laut.de-Kritik

Nur streckenweise spannender Flirt mit Gruselromantik.

Review von

Das Märchen Esben And The Witch fordert insgesamt 14 Todesopfer. Die Hexe selbst zerspringt in Tausende kleine Feuersteine, eine ihrer Töchter findet im Brunnen, eine andere im Ofen ihr Ende und den restlichen elf wird die Kehle durchgeschnitten. Ganz schön harter Tobak.

Die Band Esben And The Witch benannte sich aber nicht etwa nach diesem Märchen, weil die drei Bandmitglieder obsessiv düstere Märchen lesen würden. Sondern, weil sie zufällig darauf gestoßen waren und es ganz gut zur Musik und Ästhetik der Band passte.

Daran besteht auch 2013 kein Zweifel. Aber ein wenig scheint diese Zufälligkeit auch ein Indiz für den größten Makel des englischen Trios: Denn auch beim zweiten Album fehlt ihnen das letzte Quäntchen Finsternis. Das beweist schon der erste Song. "Iceland Spar" beginnt mit einem endzeitlichen Gitarren- und Schlagzeug-Gewitter. Kurz darauf setzt der hypnotische Gesang von Rachel Davies ein. Ganz so, als würde die Band sich an einer Kreuzung der kompromisslosen Härte von A Place To Bury Strangers mit der Verträumtheit von Beach House versuchen. Allerdings versteht die Band es nicht, diese Pole überzeugend zu verbinden. Keine Spur von einem Spannungsbogen, der beides zusammenhalten würde.

Auch "Slow Wave" oder "When That Head Splits" offenbaren diese Schwäche. Esben And The Witch sind großartig im Erzeugen (alp)traumhafter Stimmungen. Daniel Copeman, Rachel Davies und Thomas Fischer versetzen einen mit flimmernden Gitarren, atmosphärischen Synthies, weichem Bass und jeder Menge Hall in eine unheimliche, düstere und doch faszinierende Zwischenwelt. Abrupte Brüche, etwa wenn der Gesang einsetzt, reißen einen aber oft wieder heraus aus der Traumwelt. Nach wie vor scheitern Esben And The Witch an ihren beschränkten Songwriting-Künsten.

"Yellow Wood" bildet eine angenehme Ausnahme. Hier bäumen sich Instrumente und Gesang langsam zu einer immer beklemmenderen Drohkulisse auf. Auch bei "Despair", mit zittriger Gitarre und zuckenden Drum Machine-Beats, gelingt dieses Kunststück. Fühlt sich an wie ein nächtlicher Spaziergang durch einen nebligen Wald. Eine etwas unbehagliche Angelegenheit, und doch ziemlich schön. "The Fall of Gloria Mountain" führt zum gleichen Effekt ganz ohne Schlagzeug. Esben And The Witch at their best.

Die verführerische Gleichzeitigkeit von Schönheit und Beklemmung hält allerdings oft nur kurz. Vielleicht könnte Davies auch bei ihrer Indie-Goth-Kollegin Zola Jesus noch etwas in die Zauberschule gehen. Die ziemlich inhaltsleer wirkenden Texte könnten mitunter etwas mehr Dramatik vertragen. Oder sind es die Melodien, die fehlen? So jedenfalls bleibt es beim Flirt mit Edgar Allan Poe und der viktorianischen Gruselromantik bei einem recht belanglosen One-Night-Stand.

Trackliste

  1. 1. Iceland Spar
  2. 2. Slow Wave
  3. 3. When That Head Splits
  4. 4. Shimmering
  5. 5. Deathwaltz
  6. 6. Yellow Wood
  7. 7. Despair
  8. 8. Putting Down The Prey
  9. 9. The Fall Of Glorieta Mountain
  10. 10. Smashed To Pieces In The Still Of The Night

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6 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Sehr richtige Kritik, der oft zu glatte Sound und recht schwache Gesang trüben die gute Grundidee ziemlich. Klingt für mich wie der misslungene Versuch auf den Düsterindie-Zug aus den Staaten aufzuspringen. Nur zu empfehlen ist dagegen Chelsea Wolfe, die eine phänomenale Sängerin und erheblich weniger glattpoliert ist, keine Ahnung warum Laut die noch nicht auf dem Schirm hatte.
    Studio:
    http://www.youtube.com/watch?v=mbo-ONFgaNI
    Live:
    http://www.youtube.com/watch?v=8WrILPqRaDo

  • Vor einem Jahr

    Da die Band bereits länger und ich bin sozusagen ein Fan der ersten Stunde. Allerdings muss ich zugestehen, dass ich von dem aktuellen Album wirklich enttäuscht bin. Es ist zwar nicht schlecht, aber irgendwie nimmt die Qualität der Veröffentlichungen seit dem überragenden Erstling "33" stetig ab.
    Der Vorgänger "Violet Cries" hatte hier übrigens noch 4 Sterne bekommen.

  • Vor einem Jahr

    @Interzone (« Nur zu empfehlen ist dagegen Chelsea Wolfe... »):

    Danke für den Tipp! Wahnsinnig fesselnde Musik!

  • Vor einem Jahr

    Ich finde die neue WTSNOTF sogar etwas stärker als den Vorgänger, weil er einfach fokussierter agiert.

  • Vor einem Jahr

    Chelsea Wolfe ist natürlich überragend, ganz klar. Wird in Deutschland aber generell zu selten besprochen.

  • Vor einem Jahr

    hmm, vielen Dank für Chelsea Wolfe als Tipp. Habe mir am Wochenende mal Apokalypsis gegeben. Sehe zwar noch nicht so ganz die musikalischen Parallelen zu Esben and the witch, mag aber Stimme und reduzierte Produktion von Fr. Wolfe. Da werd ich mir wohl mal was zulegen.
    Esben and the witch kenne ich jetzt seit Violet Cries, welches mir auch eindeutig besser gefiel. Trotzdem mag ich einfach diese jammernden, chorus-/delay-verhangenen Gitarren, die mich stellenweise an frühe dredg erinnern.
    Das mögen noch nicht die größten Songwriter sein, ich finde aber, sie können wirklich überzeugend Atmosphäre schaffen - und das zeugt prinzipiell von Potential für die musikalische Zukunft. Ich bleibe an ihnen dran.