laut.de-Kritik

Rap getränkt mit Blues und Country.

Review von

Welcher Musiker schaut schon auf eine ähnlich fulminante, von Höhen und Tiefen durchzogene Karriere zurück wie Everlast? Der 42-Jährige machte vor über zwei Jahrzehnten raptechnisch auf sich aufmerksam. Seitdem beäugt er das Biz mal mehr von innen heraus, mal mit einer gewissen Distanz. Auf seinem letzten Projekt, La Coka Nostra zusammen mit einigen seiner ehemaligen House Of Pain-Veteranen, ging es nicht nur mit reichlich bratzenden E-Gitarren ans Werk, auch Rap schimmerte vermehrt durch.

Davon entfernt sich Whitey Ford auf dieser von Blues und Country getränkten Platte zusehends. Langsame, verträumte Gitarrenmelodien mit Hintergrund-Chören verzaubern "Long At All" zu einer tiefgehenden Ballade über Leben und Tod. Irgendwo in der Ferne stimmt die Akustische ein Klagelied an, das dem alternden Schrody wie auf den Leib geschnitten scheint.

"Gone For Good" legt eine Spatelspitze mehr Pepp auf die Waage und krallt sich dafür ein wenig an Melancholie. Im Ergebnis erlebt man einen Song, der einen zurück in die unbekümmerten Tage der Kindheit beamt, in denen man als kleiner Stöpsel am Lagerfeuer sitzt und selbst gerne Gitarre spielen würde. Everlasts Reibeisen-Stimme sei Dank. Ein schöner Auftakt.

Aber als Fan der alten Stunde wartet man trotz Music-Open-Mindedness doch insgeheim auf Hip Hop-Einflüsse, für die man Everlast einst frenetisch abfeierte. Auf der Single "I Get By" hört man seine Vergangenheit heraus. Er reimt, der Gesang verschwimmt mit einem gewissen Flow. Trotz - oder gerade wegen - der zurückkehrenden Traurigkeit und Seitenhieben gegen zu hartes Vorgehen der Exekutive, lässt es den Hopper-Head nicken. "I don't trust the government, I don't trust no cops." Der Song regt zum Nachdenken an, ohne zu sehr runterzuziehen.

Politik, eine gesunde Verachtung gegenüber der Regierung und die innere Flamme der Revolution waren und sind Markenzeichen des Grammy-Gewinners. "Little Miss America" erzählt vom Irakkrieg und schielt dabei sehr in Richtung Country-Musik - beziehungsweise starrt dahin. Erik nimmt kein Blatt vor den Mund und erzählt in "Sixty-Five Roses" eifrig von den Schwierigkeiten, ein Kind mit Mukoviszidose aufzuziehen. Ehrlichkeit, die fast schon blendet.

Mit einem trampelnden, für Albumverhältnisse wilden und treibenden Beat schießt der "Moneymaker" locker-lässig aus der Hüfte und trifft auf einen Rap-Part, der auf seine eigene Art und Weise gefällt, ohne eine gewisse Anti-Haltung vermissen zu lassen: "Keep us scared of Al-Qaeda always on the attack / Just in case you get by and start a war in iraq / Ship your ass overseas and get shot in the back / Keep you down on your knees like a hoe on the track."

Ein schwermütiges, dunkel-blubberndes Beatkonstrukt reißt weitere Löcher in die offenbar unüberwindbaren Barrieren Gesundheitssystem und politische Heuchelei. "I've been breakin' my neck just to live correct." "The Rain" zählt ebenfalls zu den hip-hoppigeren Songs der Platte.

Leider wirken die Blues/Country-Anleihen auf Albumlänge ermüdend. Die live eingespielten Instrumente agieren und harmonieren toll miteinander. Hier und da sehe ich mich auch mit einem Strohhut auf dem Kopf, Grashalm kauend in der Einöde Tennessees stehen. Um mir das knapp eine Stunde lang zu geben, bin ich jedoch nicht mal an Fasnet Cowboy genug.

"Musikalisch und lyrisch reflektiert dieses Album das Wechselspiel aus Flut und Ebbe, das ich in den letzten Jahren erlebt habe", so der zum Islam konvertierte Everlast, der die Produktion des Silberlings selbst in die Hand nahm. Der Singer/Songwriter erzählt und hat etwas zu sagen. Zieht man den Sympathie-Punkt ab, bleiben drei für die Lyrics und die wenigen, aber dafür sehr feinen Rap-Parts.

Trackliste

  1. 1. Long At All
  2. 2. Gone For Good
  3. 3. I Get By
  4. 4. Little Miss America
  5. 5. My House
  6. 6. Long Time
  7. 7. Friday The 13th
  8. 8. The Crown
  9. 9. Sixty-Five Roses
  10. 10. Moneymaker
  11. 11. The Rain
  12. 12. Some Of Us Pray
  13. 13. I'll Be There For You
  14. 14. Even God Don't Know
  15. 15. A Change Is Gonna Come
  16. 16. Everyone Respects The Gun
  17. 17. Final Trumpet
  18. 18. Black Coffee (Live Acoustic)

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LAUT.DE-PORTRÄT Everlast

Seine ersten Erfahrungen sammelt Erik Schrody, alias Everlast in Ice Ts Rhyme Syndicate. Schon 1990 veröffentlicht er sein erstes Soloalbum "Everlasting".

20 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Generali
    Naja, er kann Oldschool-Rap, Hardcore-Rap und Lagerfeuer-Songs - immerhin, wa.
    Ich habe auch gerne Anspruch, ganz klar, aber doch nicht dauernd und immer. Zumal hier der Anspruch eher in der Autenthizität und den Texten liegt als in der Musik selbst.
    Hier anzukommen und von Tom Waits zu labern ist halt verfehlt. Ich gehe ja auch nicht in den nächsten Cascada-Thread und laber davon wie toll Beth Gibbons ist, wa.

  • Vor einem Jahr

    Dafür gehst du in jeden Farid Bang Thread und laberst die ganze Zeit Scheiße, spammst rum, sagst tausend Mal wie behindert du ihn findest und wenn hier einem die Musik nicht gefällt, die du magst, willst du gleich, dass er sich verpisst. Bist du irgendwie schizophren?

  • Vor einem Jahr

    puni
    Everlast und Farid finden in anderen WElten statt, ich bitte Dich.
    So viel Hochnäsigkeit (lol in Richtung Nase) sei mir als alter Butterhase getattet. Whut. :)