laut.de-Kritik

Umfangreiche Werkschau mit brandneuen Tracks.

Review von

Um Italiens Rock-Röhre Gianna Nannini ist es hierzulande etwas ruhiger geworden. Doch nicht in ihrer Heimat: Das 2006 erschienene Studio-Album "Grazie" avancierte dort zur meistverkauften Platte des Jahres mit gleich fünffacher Platin-Auszeichnung.

"Gianna Best", erstmals zur Weihnachtszeit 2007 in Italien veröffentlicht, versammelt nun die größten Hits und ausgewählte Alben-Tracks aus über dreißig Karriere-Jahrzehnten, ergänzt durch drei extra für diese Werkschau komponierte und eingespielte Titel.

Mit den üblichen Südseicht-Schlagern der Marke Al Bano und Romina Power oder Pupo hat Gianna von jeher nichts am Hut. Bei ihr standen von Beginn an Rock und Klartext auf dem Programm. Ein sensibles, weibliches Raubein, für das politisches Engagement kein Fremdwort bedeutet.

Mit "Suicidio D'Amore" eröffnet ein brandneuer Track die 29 Aufnahmen umfassende Doppel-CD. Konzipiert als düsteres Liebesdrama, setzt er sich mit dem Thema Freitod auseinander. "Mosca Cieca" gedenkt als politischer Song der im Jahr 2006 ermordeten russischen Journalistin und Menschenrechtlerin Anna Politkowskaja.

Erstaunlich, wie gut sich die Tracks aus den sonst allgemein so gefürchteten achtziger Jahren gehalten haben: "Bello E Impossibile" animiert zum Mitsingen, der "Latin Lover" rotzt weiterhin lüstern über den Italo-Rock-Boulevard, und "America" (von 1979) kommt noch immer taufrisch daher. Das Schlagzeug pumpt, und die Kanten der Riff-Sägen zeigen noch immer keinerlei Abnutzungserscheinungen. Auf "Elisir" gibt sich Gaststar Paolo Conte die Ehre, der gleichzeitig Text und Musik verfasste. Uptempo-Rock bietet "Scandalo", während "California" mit Blues-Versatzstücken spielt.

Pop mit unnachahmlich mediterranem Flair verbreiten Nummern wie "Meravigliosa Creatura", "Revolution" und natürlich der Single-Hit "I Maschi". Giannas Stimme verlor im Verlauf der Karriere-Jahrzehnte nichts von ihrer Faszination. Es kribbelt im Ohr, wenn sie mit ihrem einzigartigen Reibeisen-Organ die Texte krächzend, röhrend und knurrend ins Mikro peitscht. Egal, welcher Takt, egal, welche Tonlage: Dank ihres Gespürs für hautnahe Vorgehensweisen lässt sich der Hörer problemlos gern in Zuhör-Haft nehmen.

Eine gelungene Kompilation, bei der die Titel aus den jüngeren Schaffensperioden den Großteil der Zusammenstellung ausmachen, ohne die Anfangsjahre stiefmütterlich zu behandeln. Nach wie vor besetzt die Sängerin den Platz als verdientes Rock-Aushängeschild Italiens. Und das mit einem derart langen Atem, im dem fraglos auch für die Zukunft noch eine Menge Power steckt.

Erhältlich ist "Gianna Best" ebenfalls als "Tour Edition", erweitert durch eine Zusatz-CD mit fünf Live-Tracks.

Trackliste

CD 1

  1. 1. Suicidio D'Amore
  2. 2. Mosca Cieca
  3. 3. Possiamo Sempre
  4. 4. Pazienza
  5. 5. Sei Nell'Anima
  6. 6. Dolente Pia
  7. 7. Radio Baccano
  8. 8. Io Senza Te
  9. 9. Scandalo
  10. 10. Mura Mura
  11. 11. Meravigliosa Creatura
  12. 12. America
  13. 13. Revolution
  14. 14. California/Sola Con La Vela

CD 2

  1. 1. Meravigliosa Creatura
  2. 2. Io
  3. 3. Fotoromanza
  4. 4. Ragazzo Dell'Europa
  5. 5. Profumo
  6. 6. Bello E Impossibile
  7. 7. Latin Lover
  8. 8. I Maschi
  9. 9. Aria
  10. 10. Amandoti
  11. 11. Elisir
  12. 12. Notti Senza Cuore
  13. 13. Alla Fine
  14. 14. Un Desiderio
  15. 15. Una Luce

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