale Abschlusssong den Titel "Stones" trägt.

Trackliste

  1. 1. Aftermath
  2. 2. Circus
  3. 3. Ten Headed Beast
  4. 4. Separate The Sea
  5. 5. Our Past
  6. 6. Foam Born
  7. 7. Interplanetary
  8. 8. Rabbits On The Roof
  9. 9. Down My Spine
  10. 10. Beehive
  11. 11. Please Rewind
  12. 12. Stones

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