laut.de-Kritik

Man ist versucht, den alten Zeiten nachzutrauern.

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"Receiver", auch so ein Wort, das wohl über kurz oder lang aus dem Standard-Wortschatz verschwinden wird. Wie auch Kassettenrekorder oder Tonbandgerät. Im Zusammenhang mit Musik geht es hier um den Funkempfänger. In audiophiler Vorzeit ist damit das Radio gemeint.

Remember? Die klobigen Kisten, aus denen es scheppert und knarzt? So retro wie das elektronische Gerät war bislang auch der Sound des Frank Popp Ensembles. Jetzt knattert Frank mit zwei Neuerungen um die Ecke. Erstens fällt das Ensemble ersatzlos aus dem Namen, zweitens präsentiert er dem Publikum einen neuen Sound.

Der rumpelt um einiges ruppiger aus den Boxen und soll sich mehr am Live-Sound orientieren, den Popp auf die Bühne bringt. Man ist versucht, den Zeiten, denen man nun verlustig gegangen ist, nachzutrauern. "Receiver" klingt in weiten Teilen nämlich nur nach solidem Rock'n'Roll-Pop. Der Köcher, aus dem Popp die Swing-, Funk- und Groove-Pfeile entnahm und sie stets treffsicher im tanzboden-kompatiblen Ziel versenkte, muss irgendwie leer sein.

Nicht, dass die Trackliste keine Zappel-Songs bereithalten würde. Die Richtung, in die die Popp-Musik tendiert, nähert sich aber mit der Neu-Orientierung mitunter einer lauwarmen Beliebigkeit an. Beispielhaft lässt sich dies an "Countdown To The Sun" festmachen. Akustisches Gitarrengeschrammel prägt das von Ex-Blackmailer Aydo Abay gesungene Stück. Knietief im Britpop mäandert die Stimmung zunehmend in einer melancholisch-weinerlichen Sülze. Irgendwie seltsam.

Der Wiedererkennungswert des Popp-Sounds ist dennoch hoch. Die neuerdings blonde Sängerin Sam Leigh-Brown verfeinert mit ihrem klaren Gesang einige der Kompositionen und zeichnet auch dafür verantwortlich, dass nicht sämtliche Trademarks aus dem Klangbild verschwinden. "Nothing To Gain" erinnert noch am ehesten an alte Zeiten.

Bei "I Don't Mind" meint man eine Frau singen zu hören. In Wirklichkeit steckt hinter dem gequetscht nervigen Gesang aber ein gewisser Andy Jones, Sänger der walisischen Band Roseville. Würde Sam beim folgenden "Dead End Street" das Eingangsriff mit ihrem Gesang nicht entschärfen, und läge auf den Klampfen noch eine Spur mehr Aggressivität, man könnte glatt glauben, einer AC/DC-Nummer zu lauschen.

Soundtechnische Erneuerung in Ehren, der große Wurf bleibt hier leider aus. Solide und gut gemachte Unterhaltung bietet Frank Popp aber nach wie vor.

Trackliste

  1. 1. Burn The Bridges
  2. 2. Nothing To Gain
  3. 3. I Don't Mind
  4. 4. Dead End Street
  5. 5. Countdown To The Sun
  6. 6. Change
  7. 7. A Thousand Mirrors
  8. 8. Live Wire
  9. 9. Receiver
  10. 10. Hey Mr Innocent
  11. 11. Magic Birds
  12. 12. The Red And Green
  13. 13. A Lifetime In A Day
  14. 14. Scarecrow

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