laut.de-Kritik

Spontaneität treibt die Band vorwärts.

Review von

"Um Himmels Willen, wir schreiben das Jahr 2012. Die Idee, Monate darauf zu warten, bis man ein Album veröffentlicht, ist nicht mehr zeitgemäß", so dEUS-Sänger Tom Barman. Unmittelbar nachdem im vergangenen Herbst die Arbeiten zu "Keep You Close" abgeschlossen waren, wurde an dem Follow-Up "Following Sea" gewerkelt. Frischware statt Frischhaltefolie also.

Wer auf Reste von gestern spekuliert, der irrt. Gleich mit der Film Noir-Sequenz "Quatre Mains" pocht dieses Album auf Abgrenzung und Eigenständigkeit gegenüber dem Vorwerk. Im Kopfkino läuft derweil "Sirens", das abgewetzt daherkommt und die große Ödnis fest im Blick hat. Wie ein Ry Cooder klingt das, der sich modernistisch aufputzt. Wenn jetzt jemand an Wim Wenders' "Paris, Texas" denkt, der denkt nicht verkehrt.

"Girls Keep Drinking" zeigt einen kurzen Zweikampf mit Augenzwinkern zwischen Kraftwerk und den Black Keys. Anfangs noch auf hastigem Senderdurchlauf, stellt sich schnell die Blues-Rock-Radiostation ein. "A good strong leader is what we need", singt Barman mit verdreckten Stimmbändern.

Zarte Oktav-Pirouetten drehen sich in "Nothings" am Griffbrett der Gitarre entlang und sind ein tänzelnder Vorbote für den heimlichen Hymnus "Crazy About You", der nach wunderbarem Laid-Back-Pop klingt.

An anderer Stelle folgt ein Titel mit einem Namen zum Zungeschnalzen: "Fire Up The Google Beast Algorithm", das ist fast so gut wie der vermutlich weltbeste CD-Titel, "Hardcore Will Never Die, But You Will". Mit Störfeuer und 360-Grad-Zuckungen grätscht der Suchmaschinen-Song in die Lesart der LP, damit bewusst wird: Es gibt keinen roten Faden auf "Following See". Un wenn er auftaucht, wird er abgeschnitten.

Spontaneität treibt die Band vorwärts, doch dieselbe zerhackt auch den Zusammenhang. Solange es aber um ein Album geht, brauchen Songs das aber, diese leicht magnetische Wirkung und die Bezogenheit zueinander. Denn sie gehören weder einer wahllosen Compilation an, noch sind sie als Bodensatz übrig gebliebener Ideensammlungen und damit als B-Seite zu verstehen.

Von dEUS darf man mal wieder die Flut erwarten. Bevor der Meeresspiegel wieder sinkt.

Trackliste

  1. 1. Quatre Mains
  2. 2. Sirens
  3. 3. Hidden Wounds
  4. 4. Girls Keep Drinking
  5. 5. Nothings
  6. 6. The Soft Fall
  7. 7. Crazy About You
  8. 8. The Give Up Gene
  9. 9. Fire Up The Google Beast Algorithm
  10. 10. One Thing About Waves

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3 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    Ui das ging aber flott. Keep you Close war Super!

  • Vor 2 Jahren

    Ist natürlich alles Geschmackssache, aber ich finde es schade, dass gerade meine beiden Lieblingstitel auf dem Album "Hidden Wounds" und "One Thing About Waves" keine Beachtung in der Review bekommen.
    Meiner Meinung sind diese Neuland für diese Band und daher sehr interessant.
    Generell kann ich der Kritik zustimmen, dass es keinen roten Faden gibt. So als Album war Keep You Close schon stärker, aber die meisten Songs auf Following Sea sind meiner Meinung nach einfach viel zu gut um nicht wenigstens mal rien zu hören.

  • Vor 2 Jahren

    Verschrobene Einstellung, dass man möglichst viele raushauen muss. Dachte man sollte eher auf Qualität setzen und sich Zeit lassen. Immerhin hat man ja die Musikgeschichte im Nacken, an der sich ja jeder Release messen muss. Und wer Musik mag, wird das kritisch prüfen, ob er sich für 14? einen beliebiges Album antut. Da aber heutzutage wohl eher Bindung der Fans auf der Tagesordnung steht, die anscheinend überhaupt noch Platten kaufen, kann man denen angeblich auch alles verramschen. Halbwertszeit moderner Bands geht dadurch gen null. Schade, aber so ist wohl der Trend.