laut.de-Kritik

Dreckiger Maschinismus mit polternden Bässen, Bleeps und Acid-Anleihen.

Review von

Wie macht Dan Snaith das nur? Neulich spielte der Mathematiker aus Kanada mit seiner ziemlich famosen Elektro-Krautrock-Band Caribou in Berlin gleich zwei Mal im Vorprogramm von Radiohead und legte zwischendurch noch fünf Stunden in einem Berliner Club auf, wobei er mit seinem Set auch den ungleich prominenteren DJ Thom Yorke ziemlich alt aussehen ließ.

Der in London wohnhafte Snaith hat als eigentlich völlig rauschabstinenter Mittdreißiger das Innovations- und Eskapismuspotential elektronischer Tanzmusik wieder für sich entdeckt. Unter dem Alias Dapnhi veröffentlicht er bereits seit 2011 herrlich oldschoolig verspulte House-Tracks, wobei sich insbesondere "Ye Ye" und "Yes, I Know" in den Clubs längst zu modernen Klassikern gemausert haben.

Für Nachzügler hat Snaith diese Tracks, die ursprünglich als Bausteine für Caribou-Sets gedacht waren, nun mit neuem Material zu einem ziemlich gelungenen Album zusammengefasst. Anders als auf Caribous eklektischem Meisterwerk "Swim" mit seinen warmen, euphorischen Pop-Hits "Odessa" und "Sun" fehlen auf "Jiaolong" zwar sowohl die zuckrige Melancholie des Indietronic als auch die angedeutete Improvisationslust des Psychedelic Rock.

Übrig geblieben ist aber Snaith' Faible für analoge Synthesizer-Sounds des Chicago House. Es ist ein roher, dreckiger Maschinismus mit polternden Bässen, Bleeps und den gelegentlichen Acid-Anleihen der Border Community, der aber von Rave Grooves ("Pairs") oder obskuren Samples einer weithin unterrepräsentierten afroamerikanischen Popkultur aufgebrochen wird. So ziert "Yes, I Know" ein fünfsekündiges, krächzendes Soul-Sample von Buddy Miles aus dem Jahr 1972 - ein Kandidat für den Song des Jahres.

Das geloopte Synthie-Zitat des Moog-Krachers "Ye Ye" ist sogar noch kürzer und stammt von dem nigerianischen Funk-Pionier William Onyeabor. "Ne Noya" von Cos-Ber-Zam war einst ein Afrobeat-Hit in Togo, im Daphni-Remix wird er im Geiste von Theo Parrishs großartiger "Ugly Edits"-Reihe nur um einen Funken Space-Disco erweitert. In "Light" ist es dagegen nur eine Querflötenmelodie, die in einen rumpeligen 8-Bit-Track einbricht.

"Ahora" klingt mit da mit seiner rhythmischen Hervorhebung der Hi-Hat und trippiger Elektro-Grooves noch am ehesten nach einem Caribou-Track. Lustvoll orgelt und knattert auch "Jiao" vor sich hin, während das erneut formidable Schlussstück "Long" zwischen White Noise und der rockigen Klimax-Electronica eines James Holden oder eines Four Tet oszilliert.

Für so manchen melodieverliebten Caribou-Fan dürfte "Jiaolong" in seiner pumpenden Nerdigkeit in voller Länge womöglich etwas zu viel des Guten sein. Tatsächlich ist es eines der wenigen unkonventionellen und daher mit Leichtigkeit auch eines der besten elektronischen Alben des Jahres 2012.

Trackliste

  1. 1. Yes, I Know
  2. 2. Cos-Ber-Zam Ne Noya (Daphni Mix)
  3. 3. Ye Ye
  4. 4. Light
  5. 5. Pairs
  6. 6. Ahora
  7. 7. Jiao
  8. 8. Springs
  9. 9. Long

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