laut.de-Kritik

"Same Same, but different."

Review von

Schon seit ein paar Alben lassen sich Calexico nicht mehr ganz so einfach in eine Schublade einsortieren. So klar deplatziert wie auf "The Thread That Keeps Us" war der gerne vorschnell gezückte 'Latin-Americana-Jazz-Mariachi'-Stempel allerdings noch nie.

Keine Sorge, natürlich vollzieht die im Kern aus Schlagzeuger John Convertino und Frontmann Joey Burns bestehende Band auf ihrem neunten Album keine Abkehr von bisherigen Tugenden. Allerdings sind es die neuen, im Calexico-Kontext noch nicht wahrgenommenen Elemente, die "The Thread That Keeps Us" einen ganz eigenen Glanz verleihen.

Dass sich einige der neuen Songs ein wenig krachiger als gewohnt anfühlen, sei gleich zwei Dingen geschuldet, gibt Burns zu Protokoll. Zum einen befinde sich die Welt derzeit ohnehin in einem durchaus als chaotisch zu bezeichnendem Zustand. Zum anderen sei der Drang, neue Dinge auszuprobieren, für die Entwicklung von Calexico schon immer ein wichtiger Faktor gewesen.

Bereits der Opener "End Of The World With You" gerät unerwartet schmissig. Abgefahren arrangierte, schwebende Gitarren ("Heroes", irgendjemand?) fusionieren mit der Leichtigkeit großer US-Komponisten wie Paul Westerberg zu einem großen Song.

In eine ähnliche Kerbe schlägt das eher rockige "Bridge To Nowhere", dessen treibendes Hauptriff in ein beatleesques Finale mit famosen Gesangsharmonien umschlägt. Doch mit "Under The Wheels" überraschen sich Calexico dann wohl auch selbst. Funky Tex Mex-Groove, minimal angerappter Gesang, kapitale Hookline mit satten Synthies ergeben einen potentiellen Überhit, den man den Amerikanern beim besten Willen nicht mehr zugetraut hätte.

Nicht minder begeisternd ist "Another Space", das Großstadthektik versprüht und irgendwie an eine Lo-Fi-Version von Yello erinnert. Gegen Ende leisten sich Convertino und Burns sogar den Luxus, den lässigen Rocker "Dead In The Water" (inklusive The Stooges-Piano) zu verstecken, dessen unvergleichlich intensives, weil authentisches Flair sämtlichen europäischen Möchtegern Country-Rockern den Stetson von der Tonsur pustet. Extrem cool.

Aber selbst in diesen zunächst ungewohnt wirkenden Songs steckt noch mehr als genug originäre Musik-DNA. Und "Voices In The Field", "Thrown To The Wild", "The Town And Miss Lorraine" sowie das herzzerreißende "Flores y Tamales" reihen sich problemlos in das bisherige Calecixo-Sujet ein. Insgesamt ist "The Thread That Keeps Us" ein teilweise überraschendes, frische Akzente setzendes und insgesamt sehr starkes Album geworden, das nicht nur bei Fans für Freude sorgen wird.

Trackliste

  1. 1. End Of The World With You
  2. 2. Voices In The Field
  3. 3. Bridge To Nowhere
  4. 4. Spinball
  5. 5. Under The Wheels
  6. 6. The Town & Miss Lorraine
  7. 7. Flores y Tamales
  8. 8. Another Space
  9. 9. Unconditional Waltz
  10. 10. Girl In The Forest
  11. 11. Eyes Wide Awake
  12. 12. Dead In The Water
  13. 13. Shortboard
  14. 14. Thrown To The Wild
  15. 15. Music Box

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3 Kommentare

  • Vor 2 Monaten

    Es geht wieder aufwärts! Auf dem Vorgänger erschienen sie mir etwas inspirationslos. Hier gehen sie wieder einen Schritt zurück, gefällt erst mal richtig gut!

  • Vor 2 Monaten

    Die Nu Cumbia-Anteile in der Vorab-Single zu "Edge of the sun" haben mich damals etwas zurückschrecken lassen und so wurde es für mich zum Stiefkind ihres Schaffens... Ausgerechnet Calexico so gedrungen und überdeutlich am Puls der Zeit? Bzw. selbigen sogar einen Tick hinterher hechelnd in einer Vorab-Single zum Album? Mit Nu Cumbia, die 2015 längst den Tiegel in (vor allem Süd-)Amerika hinter sich hatte und gerade in zaghaften Ausläufern ausgewählte europäische Clubs am fluten war?

    Dabei finden sich sogar auf dem Vorgänger und damit im Spätwerk "Algiers" noch absolute Großtaten und potentielle Diskographie-Best-ofs. Allein das Titelstück als Theme für eine gerade beginnende Beziehung sowie "Para" zur gefühlsmäßig (lyrisch nicht ganz so) adäquaten Beschreibung von deren unvorhersehbaren Ende bilden für mich eine perfekte Klammer voller auf angenehme Weise unangenehmer Erinnerungstrigger.

    Nach der hübschen Rezi und dem nahezu immer stimmig zu meinem ausfallenden Eindruck von battlefire ist mein Hunger auf Tex-Mex jedenfalls wieder geweckt.

  • Vor 2 Monaten

    Wirklich mal wieder eine gute Gesamtplatte inklusive guter Hitfetzen wie Under the wheels.