laut.de-Kritik

So macht man Dicke-Eier-Rock.

Review von

Der W geht bald auf Tour. Kurz vorher wirft er den gierigen Fans noch eine EP zum Fraß vor. Die ist allerdings vergleichbar mit Rosenkohl: ein paar finden es geil, der Rest kann gut darauf verzichten. Dazwischen gibt es nichts.

Fans vom alten W kommen sicherlich auf ihre Kosten: sechs Songs, davon sind vier neu. "Gewinnen Kann Jeder" und "Heiss" dürften bekannt sein. Dazu gibt es noch zwei Videos zu "Machsmaulauf" und "Fleisch". Eine ordentliche Portion für W Liebhaber also.

Der Rest der Bevölkerung kann getrost zu anderer Kost greifen. Richtig lecker ist die Scheibe nämlich nicht. Stephan Weidners Stimme nervt gewaltig: cool und rockig versucht er zu klingen. Was er aber zwischen seinen Mandeln hervorquetscht klingt mal nach besoffenem Gegröle, mal nach nasalem Genuschel.

Auch die vielbeschworenen lyrischen und poetischen Texte sind in Wirklichkeit pseudo-weise Sprüche. Der W macht einen auf sympathischen Verlierer mit erhobenem Kopf, entpuppt sich aber eher als trinkender Phrasendrescher. "Gedanken können lernen. Wo nichts ist, kann alles werden. Niemand muss bleiben wie er ist. Darauf trinke ich." Na dann Prost.

Wenigstens haben er und seine Jungs ihr musikalisches Handwerk gelernt. Die Riffs knacken ordentlich, der Bass wummert tief unten, die Gitarren brüllen laut und die Drums treiben den ganzen Karren an. So macht man Dicke-Eier-Rock. Besonders spektakulär ist das allerdings nicht. Das Schema Strophe-Refrain-Strophe-Refrain wird selten aufgebrochen. Sogar innerhalb der Songs gibt es wenig Abwechslung.

Einzig "In Stürmischer See" bildet eine Ausnahme im W-Eintopf. Sozusagen das Salz in dieser Rock-Suppe. Hier nerven nicht einmal Text und Stimme. Richtig bedrohlich und düster kommt der Song rüber. Wenn dann der Refrain mit "Habt ihr mich da wo ihr mich wolltet" losgeht und das Schlagzeug nach einem kurzen Break wieder reinhaut gibt es sogar einen kurzen Gänsehaut-Moment.

Den Rest der Platte kann man anhören. Muss man aber nicht. Eben wie mit Rosenkohl.

Trackliste

  1. 1. Was Ist Denn Hier Nicht Los
  2. 2. An Die, Die Wartet
  3. 3. Gedanken Können Lernen
  4. 4. In Stürmischer See
  5. 5. Gewinnen Kann Jeder
  6. 6. Heiss

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28 Kommentare

  • Vor 3 Jahren

    Hiess ist der verkannte Übersong, melodisch eingehend und angenehm anzuhören, behandelt der Songtext mit kreativen Metaphern bestückt eine interessante Thematik. Die restlichen Songs sind solide, überm Durschnitt. So auch die letztliche Bewertung der EP.

  • Vor 2 Jahren

    Den W nicht zu mögen ist ja völlig ok aber diese Rezi ist trotzdem völlig daneben. Herr Graf wie wäre es wenn Eure Hoheit sich selbst mal ein Mikro und ne Klampfe in die Hand nehmen?

  • Vor 2 Jahren

    "ein phrasendreschener einfallspinsel"

    klar phrasendrescher, wie es der w schon seit jahren von sich selbst auch sagt, unbestritten.

    geile phrasen dazu.

    einfallspinsel?

    nunja, einfälle hat der Don sehr gute en Masse, das ist in den Chroniken nachzulesen.

    falls "Einfaltspinsel" gemeint ist: nunja, schaut das Loch an, welches nach den onkelz da war, und von vielen gefüllt wird: die haben musikalisch einzigartiges, grosses geschaffen.

    Und vielfältiges.

    oder ist da jemand mal wieder im nachhinein sauer, wegen den uiuiui, tiffy! angeblich böhsen skins, oder neidisch auf den erfolg, trotz boykott der medien oder dem grössten einzelkonzert eines deutschen künstlers in der lausitz?

    was fällt dem W ein?

    Oh, ein neues Voice versus Violence.

    Geil. Vorbildlich.