laut.de-Kritik

Der Bochumer verarbeitet mit Hilfe der Musik seine Trauer.

Review von

Für seine Alben (u.a. "Bochum") erhielt Herbert Grönemeyer bis heute in Deutschland, Österreich und der Schweiz 23 Platin-Auszeichnungen. Viele seiner Hits wie "Männer" oder "Alkohol" erreichten Kultstatus, obwohl auf Deutsch gesungen oder gerade deswegen? Eine beeindruckende Karriere. Doch Herbert Grönemeyer ist vom Schicksal nicht verschont geblieben.

Der Tod seines Bruders und seiner Frau Anna innerhalb eines Jahres belastet ihn schwer. Grönemeyer versucht, in seiner Wahlheimat London Abstand zu gewinnen. Vier Jahre nach seinem letzten Album "Bleibt Alles Anders" erscheint jetzt die neue Scheibe "Mensch", deren gleichnamige Singleauskopplung bereits die deutschen Charts gestürmt und Gold eingeheimst hat. Das Album besticht durch Abwechslungsreichtum: Grönemeyer präsentiert neben harten Gitarren-Songs auch sanfte Balladen.

In dem Song "Mensch" beschreibt der gebürtige Göttinger, wie stark er seine Frau vermisst. Im rockigen "Neuland" versucht er, die Deutschen darauf aufmerksam zu machen, was für ein schönes Land sie haben. Speziell die Probleme der Wiedervereinigung liegen Grönemeyer am Herzen und "Neuland" soll dazu bewegen, "Zweiland" auch mental in "Einland" zu verwandeln. Die Ballade "Der Weg" skizziert die Zeit des Ehepaares Grönemeyer, "Unbewohnt" erzählt, wie einsam sich Grönemeyer nach dem Tod seiner Frau fühlt. Das sehr nachdenkliche "Blick Zurück" hat der Altrocker für seinen Vater geschrieben. "Lache, Wenn Es Nichts Zum Weinen Gibt" ist mit seiner Rhythmik und der Bläserbegleitung der heiterste Song der CD. Dagegen geht die Ballade "Demo (Letzter Tag)" ebenso wie "Der Weg" unter die Haut. Der Track - mit Klavier und Streicher untermalt - besitzt einen ganz eigenen Charakter.

Grönemeyers Texte sind gefühlvoll, obwohl man sie teilweise erahnen muss, seine leicht näselnde und nuschelnde Stimme hat Gröni nämlich behalten. Immerhin finden sich auf der beiliegenden CD-Rom und im Booklet noch mal alle Texte schwarz auf weiß. Wer sich übrigens wundert, dass "Demo" über 20 Minuten geht: am Ende ist noch ein in englisch gesungener Hidden Track versteckt, der weder im Booklet noch auf der beiliegenden CD-Rom erwähnt wird. Die Sache ist jedoch wenig mysteriös, der Track stammt von Herberts Sohn, wie er auf einer Pressekonferenz berichtete. Ein neues Talent am Grönemeyer Himmel? Naja, überzeugt euch selbst.

Insgesamt feiert Grönemeyer also ein gelungenes Comeback. Wer aber kurz vor dem Selbstmord steht oder auch in nur leicht depressiver Stimmung ist, dem würde ich "Mensch" nicht unbedingt empfehlen. "Tod ist eine Farbe, die zu mir gehört und die man auch auf meinen nächsten Alben finden wird", berichtete Herbie vor den Aufnahmen. Der Mann verarbeitet mit Hilfe der Musik seine Trauer, und das ist spürbar, aber auch das Besondere an "Mensch".

Trackliste

  1. 1. Mensch
  2. 2. Neuland
  3. 3. Der Weg
  4. 4. Viertel Vor
  5. 5. Lache, Wenn Es Nichts Zum Weinen Gibt
  6. 6. Unbewohnt
  7. 7. Dort Und Hier
  8. 8. Blick Zurück
  9. 9. Kein Pokal
  10. 10. Zum Meer
  11. 11. Bonustrack: Demo (letzter Tag)

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2 Kommentare

  • Vor 5 Jahren

    Ich bin überglücklich das ich den wohl größten Sänger aller Zeiten beim Konzert auf Schalke im Jahr 2005 bewundert durfte.
    Seine Lieder sind so herzergreifend, romantisch, gefühlvoll und sozialkritisch wie kaum ein anderer Sänger. Die Lieder mit der Herbert Grönemeyer den tragischen Tod seines geliebten Bruders und seiner Ehefrau Anna überwunden hat sind einfach fantastisch.

    Herbert ist wohl ein Ausnahmesänger der seines gleichen sucht....

  • Vor 4 Jahren

    boah was für eine grottige, statische, unbeholfen geschrieben kritik.
    da fragt man sich schon, von welcher straße laut damals seine reviewer aufgelesen hat.
    ganz fürcherlich. kann sogar ich besser.