laut.de-Kritik

Zwei, drei Töne, mehr braucht es nicht ...

Review von

Wieso kann es auf diesen Seiten eine Depeche Mode-Rezension geben, die nicht von Michael Schuh verfasst ist? Alle Devotees müssen jetzt stark sein: Der Mann ist einfach ausgelastet. Zu viel Zeit nimmt die Katalogisierung seiner umfangreichen Devotionalien-Sammlung in Anspruch. Als Kollege springt man da gerne helfend ein.

Doch wo soll man als Mode-Amateur ansetzen? Gut, ich habe sie dieses Jahr zweimal live gesehen - immerhin. Vielleicht bei der Frage, weshalb sich ein Fan noch auf eine "Best Of Volume 1" freuen soll, eine wirr kompilierte noch dazu? Die kann nicht mal Profi Schuh beantworten. Da drängt sich der Gedanke auf, hier gehe es um reines Marketing. In diesem Zusammenhang sei an "The Singles 81-85" und "The Singles 86-98" erinnert, die mittlerweile zu einem Spottpreis erhältlich sind. Große Überraschungen darf man also auch von "Volume 2" kaum noch erwarten.

Sicher, eine neue Nummer packen sie drauf, "Martyr" - alles andere wäre unverfroren. Und der Track kann sich hören lassen. Typisch und gut - womit wir zum Kern vorstoßen: Hooklines der legendären Elektro-Pop-Band aus dem Londoner Vorort Basildon packen gnadenlos zu, Dave Gahans Stimme wirkt dazu wie ein Katalysator.

Als Beispiel mag "I Feel You" herhalten: noisend, krächzend und ungemein eingängig zugleich - eine Killer-Hymne. "Martyr" geht höchstens ein mitsingtauglicher Refrain ab - der lebt eher von Martin Gores prägnantem Gitarrenlick.

Überhaupt, Gores Gitarre. Fast alle der - von einem Nicht-Fan-Standpunkt aus betrachtet - wirklich groovenden Tracks stachelt das minimal geniale Gitarren-Handling des Depeche-Chefs an. Zwei, drei Töne, mehr braucht es nicht. Die Beweise kennt jeder: "Never Let Me Down Again", "Personal Jesus", "Suffer Well", Enjoy The Silence", "Precious" oder eben der Live-Killer "I Feel You" - anhören und verstehen.

"Strangelove" gehört zu den Songs, die diese Regel brechen. Der 87er-Song fegt Widerstand auch ohne Gitarre weg: Das Synthie-Thema bohrt sich von Beginn an einer Sirene gleich ins Hirn, drum herum ist die Nummer sehr lässig und monumental arrangiert. Wichtiger als seine Gitarre sind Gores Refrains. Depeche Mode sind eine echte Refrain-Band, ohne dass darunter die Qualität der Strophen leiden würde.

Und so liegt ihre Stärke - neben der Fähigkeit, das Sound-Design stets frisch zu halten - ganz klar im Songwriting, um das mal klar zu stellen. Nur deshalb erkletterten sie den Olymp des Cyber-Pops - und stehen dort noch immer. Das rechtfertigt vielleicht sogar die "Best Of Volume 1", die übrigens auch als Special Edition mit den Clips auf DVD vorliegt.

Trackliste

  1. 1. Personal Jesus
  2. 2. Just Can't Get Enough
  3. 3. Everything Counts
  4. 4. Enjoy The Silence
  5. 5. Shake The Disease
  6. 6. See You
  7. 7. It's No Good
  8. 8. Strangelove
  9. 9. Suffer Well
  10. 10. Dream On
  11. 11. People Are People
  12. 12. Martyr
  13. 13. Walking In My Shoes
  14. 14. I Feel You
  15. 15. Precious
  16. 16. Master And Servant
  17. 17. New Life
  18. 18. Never Let Me Down Again

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