laut.de-Kritik

Die Verbindung aus Moderne und traditionellen Elementen geht voll auf.

Review von

Es ist einiges passiert seit dem letzten Output "A Night At The Opera". Ein zweites Demons & Wizards-Album ist erschienen, Drummer Thomen Stauch hat seinen Hut genommen, um mit Savage Circus eher den alten Tugenden von Blind Guardian zu frönen und das lang angekündigte Klassikalbum der Jungs nimmt immer weiter Form an.

Doch nun präsentiert uns das Quartett um Neudrummer Frederik Ehmke zunächst mal mit "A Twist In The Myth" ihren neuen Geniestreich, der wohl keine Fan enttäuschen wird. Das fängt schon beim fantastischen Cover an, das die visuelle Grütze des Vorgängers schnell vergessen macht. Doch dabei handelt es sich ja nur um die Garnierung, das wahre Herzstück liegt natürlich im Inneren und bietet 50 Minuten allerfeinsten Metals.

Mit einem ungewohnt hohen Scream steigt "This Will Never End" in das Album ein, treibt danach aber mit satten Riffs und flottem Drumming kräftig voran. Die Krefelder verlassen sich wieder verstärkt auf ihre Gitarren und den Gesang, um für großartige Melodien zu sorgen. Die Zeiten, in denen der Bombast ins schier Grenzenlose ging, sind vorbei. Allein vereinzelte Chöre und Keyboards sind nach wie vor mit dabei und tragen zur Atmosphäre bei.

"Otherland" ist da schon weniger straight, sondern setzt gleich zu Beginn auf interessante Arrangements. Wie schon im Interview von Hansi erwähnt, drängt sich der Song für das Thema des 'Inner Districts' aus dem ersten Teil der Otherland-Saga förmlich auf. Hier herrscht eine dichte, verzaubernde, doch zum Teil auch bedrückenden Atmosphäre, die immer wieder in einem epischen Chorus gipfelt. Die Verbindung aus Moderne und traditionellen Elementen geht voll auf.

Sehr folkloristisch geht es anschließend mit "Turn The Page" zur Sache. Der bedrückenden Grundton des Vorgängers schlägt schnell in eine sehr gelöste, beinahe fröhliche Stimmung um. Hansi greift erneut auf relativ hohe Stimmlagen zurück, an die man sich erst gewöhnen muss. Zwar klingt der Mann auch hier absolut sicher, live kann das aber schon ganz anders aussehen. Ein etwas rauerer Unterton wäre mir hier doch lieber.

Mit der Single "Fly" haben sie ja im Vorfeld schon für einige Diskussionen gesorgt, denn hier zeigen sich Blind Guardian so modern wie eigentlich nie zuvor. Da soll noch einer behaupten, dass die Band nur mit Trallala-Melodien arbeitet. Die Nummer hat richtig Eier und klingt ungewöhnlich. Trotzdem steht zu jeder Zeit außer Frage, welche Band hier gerade am Werk ist. Das liegt nicht nur an Hansis charakteristischer Stimme, sondern genauso an der Gitarrenarbeit von André und Magnus.

Einen fast schon besinnlichen Einstieg bietet "Carry The Blessed Home". Obwohl immer wieder leichte hymnische Steigerungen auftauchen und der Chorus einfach wieder nur groß ist. Die Dudelsack-Elemente gehen nahtlos in die Gitarrenmelodien über, so dass man hin und wieder gar nicht weiß, wer gerade den Ton angibt. Die Ansätze zum Musical sind definitiv schon vorhanden.

Das steht bei "Another Strange Me" zu keiner Zeit zur Debatte. Hier regieren wieder die Gitarren. Der Song geht auch recht straight zur Sache. Gleiches gilt auch für das darauf folgende "Straight Through The Mirror". Einmal mehr ist jedoch der Gesang zumindest bei mir Stein des Anstoßes. Zu hoch, zu wenig Eier und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Ansonsten aber eine typische Blind Guardian-Nummer.

Als ob es ihnen damit zu langweilig wäre, legen sie mit "Lionheart" deutlich progressiver los. Einmal mehr glänzt auch Drummer Frederik durch ein paar sehr ausgefeilte Arrangements. Häufige Wechsel in der Rhythmik und ein paar recht ungewöhnliche Backing Vocals machen das Stück zu einer sehr interessanten Nummer, bei der man auch nach zahlreichen Durchläufen immer noch ein paar neue Kniffe entdeckt.

Wer auf "A Night At The Opera" noch die typische Blind Guardian-Ballade vermisst hat, wird mit "Skalds & Shadows" bestimmt glücklich werden. Von der Stimmung her ähnlich wie "A Past And Future Secret", sorgen hier die Akustikgitarre und ein paar orchestrale Einsprengsel für die Melodie. Noch darf Hansi hier singen, bin mal gespannt, ob das live in ein paar Wochen schon das Publikum übernimmt.

Mit "The Edge" ziehen zunächst düstere Gewitterwolken auf, die sich in geballten Drums und rasend schnellen Gitarren manifestieren. Lange hält diese Stimmung jedoch nicht an, denn spätestens im Chorus bricht wieder die Sonne hervor. Den Schlusspunkt setzt das eher gemäßigte "The New Order", das die immer wieder auftretende moderne Ausrichtung des Albums abschließend nochmals unterstreicht.

"A Twist In The Myth" steht deutlich mehr im Zeichen des Rocks und so wurden die orchestralen Passagen drastisch reduziert. Anstatt aber nur back to the roots zu gehen, ist die Ausrichtung modern. Hier liegen die Neuerungen und Unterschiede - wie so oft - im Detail. Waren die euphorischen fünf Punkte beim letzten Album noch vorschnell gezückt, bin ich mir dieses Mal mit der Bewertung aber 100%ig sicher.

Trackliste

  1. 1. This Will Never End
  2. 2. Otherland
  3. 3. Turn The Page
  4. 4. Fly
  5. 5. Carry The Blessed Home
  6. 6. Another Strange Me
  7. 7. Straight Through The Mirror
  8. 8. Lionheart
  9. 9. Skalds & Shadows
  10. 10. The Edge
  11. 11. The New Order

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21 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    meins auch gleich nach eunuchenchor natürlich :D

  • Vor 7 Jahren

    Mh man sollte lieber die Genialität in dem Album entdecken! Ich findes es großartig mal Blind Guardian von einer anderen Seite und nicht immer diese normalen eingängigen Lieder von früher, will nicht meinen das die früheren Lieder schlecht sind ,nein nur das ich es großartig finde das sich Blind Guardian weiterentwickelt.
    Und ich werde sie auch weiterhin unterstützen mit meinem Kauf.

  • Vor 7 Jahren

    Ich habe mir wirklich Mühe gegeben, die genialität in diesem Album entdecken.

    Leider hat Screwball vollkommen recht. Ich glaube, ich finde das Album mittlerweile sogar noch schlechter als ANATO.

    Rock on!