laut.de-Kritik

Die Gottväter des Heavy Metal schließen den eigenen Teufelskreis.

Review von

Langsam, bleischwer und unerbittlich misanthropisch fräst sich die monumentale Gitarre Tony Iommis in die Ohrmuschel. Keine Laubsäge, sondern Hirnsäge! "Ist dies das Ende des Anfangs oder der Anfang vom Ende?" fragt Ozzy an der Eingangstür zum Tower of Doom. Jeder Besucher, der diese Höllenpforte namens "13" durchschreitet, ist augenblicklich dem Fluch dieses schwefligen Zeitlupenmetals verfallen. Kreuzigung? Nein, Sabbath, schwarzer Sabbath! Jeder bitte nur ein umgedrehtes Kreuz!

Ozzys Frage darf gern offen bleiben. Einerseits ist dieses erste gemeinsame Studioalbum seit 35 Jahren ein echter stählerner Neuanfang. Die Gottväter des Heavy Metal schmieden ihr archaisches Eisen in den Zeiten von iPhone, Facebook und Twitter. Andererseits hatte der krebskranke "einflussreichste Gitarrist aller Zeiten" beim Komponieren stets den Sensenmann in Form eines malignen Lymphoms vor Augen.

Wie lang es zwischen den nicht immer harmonierenden "best mates" Iommi und Osbourne ohne Zank gut geht, weiß man ohnehin nie. Sollten diese Klänge also tatsächlich die letzten Töne von Black Sabbath Mark I sein, wäre es ein großartiger Abschied in künstlerischer Würde. Wenn dieser Doom - immerhin ihr gemeinsames Kind - tatsächlich die Verdammnis bedeutet, dann bin ich gern verdammt in alle Ewigkeit.

Der Sauertopf am Sechssaiter macht keinerlei Gefangenen, sondern haargenau dort weiter, wo er mit dem viel zu früh gegangenen Dio anno 2009 mit "The Devil You Know" aufhörte. Die schroffen Riffattacken klingen nicht einen Deut freundlicher als Iommis typisch zerklüfteter Gesichtsausdruck.

Auch John Michael Osbourne ist zum ersten Mal seit Jahrzehnten endlich wieder in der bestechenden Form seines ewigen Solo-Zeniths "No More Tears". Mit dem unnachahmlichen Quietschgesang zwischen Dämon, Psychopath und Hundespielzeug brennt der "motherfucking Prince of Darkness" jedem einzelnen Lied sein Zeichen ein.

Geezer Butler gibt - getreu dem eigenen Namen - songdienlich und uneitel den selbigen. Da Drummer Bill Ward es vorzog, den Spielverderber zu geben, angelten die Briten sich kurzerhand Brad Wilk, der sonst bei Rage Against The Machine die Felle gerbt. Und er ist viel mehr als ein Ersatz. Ohne die schleppenden Tracks zu verraten, impft er ihnen eine Prise der aggressiven Dynamik des RATM-Spirits ein. Auch die Freunde des BS Mark II Drummers Vinnie Appice werden den Stil sicherlich mögen. Sehr gelungene Vorstellung mit seiner Mischung aus Frischzellenkur und Tradition.

Auch die Produktion rangiert auf hohem Niveau. Rick Rubin reißt sich zum Glück immer dann zusammen, wenn es wirklich darauf ankommt. Der Guru, der sich zuletzt oft mit bedenklich limitiertem Luschenkram wie Kid Rock oder Linkin Park verschwendete, zeigte bereits mit Beyond Magnetic eine deutlich ansteigende Formkurve. Als Produzent ist der Amerikaner immer dann am besten, wenn er sich darauf beschränkt, vorhandene Stärken und Eigenarten der Musiker zu unterstreichen. Das klappt hier endlich mal wieder wunderbar, weil die Engländer davon auch genug mitbringen.

Doch vor allem die stets zum Sprung bereite, leicht aggressive Energie zwischen den beiden ehemaligen Streithähnen Tony und Ozzy erzeugt einmal mehr elektrisierende Momente. In "Damaged Soul" rühren sie ihrem schwerblütig mäandernden Lava-Metal eine gehörige Portion Blues ein, die - samt Mundharmonika - keine Sekunde lang rockistisch wirkt. Die großartige Ballade "Zeitgeist" eliminiert alles, was der eine oder andere bei "Changes" ("Black Sabbath Vol. 4", 1972) als kitschig empfinden mag. Ein wunderschön perkussives Arrangement mit filigraner Gitarre und Edelbass. Darüber singt Ozzy eine Melodie so betörend, dass man es getrost als "Solitude" Part II bezeichnen darf.

Textlich betrachtet ist sicherlich "God Is Dead?" eines der außergewöhnlichsten BS-Stücke überhaupt. Das Anprangern kirchlicher Korruption, Herrschsucht und Hang zum Missbrauch als philosophische Frage, eingebettet in eine sinistre Gruselstory, deren Ende der bluttriefende Priester nicht überleben wird. Zum Ausklang des letzten Liedes "Dear Father" schließen sie elegant den eigenen Teufelskreis. Mit Regenguss, Donner und unheimlicher Kapellenglocke klingt das Album dort aus, wo einst die Reise mit ihrem Übersong "Black Sabbath" ("Black Sabbath, 1970) begann. Es scheint, als gäbe es bei dieser Band weder Anfang noch Ende. Alles bleibt immer Gegenwart.

Trackliste

  1. 1. End Of The Beginning
  2. 2. God Is Dead?
  3. 3. Loner
  4. 4. Zeitgeist
  5. 5. Age Of Reasonr
  6. 6. Live Forever
  7. 7. Damaged Soul
  8. 8. Dear Father

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75 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    Naidoo und Sabbath in einer Woche! Christ und Antichrist!
    Und wie immer gewinnen die Bösen, denn sie schmieden auf dem Feuer des Hasses und der Wut den tonnenschweren Stahl der Verdammnis!

    Die Platte wird herrschen wie der zwiefach Gehörnte über die Hölle!

  • Vor einem Jahr

    @Cyclonos (« Naidoo und Sabbath in einer Woche! Christ und Antichrist!
    Und wie immer gewinnen die Bösen, denn sie schmieden auf dem Feuer des Hasses und der Wut den tonnenschweren Stahl der Verdammnis!

    Die Platte wird herrschen wie der zwiefach Gehörnte über die Holle! »):

    hast du das aus einem Manowarbooklet? :D

  • Vor einem Jahr

    Wertung und Review etwas arg euphorisch. 3 Punkte hätten es sicher auch getan.